Welche Anzeichen zeigen, dass man die eigenen Grenzen überschreitet?
Du überschreitest deine eigenen Grenzen beim Cannabiskonsum, wenn du mehr oder länger konsumierst, als du dir vorgenommen hast, oder wenn du den Konsum nicht mehr steuern kannst. Auch negative Folgen im Alltag sind ein Hinweis, etwa Probleme in der Schule, im Job oder in Beziehungen. Die Grenze liegt nicht bei einer bestimmten Menge. Sie liegt dort, wo du selbst merkst, dass etwas nicht mehr stimmt.
Die Menge ist nicht der entscheidende Maßstab
Viele Menschen fragen zuerst nach der Menge oder der Häufigkeit. Laut drugcom spielen beide Werte bei der Frage nach einer Abhängigkeit aber keine entscheidende Rolle. Entscheidend sind die negativen Folgen, die der Konsum schon nach sich gezogen hat. Eine Person kann wenig konsumieren und trotzdem Probleme haben, und umgekehrt.
Deshalb ist es sinnvoll, nicht nur die Zahl der Konsumtage zu zählen. Achte darauf, was sich seit dem Einstieg verändert hat: Wie gut schläfst du, wie gehst du mit Stress um, und wie läuft es in Schule oder Arbeit?
Die elf Merkmale einer Abhängigkeit
Drugcom orientiert sich an den Kriterien einer Substanzgebrauchsstörung. Laut Seite liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei von elf Merkmalen innerhalb von zwölf Monaten zutreffen. Je mehr Merkmale zutreffen, desto schwerer ist die Störung. Folgende Punkte gehören zu den Merkmalen:
- Du konsumierst häufiger, in größeren Mengen oder länger als geplant.
- Du hast schon erfolglos versucht, den Konsum einzustellen oder zu verringern.
- Du verbringst viel Zeit mit der Beschaffung, dem Konsum oder der Erholung von der Wirkung.
- Du erlebst starkes Verlangen nach Cannabis.
- Du kannst wichtige Verpflichtungen in Schule, Arbeit oder Haushalt nicht mehr erfüllen.
- Du konsumierst weiter, obwohl der Konsum soziale oder zwischenmenschliche Probleme verursacht.
- Du gibst wichtige berufliche, soziale oder Freizeitaktivitäten auf oder schränkst sie ein.
- Du konsumierst wiederholt in Situationen, in denen du dich körperlich gefährdest.
- Du konsumierst weiter, obwohl der Konsum körperliche oder psychische Probleme verursacht hat.
- Du brauchst mehr, um die gleiche Wirkung zu erreichen.
- Du erlebst Entzugssymptome oder konsumierst, um Entzugssymptome zu lindern.
Die Liste ersetzt keine Diagnose. Sie hilft dir aber, Muster zu erkennen, die dir sonst entgehen. Wenn du dir unsicher bist, machst du den Selbsttest, den drugcom anbietet.
Gefährliche Situationen erkennen
Eine gefährliche Situation ist der Straßenverkehr. Der THC-Grenzwert liegt nach § 24a Abs. 1a StVG bei 3,5 ng/ml im Blutserum. Bei einem Verstoß ist eine Geldbuße vorgesehen (Höchstbetrag in § 24a Abs. 3 StVG), und bei einer Geldbuße nach § 24a Abs. 1 bis 2a StVG ist in der Regel auch ein Fahrverbot nach § 25 StVG anzuordnen. Wer konsumiert hat, fährt deshalb nicht selbst. Drugcom nennt als Merkmal einer Abhängigkeit auch den wiederholten Konsum in Situationen, in denen es zu einer körperlichen Gefährdung kommen kann, zum Beispiel im Straßenverkehr.
Frag dich vor dem Konsum, was du in den nächsten Stunden noch vorhast.
Entzugssymptome als Warnzeichen
Ein deutliches Zeichen für eine Abhängigkeit sind Entzugssymptome. Laut drugcom-FAQ treten sie meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum auf. Häufig genannt werden Schlafprobleme und wirre Träume. Die Symptome sind je nach Person sehr unterschiedlich ausgeprägt.
Wenn du Cannabis konsumierst, um unangenehme Entzugsgefühle zu lindern, ist das nach drugcom eines der Merkmale. Sucht Schweiz beschreibt, dass sich die psychische Abhängigkeit vor allem im starken Verlangen nach Cannabis zeigt. Wer dieses Verlangen spürt, kann sich beraten lassen.
Wie du deine Grenze wieder setzt
Eine Grenze setzt du am besten konkret. Lege fest, an welchen Tagen du nicht konsumierst, und halte die Regel für einen festen Zeitraum ein. Schreib auf, wie es dir dabei geht. Fällt dir das schwer, ist das ebenfalls ein Hinweis, dich beraten zu lassen.
Ein Konsumtagebuch kann dir zeigen, in welchen Situationen du eher zugreifst, etwa nach Stress, am Abend oder in bestimmten Gruppen. Mit diesen Mustern lässt sich planen, wie du in solchen Momenten reagierst.
Wann du Hilfe holen solltest
Hol dir Unterstützung, wenn mindestens zwei Merkmale auf dich zutreffen, wenn du schon mehrfach erfolglos aufgehört hast oder wenn der Konsum deine Gesundheit oder deine Beziehungen belastet. Eine Suchtberatung bespricht mit dir, was zu deiner Lage passt.
Bei akuten gesundheitlichen Beschwerden gehst du zu einer Ärztin oder einem Arzt. Bei psychischen Krisen wende dich an die Notrufnummer oder an eine Krisenstelle in deiner Nähe.
Was du jetzt konkret tun kannst
- Zähle die elf Merkmale durch und notiere, welche auf dich zutreffen.
- Schreib drei Folgen auf, die der Konsum in den letzten zwölf Monaten hatte.
- Lege eine Konsumpause für einen festen Zeitraum fest und notiere, wie es dir dabei geht.
- Melde dich bei einer Beratungsstelle, wenn mindestens zwei Merkmale auf dich zutreffen, zum Beispiel bei der Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, Gebühr pro Anruf).
Vertiefend helfen die Beiträge zur Selbsteinschätzung und zu den Warnzeichen für zu viel Konsum. Wer wissen will, wie sich ein Kontrollverlust äußert, liest den Artikel zu Kontrollverlust beim Konsum.
Häufige Fragen
Woran erkenne ich, dass ich meine Grenze überschreite?
Ein Hinweis sind Konsum, der mehr oder länger ausfällt als geplant, erfolglose Versuche aufzuhören und starkes Verlangen. Auch Probleme in Schule, Arbeit oder Beziehungen durch den Konsum zählen. Laut drugcom ist entscheidend, ob der Konsum negative Folgen hat, nicht allein die Menge.
Wie viele Merkmale braucht es für eine Abhängigkeit?
Laut drugcom liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei von elf Merkmalen innerhalb von 12 Monaten zutreffen. Je mehr Merkmale zutreffen, desto schwerer ist die Störung. Die Liste ersetzt keine ärztliche oder psychologische Diagnose, sie hilft aber bei der ersten Einordnung.
Ist die Menge Cannabis ein guter Maßstab für meine Grenze?
Nicht allein. Laut drugcom spielen Menge und Häufigkeit bei der Frage der Abhängigkeit keine entscheidende Rolle. Wichtiger ist, ob der Konsum schon Folgen für dein Leben hat. Achte deshalb auch auf Schlaf, Konzentration und Beziehungen.
Quellen
- drugcom.de: Bin ich abhängig von Cannabis?
- drugcom.de: Entzugserscheinungen bei Cannabiskonsum (FAQ)
- drugcom.de: Ausstieg aus dem Cannabiskonsum
- Suchtschweiz: Cannabis, Wirkung und Risiken
- Straßenverkehrsgesetz § 24a auf gesetze-im-internet.de
- Straßenverkehrsgesetz § 25 auf gesetze-im-internet.de
- BIÖG: Sucht & Drogen Hotline