Ab wann ist Cannabiskonsum problematisch?
Problematischer Cannabiskonsum liegt vor, wenn der Konsum negative Folgen für Gesundheit, Alltag, Beziehungen oder Ausbildung und Arbeit hat, und die Person trotzdem weiter konsumiert. Die Grenze ist nicht an eine feste Menge gebunden. Sie zeigt sich vor allem daran, was der Konsum im eigenen Leben auslöst. Wer diese Grenze früh erkennt, hat mehr Spielraum, gegenzusteuern.
Problematisch heißt nicht gleich abhängig
Die Begriffe werden oft vermischt. Problematischer Konsum beschreibt ein Verhalten mit schädlichen Folgen. Abhängigkeit ist eine Diagnose, bei der mehrere Merkmale über längere Zeit zusammentreffen. Laut drugcom beginnt problematischer Konsum meist früher als eine Abhängigkeit. Wer also schon Probleme bemerkt, muss nicht warten, bis eine Abhängigkeit feststeht.
Auch die Menge spielt eine Rolle, entscheidend ist aber das Ergebnis. Häufigkeit ist dabei nicht gleichgültig: Laut cannabispraevention.de hängt die Schädlichkeit von Cannabis auch von der Konsumhäufigkeit ab. Nach der Darstellung von drugcom sind bei der Frage nach einer Abhängigkeit weder die Menge noch die Häufigkeit des Konsums entscheidend. Wichtiger ist, ob der Konsum bereits negative Folgen nach sich gezogen hat.
Wie Abhängigkeit beschrieben wird
Nach den Angaben von drugcom liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei der genannten Merkmale innerhalb eines Zeitraums von zwölf Monaten zutreffen. drugcom führt elf Merkmale auf (Substanzgebrauchsstörung nach DSM-5). Dazu gehören unter anderem: häufiger, in größeren Mengen oder länger konsumieren als geplant, der anhaltende Wunsch oder erfolglose Versuche, den Konsum einzustellen, viel Zeit für Beschaffung und Konsum, starkes Verlangen (Craving), vernachlässigte Verpflichtungen, soziale Probleme, aufgegebene Aktivitäten, Konsum in gefährlichen Situationen wie im Straßenverkehr, Konsum trotz körperlicher oder psychischer Probleme, Toleranzentwicklung und Entzugssymptome. Die elf Fragen sind eine Selbstprüfung und keine Diagnose.
Die psychische Abhängigkeit zeigt sich nach Sucht Schweiz vor allem im starken Verlangen, Cannabis zu konsumieren.
Wie häufig Abhängigkeit vorkommt
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) schreibt auf seiner Seite zu den langfristigen Risiken, dass ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig wird. Diese Zahl zeigt, dass Abhängigkeit kein Randproblem ist und bei einem Teil der Konsumierenden auftritt. Das Risiko steigt laut Präventionsseite bei ein- oder mehrmaligem Konsum pro Woche. Ob jemand abhängig wird, lässt sich nicht an der Menge allein ablesen.
Warnzeichen im eigenen Alltag
Warnzeichen können sich in verschiedenen Lebensbereichen zeigen. Ein Blick auf die folgenden Punkte hilft, den eigenen Konsum einzuordnen:
- Der Konsum fällt in Situationen, in denen er eigentlich nicht passt, etwa vor der Arbeit oder vor Terminen.
- Pläne werden verschoben, weil der Konsum Vorrang bekommt.
- Freunde oder Familie äußern Sorgen, und man nimmt sie nicht ernst.
- Man konsumiert, obwohl man sich vorgenommen hat, es zu lassen.
- Der Konsum führt zu Konflikten, Geldproblemen oder Schwierigkeiten in der Schule oder im Beruf.
Wenn mehrere dieser Punkte zutreffen, lohnt sich eine genauere Prüfung. Der Beitrag Welche Warnzeichen zeigen, dass der Konsum zu viel wird? führt die Punkte weiter aus.
Der Selbsttest als erster Schritt
Der Cannabis-Check von drugcom fragt je nach Frage Zeiträume von sieben Tagen bis zu zwölf Monaten ab und stellt unter anderem die Frage, ob man den Konsum nicht mehr unter Kontrolle hatte. Er liefert eine erste Orientierung und ersetzt keine Diagnose. Wer unsicher ist, sollte das Ergebnis mit einer Fachkraft besprechen.
Ein Überblick über Selbsttests steht im Beitrag Welche Online-Tests zur Selbsteinschätzung gibt es?.
Problematisch heißt nicht hoffnungslos
Wer ein Warnzeichen bei sich erkennt, muss das nicht als endgültiges Urteil verstehen. Wer ein Problem früh benennt, kann Schritte planen und Unterstützung holen. Hilfreich sind kleine, überprüfbare Ziele, etwa zwei konsumfreie Abende in einer Woche.
Warnzeichen sollten dennoch nicht über längere Zeit ignoriert werden. Eine frühe Beratung kann den Spielraum erweitern, und eine Fachkraft kann einordnen, welche Schritte im eigenen Fall passen.
Hilfreich ist auch, Auslöser zu notieren. Häufig sind es bestimmte Uhrzeiten, Orte oder Personen, die den Konsum anstoßen. Wer diese Auslöser kennt, kann Situationen gezielt umgehen oder anders gestalten.
Was du tun kannst
- Konsum eine Woche lang notieren, mit Zeit, Ort, Anlass und Folgen.
- Die Warnzeichen mit dieser Notiz vergleichen.
- Eine vertraute Person um eine ehrliche Einschätzung bitten.
- Bei zwei oder mehr zutreffenden Merkmalen eine Suchtberatung kontaktieren.
Die DigiSucht bietet nach eigenen Angaben anonym und kostenlos Kontakt zu Beratenden an. Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 erreichbar (täglich von 8 bis 24 Uhr, kostenpflichtig). Eine Einschätzung im Einzelfall kann nur eine Fachkraft geben.
Häufige Fragen
Ab wann gilt Cannabiskonsum als problematisch?
Problematisch ist Konsum, der negative Folgen für Gesundheit, Alltag, Beziehungen oder Ausbildung und Arbeit hat, während die Person weiterkonsumiert. Nach drugcom beginnt problematischer Konsum meist früher als eine Abhängigkeit. Entscheidend sind die Folgen, nicht allein die Menge oder die Häufigkeit des Konsums.
Wann spricht man von einer Cannabisabhängigkeit?
Nach den Angaben von drugcom liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei Merkmale innerhalb von zwölf Monaten zutreffen. Typisch sind ein starkes Verlangen nach dem Stoff und Kontrollverlust. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit nennt etwa eine von acht konsumierenden Personen als abhängig. Eine Diagnose stellt eine Fachkraft.