Ist gelegentlicher Konsum auch riskant?
Ja, auch gelegentlicher Cannabiskonsum kann Risiken haben. Wie groß sie sind, hängt unter anderem vom Alter ab, vom Straßenverkehr und davon, ob du zusätzlich Alkohol trinkst. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) warnt vor allem vor den Folgen für junge Menschen und vor einem höheren Psychoserisiko. Drugcom.de beschreibt eine psychische Abhängigkeit für dauerhaften Konsum. Dieser Artikel ordnet diese Aussagen ein und zeigt, wie du Konsum im Alltag bewusst begrenzt.
Was das Psychoserisiko bedeutet
Das BIÖG schreibt, dass Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose bekommen als Menschen, die nicht kiffen. Eine Psychose ist eine schwere seelische Erkrankung, bei der die Wahrnehmung der Wirklichkeit gestört sein kann. Laut drugcom steigt das Psychoserisiko mit der Intensität des Konsums, und das BIÖG nennt den Zusammenhang statistisch, ein Beweis für eine Verursachung ist er nicht. Eine Altersgrenze oder Menge, unterhalb der das Risiko sicher entfällt, nennen diese Quellen nicht.
Daraus folgt kein Grund zur Panik, wohl aber ein Grund zur Aufmerksamkeit. Wenn du bei dir oder bei anderen Veränderungen im Denken, im Erleben oder im Verhalten bemerkst, die beunruhigen, lass sie zügig ärztlich abklären. Warte nicht, bis sich das von selbst legt.
Warum Alter und Entwicklung zählen
Das junge Gehirn befindet sich nach Angaben des BIÖG in einer wichtigen Entwicklungsphase, und Konsum kann diese Entwicklung beeinflussen. Im schlimmsten Fall ist der Schul- oder Berufsabschluss gefährdet, weil das Gedächtnis viel schlechter funktioniert. Drugcom schreibt, es gebe überzeugende Belege dafür, dass der frühe Einstieg in den Konsum nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge hat.
Wer noch zur Schule geht oder eine Ausbildung macht, sollte Konsum deshalb nicht für unbedeutend halten. Ob und wie sich das im eigenen Fall auswirkt, lässt sich nicht vorhersagen. Mehr zum Thema Alter und Gehirn findest du im Artikel Schadet Cannabis dem jungen Gehirn?.
Dauerhafter Konsum und Abhängigkeit
Die Abhängigkeitsaussage von drugcom bezieht sich auf dauerhaften Konsum. Dort heißt es, dass sich bei dauerhaftem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann. Das BIÖG beziffert zusätzlich, dass ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, abhängig wird. Das BIÖG schreibt: Wer einmal an einem Joint zieht, wird nicht sofort abhängig. Das Risiko steigt aber, wenn man ein- oder mehrmals pro Woche kifft. Eine feste Häufigkeit, ab der ein Problem entsteht, nennen die Quellen nicht.
Deshalb hilft eine eigene Beobachtung. Wenn der Konsum regelmäßiger wird, die Abstände zwischen den Konsumtagen kürzer werden oder du häufiger allein konsumierst, lohnt sich ein genauerer Blick. Den Unterschied zwischen Gewohnheit und Problem erklärt der Artikel Ab wann ist Cannabiskonsum problematisch?.
Straßenverkehr: klare Grenzen
Im Straßenverkehr gelten feste gesetzliche Grenzen. Ordnungswidrig handelt, wer ein Kraftfahrzeug führt und 3,5 ng/ml oder mehr THC im Blutserum hat (§ 24a Abs. 1a StVG). Der Bußgeldrahmen ergibt sich aus § 24a Abs. 3 StVG. Wird sie festgesetzt, ist in der Regel auch ein Fahrverbot anzuordnen (§ 25 Abs. 1 StVG). Wer verschreibungsgemäß ein Arzneimittel einnimmt, ist nach § 24a Abs. 4 StVG ausgenommen. Für die Probezeit und für Fahrende unter 21 Jahren gilt ein eigenes Verbot (§ 24c StVG).
Kommt zu einer Fahrt nach Abs. 1a Alkohol hinzu (Alkohol trinken oder die Fahrt unter Alkoholwirkung antreten), liegt nach § 24a Abs. 2a StVG ein eigener Verstoß vor. Der Bußgeldrahmen ist höher als bei Abs. 1a (§ 24a Abs. 3 StVG). Mehr zur Kombination steht im Artikel Was passiert, wenn Cannabis und Alkohol zusammen konsumiert werden?.
So begrenzt du gelegentlichen Konsum bewusst
Bewusst konsumieren heißt, vorher festzulegen, wann und wo du konsumierst und wann nicht. Diese Punkte helfen im Alltag:
- Lege feste Anlässe fest und halte dich daran, auch wenn Freunde etwas anderes vorschlagen.
- Konsumiere nicht vor Schule, Ausbildung, Arbeit oder Autofahrten.
- Kombiniere Cannabis nicht mit Alkohol oder anderen Substanzen.
- Plane Tage ohne Konsum ein und halte sie ein.
- Sprich mit einer Vertrauensperson, wenn dir die Grenzen schwerfallen.
Achte außerdem auf dein Umfeld. Wer in einer Runde konsumiert, in der regelmäßig gekifft wird, hat andere Anlässe als jemand, der allein zu Hause entscheidet. Die Gruppe setzt den Rahmen, und der lässt sich ändern. Mehr dazu liest du im Artikel Wie wirkt der Freundeskreis auf den eigenen Konsum?.
Wo du Rat bekommst
Bei Fragen zum eigenen Konsum ist eine Suchtberatung die richtige Anlaufstelle. Auf drugcom.de findest du Informationen und einen Selbsttest (den Cannabis-Check). Anonym erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031 (kostenpflichtig, täglich 8 bis 24 Uhr). Beratungsstellen in deiner Nähe findest du im Suchthilfeverzeichnis der Deutschen Hauptstelle für Suchtfragen. Gesundheitliche Beschwerden klärt eine Ärztin oder ein Arzt ab. Bei Rechtsfragen zum Straßenverkehr hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt für Verkehrsrecht. Wie du selbst einschätzt, ob du abhängig bist, zeigt der Artikel Wie erkennt man selbst, ob man abhängig ist?.
Häufige Fragen
Ist gelegentlicher Cannabiskonsum gefährlich?
Gelegentlicher Konsum kann Risiken haben, vor allem in jungen Jahren und im Straßenverkehr. Das BIÖG nennt ein höheres Psychoserisiko für Menschen, die kiffen, und schreibt, dass Kiffen für Jugendliche viel gefährlicher ist als für Erwachsene. Eine psychische Abhängigkeit beschreibt drugcom vor allem für dauerhaften Konsum. Wer unsicher ist, wie sein Konsum einzuordnen ist, spricht am besten mit einer Suchtberatung.
Darf man nach dem Kiffen Auto fahren?
Wer mit 3,5 ng/ml THC oder mehr im Blutserum ein Kraftfahrzeug führt, handelt nach § 24a Abs. 1a StVG ordnungswidrig. Wird eine Geldbuße festgesetzt, folgt in der Regel auch ein Fahrverbot (§ 25 Abs. 1 StVG). Kommt Alkohol hinzu, greift § 24a Abs. 2a StVG mit einem höheren Bußgeldrahmen. Die einfachste Regel lautet: Nach Konsum nicht ans Steuer.
Wo finde ich Hilfe, wenn mein Konsum zu viel wird?
Eine Suchtberatung ist der erste Ansprechpunkt. Beratungsstellen findest du im Suchthilfeverzeichnis der DHS, anonym erreichst du die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031. Drugcom.de bietet Informationen und einen Cannabis-Check zur Selbsteinschätzung. Eine Ärztin oder ein Arzt klärt körperliche und seelische Beschwerden ab.