Welche Gruppen haben das höchste Risiko?
Am höchsten ist das Risiko beim Cannabiskonsum für Jugendliche, für Menschen mit psychischen Vorerkrankungen und für alle, die früh mit dem Konsum beginnen. Für diese Gruppen nennen das BIÖG und drugcom besondere Risiken.
Dieser Artikel zeigt, welche Gruppen besonders gefährdet sind, warum das so ist und was du tun kannst, wenn du selbst oder ein Mensch in deinem Umfeld dazugehört.
Jugendliche: die größte Gruppe mit Schutzbedarf
Das BIÖG beschreibt, dass sich das junge Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Konsum kann diese Entwicklung beeinflussen. Deshalb gilt Cannabis für Jugendliche als besonders riskant, unabhängig davon, wie der Besitz für Erwachsene geregelt ist.
Die Folgen sind konkret. Nach Angaben des BIÖG kann das Gedächtnis so weit leiden, dass Schul- oder Berufsabschlüsse gefährdet sind. Wer in der Schulzeit regelmäßig konsumiert, trägt also ein Risiko für den eigenen Lebensweg. Mehr dazu liest du im Artikel Wie wirkt Cannabis auf Gedächtnis und Schulabschluss?.
Heranwachsende zwischen 18 und 21
Heranwachsende sind nach § 1 Abs. 2 des Jugendgerichtsgesetzes Personen, die zur Zeit der Tat 18, aber noch nicht 21 Jahre alt sind. Für die Abgabe durch Anbauvereinigungen gelten für sie engere Grenzen als für Erwachsene: höchstens 30 Gramm pro Kalendermonat und ein THC-Gehalt von höchstens 10 Prozent (§ 19 Abs. 3 KCanG).
Diese Grenzen sind Obergrenzen für die Abgabe und keine Aussage über die Unbedenklichkeit. Nach cannabispraevention.de hängt die Schädlichkeit von Cannabis vom Alter und von der Konsumhäufigkeit ab. Junge Menschen sind besonders gefährdet.
Menschen mit psychischen Vorerkrankungen
Das BIÖG nennt ein häufigeres Auftreten von Psychosen bei Menschen, die Cannabis konsumieren. Drugcom beschreibt, dass manche Menschen eine genetisch bedingte Anfälligkeit für eine Schizophrenie mitbringen und dass Cannabis Auslöser einer bislang verborgenen Schizophrenie sein kann. Zweifelsfrei belegt ist das nach drugcom noch nicht. Nach cannabispraevention.de könnten bei einer angeborenen Neigung zur Psychose schon geringe Mengen ausreichen.
Wer eine psychische Erkrankung hat oder in der Familie Psychosen kennt, sollte Konsum mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt besprechen. Auch wer nach einer Phase von Angst, Verwirrtheit oder Wahnvorstellungen den Konsum wieder aufnehmen möchte, braucht dafür eine fachliche Einschätzung. Eine Übersicht zu Warnzeichen findest du im Artikel Welche Warnzeichen sprechen für eine Psychose?.
Wer früh einsteigt
Drugcom beschreibt, dass der frühe Einstieg in den Konsum nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge haben kann. Früh bedeutet hier vor allem die Jugend, also die Zeit, in der Lernen und Denken sich stark entwickeln. Wer in dieser Phase beginnt, sollte das Risiko deshalb ernster nehmen als im Erwachsenenalter.
Wie das Umfeld den eigenen Konsum beeinflusst, beschreibt der Artikel Wie wirkt sich der Freundeskreis auf den eigenen Konsum aus? zeigt, wie man solche Einflüsse erkennt.
Stress, Schlaf und Belastungen
Drugcom beschreibt, dass psychische Probleme wie Depressionen oder Angstsymptome das Risiko erhöhen, Cannabis im Sinne einer Selbstmedikation zu missbrauchen. Dann wird das Kiffen zur Krücke, um den Alltag zu bewältigen. Das eigentliche Problem liegt nach drugcom in vielen Fällen in der psychischen Grundproblematik.
- Achte auf Schlafmangel, Dauerstress und Rückzug aus alten Aktivitäten.
- Notiere, in welchen Situationen du konsumierst, und welche Gefühle davorstehen.
- Sprich mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle.
Was du tun kannst
Wenn du zu einer dieser Gruppen gehörst, lohnt es sich, den Konsum ehrlich zu hinterfragen. Ein einfacher Schritt ist, den eigenen Konsum eine Woche lang zu notieren. Das zeigt Muster, die man sonst übersieht. Gespräche mit Vertrauenspersonen helfen zusätzlich, weil Außenstehende Veränderungen oft früher bemerken.
Wenn du dir Sorgen um einen Menschen in deinem Umfeld machst, sprich das Thema offen an und verzichte auf Vorwürfe. Ein Hinweis auf Beratungsangebote ist oft hilfreicher als eine Diskussion über Moral.
Warnzeichen erkennen, bevor es eskaliert
Früh erkennbare Anzeichen sind oft unscheinbar. Ein Blick auf die folgenden Punkte hilft, Veränderungen einzuordnen:
- Der Konsum geschieht öfter allein oder steigt in Phasen von Stress.
- Schule, Ausbildung oder Hobbys verlieren an Bedeutung.
- Schlaf, Essen oder Stimmung verändern sich deutlich über mehrere Wochen.
Ein einzelnes Zeichen ist kein Beweis. Wenn mehrere zusammenkommen, lohnt sich ein Gespräch mit einer Vertrauensperson oder einer Beratungsstelle.
Was Fachkräfte und Angehörige beachten sollten
Lehrkräfte, Ausbildende und Eltern sind oft die ersten, die Veränderungen bemerken. Wichtig ist, Beobachtungen konkret zu beschreiben und keine Diagnose zu stellen. Eine Aussage wie „Du wirkst in letzter Zeit müde“ öffnet eher ein Gespräch als eine Vermutung über Drogen.
Angehörige brauchen selbst Unterstützung. Eine Beratung für Angehörige hilft, den eigenen Druck zu sortieren und realistische Grenzen zu setzen. Das schützt auch die Person, um die man sich sorgt.
Warum Scham den Weg zur Hilfe verbaut
Die Sucht & Drogen Hotline des BIÖG ist unter 01806 313031 erreichbar. Sie berät telefonisch, informiert und vermittelt örtliche Hilfsangebote. Sie richtet sich an Menschen mit Suchtproblemen und an Angehörige, Freundinnen, Freunde und Kolleginnen oder Kollegen. Ein Anruf ist ein Schritt mit geringer Hürde.
Gut informiert bleiben
Wer zu einer Risikogruppe gehört, sollte sich aus verlässlichen Quellen informieren, etwa beim BIÖG oder bei drugcom. Diese Angebote erklären Risiken ohne Panik und zeigen, wann eine Beratung sinnvoll ist.
Wo du Hilfe bekommst
Eine Suchtberatungsstelle hilft Jugendlichen, Heranwachsenden und Erwachsenen gleichermaßen. Die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen führt ein Suchthilfeverzeichnis, über das du Beratungsstellen in deiner Nähe findest. Bei psychischen Beschwerden ist eine Ärztin oder ein Arzt die richtige erste Anlaufstelle.
Häufige Fragen
Welche Gruppen haben das höchste Cannabis-Risiko?
Jugendliche sind besonders gefährdet, weil sich ihr Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Auch Menschen mit psychischen Vorerkrankungen sollten besonders vorsichtig sein, da das BIÖG häufigere Psychosen bei Konsumierenden nennt. Wer früh einsteigt, riskiert nach drugcom nachhaltige Folgen für die kognitive Leistung.
Ist Cannabis für Erwachsene ohne Vorerkrankung ungefährlich?
Nein. Nach Angaben des BIÖG wird ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig. Das Risiko steigt laut BIÖG, wenn man ein oder mehrmals pro Woche kifft. Wer Probleme bemerkt, sollte früh eine Suchtberatungsstelle aufsuchen.