Verstärkt Cannabis Depressionen und Angst?
Ob Cannabis Depressionen oder Angststörungen auslöst, ist nach dem Stand der Forschung nicht abschließend geklärt. Das BIÖG schreibt, Studien wiesen darauf hin, dass starker Cannabiskonsum das Risiko für Depressionen erhöhen kann. Cannabiskonsum im Jugendalter sei mit einem erhöhten Risiko für Depressionen oder Suizidgedanken im Erwachsenenalter verbunden. Wer hochpotentes Cannabis konsumiert, werde vermutlich eher unter einer Angststörung leiden. Als kurzfristige Risiken nennt das BIÖG Angst und Panikgefühle. Dieser Artikel erklärt, was sich zu Depression und Angst sagen lässt, welche Warnsignale wichtig sind und wo Hilfe liegt.
Was sich zur Stimmung sagen lässt
Drugcom nennt als angenehm erlebte Wirkungen eine Anhebung der Stimmung und Entspannung, als unangenehm erlebte unter anderem niedergedrückte Stimmung, Unruhe und Angst. Auch Panikreaktionen sind möglich. Außerdem beschreibt drugcom, dass psychische Probleme wie Depressionen oder Angstsymptome das Risiko erhöhen, Cannabis im Sinne einer Selbstmedikation zu missbrauchen. Das eigentliche Problem liege dann in vielen Fällen in der psychischen Grundproblematik.
Die Forschung betrachtet Stimmung und Psyche aus mehreren Richtungen. Manche Studien suchen nach Zusammenhängen, andere nach Ursachen. Für Betroffene ist entscheidend, dass Konsum und seelische Belastung zusammen betrachtet werden. Ein Befund zu einem einzelnen Menschen lässt sich daraus nicht ableiten.
Psychose: ein beschriebener Zusammenhang
Die BIÖG weist darauf hin, dass Menschen, die kiffen, häufiger eine Psychose bekommen als Menschen, die nicht kiffen. Bei einer Psychose verliert man nach dem BIÖG vorübergehend den Bezug zur Realität und entwickelt Halluzinationen und Wahnvorstellungen. Drugcom schreibt, es gelte noch nicht als zweifelsfrei belegt, dass Cannabis dauerhafte Psychosen auslöst. Die Hinweise mehrten sich aber, dass Cannabis Auslöser einer bislang verborgenen Schizophrenie sein kann.
Wer sich mit Depression oder Angst beschäftigt, sollte deshalb auch an das Psychoserisiko denken. Wer nach dem Konsum Veränderungen bei sich bemerkt, die über einige Tage anhalten, sollte ärztliche Hilfe suchen.
Psychische Abhängigkeit im Blick behalten
Drugcom weist darauf hin, dass sich bei dauerhaftem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann. Betroffene haben nach drugcom das Gefühl, nicht mehr ohne Cannabis zurechtzukommen. Die BIÖG nennt eine Größenordnung: Ungefähr eine von acht Personen, die Cannabis konsumieren, wird abhängig.
Gerade bei Depression oder Angst kann die Versuchung groß sein, den Konsum als Schutz zu nutzen. Hier lohnt es sich, ehrlich zu prüfen, ob der Konsum noch eine Wahl ist oder schon eine Gewohnheit, die man nicht mehr steuert.
Warnsignale ernst nehmen
Nicht jede schlechte Phase ist ein Notfall. Anhaltende Niedergeschlagenheit, starke Angst, sozialer Rückzug oder der Verlust von Interesse an früher geliebten Dingen sind aber Signale, die man nicht übergehen sollte. Dasselbe gilt, wenn Schlaf, Essen oder Konzentration deutlich leiden.
- Wie lange hält das Gefühl schon an, und wird es schlimmer?
- Konsumiere ich, um mit Gefühlen klarzukommen, oder aus Gewohnheit?
- Haben andere Menschen in meinem Umfeld Veränderungen bemerkt?
- Fällt es mir schwer, den Konsum zu reduzieren oder zu stoppen?
Wenn du eine dieser Fragen mit Ja beantwortest, lohnt sich ein Gespräch mit einer Ärztin oder einem Arzt.
Vorerkrankungen und Medikamente
Wer bereits an einer Depression, einer Angststörung oder einer anderen psychischen Erkrankung leidet, sollte den Konsum mit der behandelnden Person besprechen. Das gilt besonders dann, wenn Medikamente eingenommen werden. Die Wechselwirkungen sind individuell, und niemand kann sie aus der Ferne sicher beurteilen.
Medizinisches Cannabis wird nach dem MedCanG nur auf ärztliche Verschreibung abgegeben. Auch diese Entscheidung gehört in die ärztliche Hand, und sie sollte nicht durch Eigenversuche ersetzt werden.
Wo du Hilfe findest
Bei akuter Not hilft der Notruf. Im Alltag sind Hausärztinnen und Hausärzte die erste Anlaufstelle, sie überweisen bei Bedarf an Fachleute. Beratungsstellen für Sucht bieten Gespräche an, oft auch online. Die Online-Beratung auf suchtberatung.digital und die Informationen auf drugcom.de sind gute Startpunkte.
Auch Angehörige können sich beraten lassen. Wer sich um einen Menschen sorgt, muss die Lage nicht allein tragen.
Cannabis zur Selbstbehandlung: warum das riskant ist
Cannabis ersetzt keine Behandlung von Depression oder Angst. Drugcom beschreibt, dass das Kiffen bei einer psychischen Grundproblematik zur „Krücke“ werden kann, um den Alltag zu bewältigen.
Drugcom weist darauf hin, dass sich bei dauerhaftem Konsum eine psychische Abhängigkeit entwickeln kann. Wer also mit Cannabis Gefühle regulieren will, sollte das regelmäßig hinterfragen. Ein solcher Blick auf die eigenen Gewohnheiten gehört zur Prävention.
Hinzu kommt das Psychoserisiko, das die BIÖG nennt. Gerade wenn bereits eine seelische Belastung besteht, ist das ein Grund, den Konsum offen mit einer Ärztin oder einem Arzt zu besprechen. Die Entscheidung über Therapie und Medikamente trifft die behandelnde Person gemeinsam mit dir.
Was Angehörige tun können
Angehörige können ruhig ansprechen, was sie bemerken, zum Beispiel mit einem Satz, der mit „Ich mache mir Sorgen“ beginnt.
Angehörige brauchen selbst Unterstützung. Beratungsstellen für Sucht bieten auch Gespräche für Familien an. Dort lässt sich klären, welche Grenzen man setzt und wie man sich selbst schützt, ohne die Verantwortung für den anderen Menschen zu übernehmen.
Wichtig ist, den Zustand ernst zu nehmen. Wenn jemand sich zurückzieht, den Alltag kaum noch bewältigt oder von Hoffnungslosigkeit spricht, ist ärztliche Hilfe gefragt. In akuten Krisen gehört der Notruf dazu.
Gesprächsangebote und Selbsthilfe
Gespräche mit Menschen, die ähnliche Erfahrungen gemacht haben, können entlasten. Selbsthilfegruppen und Angebote der Suchtberatung führen solche Gespräche durch. Ob es in deiner Nähe ein Angebot gibt, erfährst du bei einer Suchtberatungsstelle oder online.
Wer lieber schriftlich Kontakt aufnimmt, findet im Netz Beratungsangebote. Solche Angebote ersetzen die ärztliche Behandlung nicht, helfen aber beim ersten Schritt.
Was du jetzt tun kannst
- Konsum und Stimmung eine Woche lang notieren, um Muster zu erkennen.
- Mit einer Ärztin oder einem Arzt über Depression, Angst und Konsum sprechen.
- Bei Krisen sofort den Notruf wählen oder eine Notfallambulanz aufsuchen.
- Eine Suchtberatung vor Ort oder online nutzen, wenn der Konsum schwer zu steuern ist.
Die Frage, woran man eine Abhängigkeit erkennt, beantwortet der Artikel zur Cannabisabhängigkeit. Welche Vorerkrankungen das Psychoserisiko erhöhen, erklärt der Artikel zu Risikofaktoren für Psychosen. Einen Überblick über alle Gesundheitsfolgen gibt der Artikel zu den Gesundheitsfolgen insgesamt.
Häufige Fragen
Macht Cannabis depressiv?
Das BIÖG schreibt, Studien wiesen darauf hin, dass starker Cannabiskonsum das Risiko für Depressionen erhöhen kann. Ob Cannabis Depressionen direkt auslöst, ist nach dem Stand der Forschung nicht abschließend geklärt. Umgekehrt erhöhen psychische Probleme laut drugcom das Risiko, Cannabis als Selbstmedikation zu missbrauchen. Wer depressive Gefühle hat, sollte den Konsum mit einer Ärztin oder einem Arzt besprechen.
Hilft Cannabis gegen Angst?
Die gelesenen Quellen belegen keinen Nutzen von Cannabis gegen Angst. Drugcom nennt Angst und Panikreaktionen als mögliche unangenehme Wirkungen, das BIÖG nennt Angst und Panikgefühle als kurzfristige Risiken. Bei starker Angst ist eine ärztliche Behandlung oder Psychotherapie der richtige Weg. Die Suchtberatung hilft, wenn der Konsum zur Gewohnheit wird.
Wann sollte ich ärztliche Hilfe suchen?
Wenn Niedergeschlagenheit oder Angst über Wochen anhalten, sich verschlechtern oder den Alltag bestimmen, ist ärztliche Hilfe sinnvoll. Bei akuter Not hilft der Notruf. Hausärztinnen und Hausärzte können an Fachleute weitervermitteln.