Welche Fragen helfen bei der Selbsteinschätzung?
Die Selbsteinschätzung beim Cannabiskonsum funktioniert über ehrliche Fragen. Sie zeigen, ob der Konsum noch in deinem Rahmen liegt oder ob er Folgen hat, die du nicht mehr einfach übersiehst. Dieser Artikel stellt dir einen Fragenkatalog vor, der Menge, Kontrolle, Alltag, Gesundheit und Umfeld abdeckt. Er ersetzt keine Beratung, hilft dir aber, die eigene Lage besser einzuordnen.
Wie du den Fragenkatalog nutzt
Die Fragen stammen aus diesem Ratgeber und lehnen sich an die Merkmale an, die drugcom für eine Abhängigkeit nennt. Beantworte jede Frage mit Ja oder Nein und notiere dir kurz, woran du denkst. Schau dabei auf die letzten zwölf Monate, nicht nur auf die letzte Woche. Ein Ausreißer sagt wenig, ein Muster sagt viel.
Wichtig ist Ehrlichkeit gegenüber dir selbst. Niemand muss die Antworten zeigen. Sie sind dazu da, dir einen klaren Blick zu verschaffen, und dafür lohnt es sich, ehrlich zu sein.
Fragen zur Menge und Häufigkeit
Die Menge und die Häufigkeit sind der erste Anhaltspunkt. Sie zeigen, ob der Konsum regelmäßig geworden ist und ob er sich ausweitet.
- Konsumierst du häufiger als früher?
- Brauchst du mehr, damit es dir so geht wie früher?
- Konsumierst du öfter alleine als in Gesellschaft?
- Planst du deinen Tag um den nächsten Konsum herum?
Wenn du bei mehreren dieser Fragen mit Ja antwortest, lohnt sich ein genauer Blick. Das Konsumtagebuch hilft, die Antworten zu prüfen. Die Methode erklärt Hilft ein Konsumtagebuch bei der Selbstkontrolle?.
Fragen zur Kontrolle
Kontrolle heißt, dass du entscheidest, wann und wie viel du konsumierst. Diese Fragen zeigen, ob dir das noch gelingt.
- Hast du dir schon vorgenommen, weniger zu konsumieren, und es nicht geschafft?
- Konsumierst du länger oder mehr, als du vorhattest?
- Hast du Schwierigkeiten, eine Pause einzulegen?
Diese Punkte sind eng mit Kontrollverlust verbunden. Mehr dazu erklärt der Artikel Was bedeutet Kontrollverlust beim Konsum?.
Fragen zum Alltag
Der Konsum zeigt sich oft im Alltag, bevor er auffällt. Prüfe, ob Pflichten noch zuverlässig erledigt werden und ob Hobbys und Termine Bestand haben.
- Leidet deine Leistung in Schule, Ausbildung, Studium oder Beruf?
- Hast du Termine vergessen oder Aufgaben liegen lassen, weil du konsumiert hast?
- Fährst du nach dem Konsum Auto oder Rad?
- Hast du Hobbys oder Sport aufgegeben?
Gerade die Frage nach dem Fahren ist wichtig. Nach § 24a Abs. 1a StVG handelt ordnungswidrig, wer ein Kraftfahrzeug führt und 3,5 ng/ml oder mehr THC im Blutserum hat. Dabei ist in der Regel auch ein Fahrverbot anzuordnen (§ 25 Abs. 1 StVG). Mehr zu möglichen Folgen zeigt der Artikel Kann Cannabiskonsum den Arbeitsplatz gefährden?.
Fragen zu Gesundheit und Stimmung
Körper und Psyche reagieren oft früh auf veränderten Konsum. Achte auf Schlaf, Konzentration und Stimmung, besonders über längere Zeit.
- Schläfst du schlechter, seit du regelmäßig konsumierst?
- Fällt dir das Lernen oder Konzentrieren schwerer?
- Fühlst du dich häufiger gereizt, niedergeschlagen oder ängstlich?
Das BIÖG beschreibt, dass sich das junge Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet und Konsum sie beeinflussen kann. Auch Fragen zur Gesundheit gehören deshalb in eine ehrliche Selbsteinschätzung. Ein Beispiel zu Konzentration erklärt Wirkt sich Cannabis auf Konzentration beim Lernen aus?.
Fragen zum Umfeld
Das Umfeld erkennt Veränderungen manchmal früher als du selbst. Frag dich, ob andere den Konsum ansprechen oder ob du ihn verbirgst.
- Hat dich jemand in den letzten Monaten auf deinen Konsum angesprochen?
- Verschweigst du deinen Konsum vor Menschen, die dir wichtig sind?
- Gibt es Konflikte in Familie oder Partnerschaft, die mit dem Konsum zu tun haben?
Verheimlichen kann ein Warnzeichen sein: cannabispraevention.de nennt Lügen oder Ausreden, um den Konsum zu vertuschen, unter den Warnzeichen. Den Hintergrund erklärt Warum verstecken Konsumierende ihren Konsum?.
Fragen zur eigenen Motivation
Warum konsumierst du? Diese Frage klingt einfach, ist aber oft der wichtigste Punkt. Menschen konsumieren aus Neugier, in Gesellschaft, um abzuschalten oder um Gefühle zu dämpfen. Wer die eigene Motivation kennt, kann besser entscheiden, ob der Konsum noch zu den eigenen Zielen passt.
- Konsumierst du, um Unangenehmes nicht zu spüren?
- Konsumierst du häufiger, wenn du allein bist?
- Würdest du den Konsum gern verändern, auch wenn es niemand verlangt?
Der Artikel Warum konsumiere ich Cannabis, und wie prüfe ich das? vertieft diese Fragen. Ehrliche Antworten helfen auch, Auslöser zu erkennen.
Fragen zu Gefühlen und Gewohnheiten
Gefühle wie Langeweile, Druck oder Unruhe sind häufige Auslöser. Frag dich, ob du in solchen Momenten automatisch zum Konsum greifst oder ob du andere Wege ausprobierst. Automatische Abläufe sind ein Zeichen dafür, dass sich eine Gewohnheit verfestigt hat.
- Greifst du ohne bewusste Entscheidung zum Konsum?
- Hast du Alternativen, wenn du gestresst bist?
Eine Gewohnheit zu erkennen, ist ein wichtiger Schritt. Der Artikel Wie erkennt man eine Gewohnheit beim Cannabiskonsum? zeigt, woran man das festmacht.
Ein Gegencheck hilft: Bitte eine Vertrauensperson, deine Antworten zu lesen, und frag, ob sie dieselben Muster sieht. Oft ergänzt die Sicht von außen, was man selbst übersieht. Du musst ihre Einschätzung nicht übernehmen, aber sie lohnt sich als Hinweis.
So wertest du deine Antworten aus
Zähle deine Ja-Antworten in jedem Bereich. Ein einzelnes Ja ist ein Anlass zum Nachdenken, kein Urteil. Wenn sich in mehreren Bereichen Ja-Antworten häufen, ist ein Gespräch mit einer Fachstelle der nächste sinnvolle Schritt.
Der Beitrag Wie erkennt man selbst, ob man abhängig ist? ordnet die Fragen in einen größeren Zusammenhang ein. Einen Selbsttest mit Auswertung bietet zusätzlich der Cannabis-Check von drugcom.
Den Test wiederholen und vergleichen
Die Fragen sind nicht dazu da, dich zu bewerten. Sie sind ein Spiegel, der hilft, den Konsum in Worte zu fassen. Viele Menschen merken beim Beantworten, dass sie Dinge bisher nur ungefähr im Kopf hatten. Das Schreiben selbst klärt oft schon einiges, auch bevor ein Gespräch stattfindet.
Wiederhole den Fragenkatalog nach einigen Wochen, etwa nach einer Pause oder nach einer Veränderung im Alltag. Notiere dabei das Datum und die Antworten, damit du sie vergleichen kannst. Dann zeigt sich, ob sich die Antworten verschieben und in welche Richtung.
Plane für die Auswertung einen ruhigen Moment ein. Lies die Antworten zuerst einmal ohne Bewertung durch und notiere, was dir auffällt. Erst danach solltest du sie einordnen.
Was du mit den Antworten tun kannst
Schreib eine kurze Zusammenfassung: Welche Bereiche sind auffällig, und was möchtest du ändern? Daraus kannst du einen kleinen, realistischen Schritt ableiten, etwa eine Woche mit weniger Konsum oder ein Gespräch mit einer Vertrauensperson.
Wenn du unsicher bist, bringe deine Antworten in eine Beratung mit. Die Fachkraft kann mit dir besprechen, was sie bedeuten. Wie du eine passende Stelle findest, steht im Artikel Wie finde ich eine Suchtberatung in meiner Nähe?.
Häufige Fragen
Welche Fragen sind bei der Selbsteinschätzung am wichtigsten?
Wichtig sind Fragen zur Kontrolle über Menge und Zeitpunkt, zu vernachlässigten Pflichten und zu gescheiterten Vorsätzen. Ergänzend helfen Fragen zu Schlaf, Stimmung und Umfeld. Mehrere Ja-Antworten in verschiedenen Bereichen sprechen für ein Gespräch.
Wie viele Ja-Antworten sind ein Warnsignal?
Eine feste Zahl gibt es nicht. Entscheidend ist, ob sich Ja-Antworten in mehreren Bereichen über die letzten zwölf Monate häufen. Dann lohnt sich ein Gespräch mit einer Suchtberatung oder einer Ärztin.
Ersetzt der Fragenkatalog eine Beratung?
Nein. Der Fragenkatalog hilft bei der Einordnung und bereitet ein Gespräch vor. Die Bewertung der eigenen Lage übernimmt eine Fachkraft, wenn du sie einbeziehst.