Erhöht Cannabis das Psychoserisiko?
Cannabiskonsum kann das Risiko für psychotische Erkrankungen erhöhen. Studien zeigen laut BIÖG, dass Menschen, die regelmäßig und über lange Zeiträume konsumieren, häufiger an einer Psychose erkranken, und ein hoher THC-Gehalt wirkt sich zusätzlich negativ aus. Ob Cannabis eine Psychose tatsächlich verursacht, ist damit nicht bewiesen. Für dich heißt das: Das Risiko ist ernst zu nehmen, und ob du selbst zu den stärker Gefährdeten gehörst, lässt sich nicht ohne Weiteres sagen.
Was die Studienlage zeigt
Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) schreibt, dass Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose bekommen als Menschen, die nicht kiffen. Bei einer Psychose verliert man danach vorübergehend den Bezug zur Realität und entwickelt Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Das BIÖG weist zugleich darauf hin, dass an der Entstehung einer psychischen Störung in der Regel mehrere Risikofaktoren beteiligt sind.
Eine einzelne Zahl für dein persönliches Risiko lässt sich daraus nicht ableiten. Das BIÖG nennt Alter, Konsumhäufigkeit, THC-Gehalt und eine angeborene Neigung als Faktoren.
Hochpotenter Cannabis und THC-Gehalt
Eine Auswertung, über die drugcom berichtet, kommt zu dem Ergebnis, dass hochpotenter Cannabis das Risiko für psychotische Symptome etwa verdoppelt. Das BIÖG bezeichnet Sorten mit einem THC-Anteil über 10 Prozent als hochpotent und schreibt, wer hochpotentes Cannabis konsumiere, werde vermutlich eher unter einer Angststörung leiden, auch wenn er nicht so häufig kifft.
| Faktor | Was die Quellen berichten |
|---|---|
| Hochpotenter Cannabis | Etwa doppeltes Risiko für psychotische Symptome (drugcom) |
| Konsum bei 12- bis 19-Jährigen | Laut Bericht 11-mal höheres Risiko für eine psychotische Störung (drugcom) |
| Häufigkeit und Alter | Die Schädlichkeit hängt von beidem ab (cannabispraevention.de) |
| Veranlagung | Bei angeborener Neigung können schon geringe Mengen ausreichen (cannabispraevention.de) |
Alter und Konsumhäufigkeit
Nach den Angaben des BIÖG hängt die Schädlichkeit von Cannabis vom Alter der konsumierenden Person und von der Konsumhäufigkeit ab. Junge Menschen sind besonders gefährdet, weil sich ihr Gehirn noch in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Laut BIÖG finden bis etwa zum Alter von 25 Jahren wichtige Umbau- und Reifungsprozesse im Gehirn statt, die Cannabis stören kann, wodurch das Risiko für psychische Erkrankungen steigt.
Laut drugcom nennt eine Auswertung bei Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren ein 11-mal höheres Risiko für eine psychotische Störung bei Konsum. Das sind Zahlen aus einer einzelnen Untersuchung, die sich nicht eins zu eins auf jede Person übertragen lassen.
Veranlagung ist ein eigener Faktor
Nicht jede Person reagiert gleich. Das BIÖG schreibt, dass bei Menschen mit angeborener Neigung für eine Psychose schon geringe Mengen Cannabis ausreichen könnten, um eine Psychose auszulösen. Wer in der Familie Fälle von Psychosen kennt, kann das vor einem Konsum mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Die Veranlagung lässt sich selbst oft nicht einschätzen. Umso wichtiger ist es, Veränderungen im eigenen Erleben ernst zu nehmen und sie mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen.
Was der Zusammenhang nicht beweist
Der Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychose ist statistisch. Das bedeutet: Beide Dinge treten gemeinsam auf, aber daraus folgt nicht zwingend, dass das eine das andere verursacht. Das BIÖG nennt es ebenso möglich, dass Menschen mit einer Psychose-Neigung verstärkt zu Cannabis greifen. Drugcom schreibt, es gebe keine eigenständige Cannabis-Psychose, Cannabis gelte aber als möglicher Stressfaktor bei vorhandener Anfälligkeit. Die DHS ergänzt, dass sich bei hochgradigem Konsum bestehende psychische Erkrankungen verschlimmern und schlummernde Psychosen neu ausbrechen können.
Warnzeichen ernst nehmen
Wenn sich Denken, Wahrnehmung oder Verhalten deutlich verändern, gehört das in ärztliche Hand. Das gilt besonders dann, wenn neue Ängste, Verfolgungsgedanken oder ungewöhnliche Wahrnehmungen auftreten. Warte nicht ab, bis es von allein besser wird. Wende dich an eine Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst, bei akuter Gefahr an den Notruf 112.
Der erste Arztbesuch: Was du erwähnen solltest
Für eine gute Einschätzung ist die Information über deinen Konsum wichtig. Sag ehrlich, wie oft und in welcher Menge du konsumierst, seit wann das so ist und ob sich etwas verändert hat, etwa beim Schlaf, bei der Konzentration oder bei der Stimmung.
Auch Vorerkrankungen und psychische Erkrankungen in der Familie gehören in das Gespräch. Eine Notiz mit deinen Fragen hilft dir, im Termin nichts zu vergessen. Frag zum Beispiel, welche Warnzeichen wichtig sind und wann eine weitere Abklärung nötig ist.
- Konsummenge und Häufigkeit in den letzten Wochen
- Veränderungen bei Stimmung, Schlaf, Denken oder Wahrnehmung
- Vorerkrankungen und Medikamente, die du regelmäßig nimmst
- Psychische Erkrankungen in der Familie
Prävention: Früh und gering halten
Das BIÖG schreibt, Jugendliche sollten aus gesundheitlichen Gründen gar kein Cannabis konsumieren. Wer dennoch konsumiert, kann die Häufigkeit senken, auf den THC-Gehalt achten und Pausen einplanen. Eltern und Fachkräfte finden zu diesen Fragen Material im Bereich Jugendschutz.
Auch das Umfeld zählt. Wer merkt, dass Freundinnen oder Freunde mit Konsum Probleme bekommen, kann früh das Gespräch suchen und auf Hilfe hinweisen.
Wann Angehörige genauer hinschauen sollten
Achte auf Muster und nicht nur auf Einzelereignisse. Das BIÖG nennt unter den typischen Anzeichen einer Sucht Rückzug, Stimmungsschwankungen und Aufgabe von Interessen. Wenn du das bei jemandem bemerkst, lohnt sich ein offenes Gespräch.
Laut drugcom beginnt problematischer Konsum meist früher als eine Abhängigkeit. Entscheidend ist deshalb vor allem, ob bereits negative Folgen aufgetreten sind. Dazu gehören Probleme in Schule, Ausbildung oder Beziehungen. Diese Signale sind ein besserer Anlass für ein Gespräch als die Frage, wie viel jemand konsumiert.
Cannabis und Psychose: Was du im Alltag beachten kannst
Wer ein erhöhtes Risiko für sich vermutet, bespricht den Konsum mit einer Ärztin oder einem Arzt. Ein Tagebuch über Konsum und Befinden kann Muster zeigen.
Bei bestehenden psychischen Erkrankungen gehört die Frage nach Cannabis in die ärztliche Behandlung. Wer Medikamente nimmt, sollte mit der Ärztin oder dem Arzt über mögliche Wechselwirkungen sprechen.
Was du jetzt tun kannst
Überlege ehrlich, wie oft und in welchem Alter du konsumierst, und ob es Vorerkrankungen oder Psychosen in der Familie gibt. Sprich das mit deiner Hausärztin oder deinem Hausarzt an, besonders wenn du Veränderungen an dir bemerkst. Für Fragen zum eigenen Konsum ist die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, täglich 8 bis 24 Uhr) erreichbar, und eine Suchtberatungsstelle vor Ort berät ebenfalls. Mehr zum Zusammenhang findest du im Überblick zu den Studien und im Artikel zum jungen Gehirn.
Häufige Fragen
Erhöht Cannabis das Psychoserisiko wirklich?
Die Forschung zeigt einen Zusammenhang zwischen Cannabiskonsum und einem höheren Psychoserisiko, besonders bei regelmäßigem Konsum über lange Zeit und hohem THC-Gehalt. Ob Cannabis eine Psychose verursacht, ist damit nicht bewiesen, denn nach dem BIÖG ist es ebenso möglich, dass Menschen mit einer Psychose-Neigung eher zu Cannabis greifen. Bei angeborener Neigung könnten schon geringe Mengen ausreichen.
Ab welchem Alter ist das Risiko besonders hoch?
Das BIÖG schreibt, dass bis etwa zum Alter von 25 Jahren wichtige Umbau- und Reifungsprozesse im Gehirn stattfinden, die Cannabis stören kann, und dass Jugendliche gar kein Cannabis konsumieren sollten. Die Schädlichkeit hängt nach dem BIÖG vom Alter und von der Konsumhäufigkeit ab.
Was tue ich bei ersten Anzeichen einer Psychose?
Suche zeitnah eine Hausarztpraxis oder den ärztlichen Bereitschaftsdienst auf, bei akuter Gefahr den Notruf 112. Warte nicht ab, bis sich Veränderungen von allein zurückbilden. Sprich auch mit Menschen aus deinem Umfeld, die dich gut kennen.
Quellen
- cannabispraevention.de: FAQ
- cannabispraevention.de: Langfristige Risiken und Sucht
- drugcom: Hochpotenter Cannabis verdoppelt Risiko für psychotische Symptome
- drugcom: Jugendliche, die Cannabis konsumieren, haben ein erhöhtes Risiko für Psychose
- DHS: Cannabis, Risiken
- drugcom: Cannabis im Drogenlexikon
- Sucht & Drogen Hotline