Was sagen Studien zum Psychoserisiko durch Cannabis?
Ja, nach Angaben des Bundesinstituts für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) bekommen Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose als Menschen, die nicht kiffen. Das beschreibt das BIÖG als Ergebnis neuerer Forschung. Was das für einen einzelnen Menschen bedeutet, lässt sich daraus nicht ableiten. Der Befund ist ernst zu nehmen, verlangt aber eine genaue Lesart.
Was eine Psychose ist
Nach dem BIÖG verliert man bei einer Psychose vorübergehend den Bezug zur Realität und entwickelt Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Halluzinationen sind Wahrnehmungen, etwa Stimmen, ohne äußeren Anlass. Wahnvorstellungen sind feste Überzeugungen, die nicht zur Wirklichkeit passen, zum Beispiel sich verfolgt zu fühlen, obwohl niemand hinter einem her ist. Eine Psychose gehört in ärztliche Behandlung.
Warum Häufigkeit nicht gleich Ursache ist
Ein statistischer Zusammenhang sagt noch nichts über die Ursache. Denkbar ist, dass Menschen mit einer Anfälligkeit häufiger konsumieren. Denkbar ist ebenso, dass Cannabis bei anfälligen Menschen eine Psychose auslöst. Drugcom schreibt, es gebe keine eigenständige Cannabis-Psychose, Cannabis könne aber Auslöser einer bislang verborgenen Schizophrenie sein. Der Text bezeichnet das als noch nicht zweifelsfrei belegt. Die Studienlage ist deshalb nicht so eindeutig, wie einzelne Schlagzeilen klingen.
Was zum Risiko genannt wird
Laut Drugcom spricht für einen Zusammenhang, dass das Psychoserisiko mit der Intensität des Konsums steigt. Das Risiko scheint besonders hoch bei Menschen, die bevorzugt hochpotente Cannabissorten konsumieren. Drugcom beschreibt außerdem eine genetisch bedingte Anfälligkeit für Schizophrenie, bei der äußere Belastungen eine Psychose auslösen können. Die Cannabisprävention des BIÖG schreibt außerdem, dass die Schädlichkeit von Cannabis vom Alter und von der Konsumhäufigkeit abhängt und junge Menschen besonders gefährdet sind. Drugcom berichtet über eine Studie, nach der hochpotenter Cannabis das Risiko für psychotische Symptome etwa verdoppelt. Diese Punkte stammen aus der Forschung, eine Diagnose ersetzen sie nicht.
Erste Anzeichen ernst nehmen
Das BIÖG weist darauf hin, dass Cannabis das Verhalten verändern kann: Wer sich komisch verhält und früher ganz anders war, kann auch von Cannabiskonsum betroffen sein. Als Warnzeichen für eine Psychose gelten Stimmen, die andere nicht hören, und anhaltendes starkes Misstrauen. Bei solchen Anzeichen suchst du zügig ärztliche Hilfe, nicht erst nach Wochen. Bei akuter Gefährdung wählst du den Notruf 112.
Wie Studien zu Psychosen aufgebaut sind
Zu Psychosen und Cannabis gibt es vor allem Beobachtungsstudien, die Menschen mit und ohne Konsum vergleichen. Solche Designs zeigen Zusammenhänge, beweisen aber keine Ursache. Je besser Faktoren wie Alter, Geschlecht und Vorerkrankungen herausgerechnet werden, desto belastbarer ist ein Ergebnis. Restunsicherheiten bleiben. Wenn du eine Studie oder Schlagzeile liest, achte darauf, ob sie einen Zusammenhang beschreibt oder eine Ursache behauptet.
Was du beim Arztgespräch ansprichst
Eine ärztliche Beratung wird konkreter, wenn du vorbereitet bist. Hilfreich sind Angaben dazu, wie oft und seit wann du konsumierst, welche Sorten du nutzt und welche Veränderungen dir oder anderen aufgefallen sind. Auch Psychosen oder Schizophrenie in der Familie gehören ins Gespräch. Notiere vorab Fragen und bringe, wenn möglich, eine Vertrauensperson mit.
Was Konsumierende selbst tun können
- Den Konsum und besonders hochpotente Sorten kritisch überdenken, denn laut Drugcom steigt das Risiko mit der Intensität.
- Bei einer angeborenen Neigung zu Psychosen können laut BIÖG schon geringe Mengen Cannabis ausreichen, ärztlicher Rat vor dem Konsum ist dann sinnvoll.
- Mit Vertrauenspersonen über erste Veränderungen sprechen.
- Bei Psychosen in der Familie oder früheren Symptomen vor dem Konsum ärztlichen Rat einholen.
Diese Schritte ersetzen keine medizinische Abklärung. Sie können aber helfen, dass Warnzeichen früh auffallen.
Warum Fachleute vor Panik warnen
Ein erhöhtes Risiko bedeutet nicht, dass jeder Konsum eine Psychose auslöst. Gleichzeitig sollte man das Risiko nicht kleinreden. Die sachliche Mitte liegt darin, Zusammenhänge ernst zu nehmen und Zahlen nicht zu dramatisieren.
Was Angehörige beachten können
Wer bei einem nahestehenden Menschen Veränderungen beobachtet, sucht das Gespräch, ohne zu drängen. Konkrete Beobachtungen helfen mehr als Diagnosen. Beispiele sind veränderte Schlafmuster, auffälliges Verhalten oder Argwohn gegenüber dem Umfeld. Eine Beratungsstelle oder die Hausarztpraxis kann helfen, den nächsten Schritt zu planen.
Wenn Cannabis und Psychose zusammenkommen
Wer eine Psychose hatte oder sich Sorgen um das eigene Risiko macht, klärt den Konsum mit der Ärztin oder dem Arzt. Dort ist der Verlauf der eigenen Erkrankung bekannt. Wer den Konsum einschränken möchte, kann mit einer Beratungsstelle einen Plan erarbeiten.
Was du tun kannst
Wenn du dir Sorgen um dich oder jemanden aus deinem Umfeld machst, helfen Beratungsstellen und die Hausarztpraxis. Eine Übersicht bietet der Bereich Hilfe und Beratung. Zum Hintergrund, warum junge Gehirne besonders in den Blick genommen werden, lohnt der Artikel Warum ist das jugendliche Gehirn besonders betroffen?
Häufige Fragen
Erhöht Cannabis das Psychoserisiko?
Nach dem BIÖG bekommen Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose als Menschen, die nicht kiffen. Ob Cannabis die Ursache ist, lässt sich aus Beobachtungsstudien allein nicht klären. Drugcom nennt es nicht zweifelsfrei belegt, dass Cannabis eine verborgene Schizophrenie auslösen kann.
Woran erkenne ich eine beginnende Psychose?
Mögliche Warnzeichen sind Stimmen, die andere nicht hören, und anhaltendes starkes Misstrauen. Bei solchen Anzeichen suchst du zügig eine Ärztin oder einen Arzt auf. Bei akuter Gefährdung wählst du den Notruf 112.
Sollte ich bei Psychoserisiko auf Cannabis verzichten?
Das entscheidest du nicht allein: Besprich es mit einer Ärztin oder einem Arzt, besonders bei früheren Psychosen oder Psychosen in der Familie. Wer den Konsum reduzieren will, findet Hilfe in einer Suchtberatungsstelle.