Wie entwickeln sich die Importmengen für Medizinalcannabis laut BfArM?
Stand: März 2022 (BfArM-Meldung vom 4. März 2022). Die Importmengen für Medizinalcannabis steigen laut Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) seit 2017 kontinuierlich an. Für 2021 nennt die Behörde rund 20,6 Tonnen, getrocknete Blüten und Extrakte zusammen. Die Meldung ist auf den 4. März 2022 datiert. Neuere Angaben für das Jahr 2025 veröffentlichte das Bundesgesundheitsministerium (BMG).
Was die BfArM-Meldung beschreibt
Die Meldung beschreibt eine stetige Entwicklung. Seit 2017 nehmen die Einfuhren von Cannabis zur medizinischen und wissenschaftlichen Nutzung nach Angaben der Behörde Jahr für Jahr zu. Die Angabe bezieht sich auf getrocknete Blüten und Extrakte zusammen.
Einzelne Quartalswerte nennt die Meldung nicht. Die Bundesopiumstelle veröffentlicht die summierten Quartalsimporte laut Meldung in den FAQ „Medizinisches Cannabis“.
Was die Zahl für 2021 bedeutet
Rund 20,6 Tonnen sind eine Einfuhrmenge. Sie zeigt, wie viel Cannabis zur medizinischen und wissenschaftlichen Nutzung nach Deutschland kam. Nach der Meldung lässt sich aus den beantragten und genehmigten Jahreshöchstmengen nicht auf den Bedarf an Medizinalcannabis in Deutschland schließen.
Wer aus der Importmenge auf die Zahl der Patientinnen und Patienten schließt, rechnet mit einer Größe, die die Behörde so nicht bestätigt. Eine Einfuhr ist keine Verschreibung, und eine Verschreibung ist keine Behandlung.
Wie sich die Zahlen zum Jahr 2025 einordnen
Für das erste Halbjahr 2025 nennt das BMG deutlich höhere Werte: Die Importe stiegen gegenüber dem Vorjahreszeitraum von rund 19 auf rund 80 Tonnen. Die Angaben stammen aus einer anderen Quelle und betreffen einen anderen Zeitraum. Sie sind deshalb nicht direkt mit der BfArM-Zahl für 2021 gleichzusetzen.
Wie die Zahlen des BMG zu verstehen sind, erklärt der Artikel zu den Importen im ersten Halbjahr 2025.
Was die Importmenge im Alltag nicht zeigt
Eine Importmenge sagt nicht, wie viele Menschen behandelt werden, wie viel davon verordnet wird oder wer die Mittel tatsächlich erhält. Für die Versorgung im Alltag sind andere Fragen wichtiger, etwa die Kassenerstattung. Seit dem 30. Juli 2026 zahlt die Kasse keine getrockneten Blüten mehr. Das erklärt der Artikel zu laufenden Therapien.
Prävention und Vorsicht beim Lesen von Zahlen
Große Mengen klingen in Schlagzeilen schnell nach einem Urteil über Menschen. Wer Medizinalcannabis nimmt, sollte Schlagzeilen einordnen und die eigene Therapie mit der Praxis besprechen. Dosis, Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Mitteln gehören in dieses Gespräch.
Wie die Zahlen gemessen werden
Die Importmenge erfasst die Einfuhren eines Jahres, also die Menge, die über die Grenze kam. Sie sagt nicht, welche Menge in Apotheken ankam oder bei Patientinnen und Patienten landete. Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Einfuhr und Abgabe zeitlich auseinanderliegen können. Die Meldung des BfArM beschreibt die Menge als Gesamtsumme aus getrockneten Blüten und Extrakten, nicht als Aufschlüsselung nach Produkt.
Warum die Entwicklung seit 2017 wichtig ist
Die Entwicklung seit 2017 zeigt, dass die Einfuhren nicht nur kurzfristig gewachsen sind. Ein stetiger Anstieg über mehrere Jahre lässt sich deutlicher einordnen als eine einzelne Zahl. Die Meldung nennt dazu keine Gründe. Wer die Entwicklung beurteilen will, sollte deshalb die Reihe der Jahre betrachten.
Wie die Einfuhren mit der Kassenerstattung zusammenhängen
Die Einfuhrzahlen sagen nichts direkt über die Kassenerstattung. Für die Erstattung zählen die Verordnungen und deren Abrechnung. Seit dem 30. Juli 2026 gilt für getrocknete Blüten zusätzlich die Regel, dass sie nicht mehr zulasten der Krankenkassen verordnungsfähig sind. Die Importmenge aus dem Jahr 2021 hat damit keinen unmittelbaren Bezug zu dieser Kassenregel, auch wenn beide Themen zur Versorgung gehören.
Mengen richtig lesen
- Eine Tonne sind tausend Kilogramm. So lassen sich Angaben aus unterschiedlichen Meldungen vergleichen.
- Ein Kalenderjahr und ein Halbjahr sind nicht direkt vergleichbar.
- Gesamtmengen aus Blüten und Extrakten sagen nichts über den Anteil einzelner Präparate.
Wie man BfArM-Angaben zitiert
Wer eine Zahl aus einer BfArM-Meldung weitergibt, sollte das Datum der Meldung nennen, die Einheit angeben und den Zeitraum benennen. Bei der Meldung vom 4. März 2022 bezieht sich der Wert auf das Jahr 2021. Spätere Angaben stammen aus anderen Veröffentlichungen, und sie lassen sich nicht ohne Weiteres mit älteren Werten zusammenführen.
Ein Vergleich über mehrere Jahre braucht gleiche Einheiten und gleiche Produktgruppen. Die Meldung fasst Blüten und Extrakte zusammen. Wer die Entwicklung mit anderen Werten vergleicht, sollte prüfen, ob dieselben Produkte gemeint sind. So vermeidet man Missverständnisse, besonders bei Zahlen, die in Debatten schnell verkürzt werden.
Warum Datum und Zeitraum zählen
Eine Zahl ohne Zeitraum ist schwer zu deuten. Die Angabe für 2021 beschreibt ein einzelnes Jahr, während die Angaben zu 2025 ein Halbjahr betreffen. Beides lässt sich nicht einfach addieren oder vergleichen. Wer die Entwicklung erklärt, nennt deshalb immer Jahr oder Halbjahr und das Datum der Quelle.
Was du jetzt tun kannst
- Lies die Originalmeldung des BfArM und prüfe das Datum, bevor du Zahlen weitergibst.
- Unterscheide zwischen Einfuhrmengen, Verordnungen und der Zahl der Behandelten.
- Frage bei konkreten Fragen zu deiner Versorgung deine Praxis oder deine Krankenkasse.
Alle Meldungen zu Cannabis findest du unter Aktuelles und Rechtsentwicklung.
Häufige Fragen
Wie hoch waren die Importmengen laut BfArM für 2021?
Laut BfArM wurden in 2021 rund 20,6 Tonnen Cannabis zu medizinischen und wissenschaftlichen Zwecken eingeführt, als getrocknete Blüten und Extrakte zusammen. Die Meldung ist auf den 4. März 2022 datiert. Sie beschreibt einen stetigen Anstieg seit 2017.
Sagen die BfArM-Zahlen etwas über den Bedarf in Deutschland?
Nein. Nach der Meldung lässt sich aus den beantragten und genehmigten Jahreshöchstmengen nicht auf den Bedarf an Medizinalcannabis in Deutschland schließen. Eine Einfuhrmenge zeigt nur, wie viel nach Deutschland kam. Für Aussagen über Behandlungen braucht es andere Angaben.