Erhöht Cannabis das Risiko für Schulabbruch?
Cannabiskonsum kann den Schul- oder Berufsabschluss gefährden, wenn er das Gedächtnis und die Konzentration beeinträchtigt. Das BIÖG hält fest, dass der Abschluss im schlimmsten Fall gefährdet ist. Zahlen zum Schulabbruch nennen die gelesenen Quellen nicht, und andere Belastungen können ebenfalls eine Rolle spielen. Dieser Artikel erklärt, wie der Zusammenhang einzuordnen ist, welche Warnzeichen Lehrkräfte ernst nehmen sollten und welche Hilfen früh greifen.
Was die Quellen zum Abschluss sagen
Die Fachseite des BIÖG zu den Gefahren für Jugendliche nennt die Gefährdung des Schul- oder Berufsabschlusses als mögliche Folge. Die Begründung lautet: Das Gedächtnis funktioniert viel schlechter. Außerdem stört häufiges Kiffen die Konzentration, was auch zu Problemen in Schule und Ausbildung führen kann.
Diese Aussagen beschreiben Risiken, keine feste Kette aus Ursache und Folge. Sie zeigen, in welche Richtung der Konsum wirken kann. Wer das Risiko ernst nimmt, schaut deshalb auf die Entwicklung eines Jugendlichen über Monate, nicht nur auf einen Vorfall.
Konsum und andere Einflüsse
Die Drogenforschung hat eine verbreitete Vorstellung widerlegt. Drugcom schreibt, die einfache These, Cannabis sei eine Einstiegsdroge, gelte heute als widerlegt. Vor dem ersten Cannabis kommt in fast allen Fällen zuerst das Tabakrauchen. Der Einstieg in Drogen lässt sich laut Quelle nicht auf den Einfluss einer einzelnen Substanz reduzieren.
Drugcom nennt für den Weg in den Konsum außerdem Freundeskreis, Motivation, psychische Probleme und allgemeine Lebensbedingungen. Wer nur den Konsum betrachtet, übersieht deshalb möglicherweise andere Faktoren. Umgekehrt sollte man den Konsum auch nicht kleinreden, denn er kann die Konzentration stören und so Leistungsprobleme verstärken.
Warnzeichen, die Schulen ernst nehmen sollten
Das BIÖG nennt als typische Anzeichen einer Sucht unter anderem plötzlich schlechtere Leistungen, Fehlen und Zuspätkommen, Rückzug und Veränderungen im Freundeskreis. Auffällig sind meist Veränderungen über einen längeren Zeitraum:
- nachlassende Noten und häufig vergessene Hausaufgaben,
- wiederholte Fehlzeiten oder verspätetes Erscheinen,
- Rückzug aus Gruppen und ein neuer Freundeskreis,
- Stimmungsschwankungen, Lustlosigkeit oder unruhiges Verhalten im Unterricht,
- Ausreden oder Lügen, um etwas zu vertuschen.
Keines dieser Zeichen beweist Konsum. Sie zeigen aber, dass ein Gespräch sinnvoll ist. Der Artikel Wie spricht man als Lehrkraft einen Schüler mit Cannabis an? beschreibt, wie das Gespräch beginnen kann.
Früh gegensteuern
Sinnvoll ist ein früher Schritt, bevor die Lage akut wird. Dazu gehört ein Gespräch mit der betroffenen Person und ein Kontakt zu den Eltern. Die Fachseite für Lehrkräfte erläutert, in welchen Situationen Eltern zu kontaktieren sind. Die Schule kann außerdem eine feste Ansprechperson benennen und einen Termin vereinbaren, bei dem der Verlauf besprochen wird.
Wichtig ist, nicht zu warten, bis die Lage akut wird. Ein Lernplan, eine Absprache mit Lehrkräften und eine Beratung sind kleine Schritte, die die Schule selbst gehen kann. Hilfreich ist es, Ziele konkret zu machen, etwa eine bestimmte Note in einem Fach bis zum nächsten Halbjahr.
Die Rolle der Schulsozialarbeit
Die Schulsozialarbeit kann die Lage gemeinsam mit der Schülerin oder dem Schüler klären. Sie bespricht, was sich verändert hat und welche Unterstützung hilft. Außerdem vermittelt sie an Stellen, die weiterhelfen, etwa eine Suchtberatungsstelle oder die Jugendhilfe. Der Artikel Welche Rolle hat die Schulsozialarbeit bei Cannabisfällen? erklärt die Aufgaben näher.
Die Schulsozialarbeit arbeitet oft mit der Jugendhilfe zusammen. Wie diese Zusammenarbeit funktioniert, beschreibt der Artikel Wie arbeiten Schule und Jugendhilfe bei Cannabis zusammen?
Ausbildung und Beruf
Der Schutz des Abschlusses gilt auch nach der Schule. Wer eine Ausbildung beginnt, trifft auf andere Strukturen. Der Konsum kann auch dort die Konzentration und damit die Leistung beeinflussen. Berufsschulen und Betriebe stehen deshalb vor ähnlichen Fragen. Wer den Übergang plant, sollte früh mit der Beratung sprechen.
Anlaufstellen für Betroffene und Familien
Die Sucht und Drogen Hotline berät unter 01806 313031 zu Sucht und Drogen. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist unter 0800 111 0 550 erreichbar. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS zeigt Beratungsstellen nach Bundesland und Postleitzahl. Drugcom bietet einen Cannabis-Check und einen Chat für anonyme Fragen.
Was Jugendliche selbst tun können
Jugendliche sind nicht nur Betroffene. Sie können früh selbst handeln: mit einer Lernberatung, mit einem Gespräch bei der Schulsozialarbeit oder mit dem Cannabis-Check von drugcom, der den eigenen Konsum der letzten zwölf Monate abfragt. Der Test ersetzt kein Gespräch. Am Ende gibt drugcom nach eigener Beschreibung eine ausführliche Rückmeldung mit Empfehlungen.
Wichtig ist, nicht allein zu bleiben. Ein Freund, ein Familienmitglied oder eine Lehrkraft kann beim ersten Termin dabei sein.
Wenn der Abschluss schon gefährdet ist
Ist der Abschluss schon in Gefahr, hilft ein Plan mit festen Terminen. Die Schule vereinbart Ziele für das nächste Halbjahr, die Schulsozialarbeit begleitet die Umsetzung, und die Familie wird einbezogen. Wichtig ist, dass alle Beteiligten dieselben Ziele kennen und sich regelmäßig austauschen.
Ein Wechsel der Schulform, eine Wiederholung oder ein Umweg über eine Ausbildung sind Wege, die im Einzelfall infrage kommen können. Welche Möglichkeiten an deiner Schule bestehen, erfährst du bei der Schulleitung und bei der zuständigen Schulaufsicht.
Hilfe für Familien mit Sorgen
Eltern, die sich Sorgen um den Abschluss ihres Kindes machen, finden Unterstützung beim Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550. Die Sucht und Drogen Hotline unter 01806 313031 berät zu Fragen des Konsums. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS zeigt Beratungsstellen nach Bundesland und Postleitzahl.
Einfache Absprachen können helfen: feste Lernzeiten, ein regelmäßiger Austausch mit der Schule und eine gemeinsame Sprache über den Konsum. Das Gespräch fällt leichter, wenn beide Seiten dieselben Informationen haben.
Was du als Nächstes tun kannst
Wenn du als Lehrkraft oder als Elternteil ein Risiko für den Abschluss siehst, sprich früh darüber. Notiere die Veränderungen, die dir aufgefallen sind, und vereinbare einen Termin mit der betroffenen Person. Nimm die Schulsozialarbeit dazu.
Häufige Fragen
Kann Cannabis einen Schulabschluss gefährden?
Das BIÖG nennt die Gefährdung des Schul- oder Berufsabschlusses als mögliche Folge. Die Begründung ist, dass das Gedächtnis viel schlechter funktioniert. Häufiges Kiffen stört außerdem die Konzentration. Zahlen zum Schulabbruch nennen die gelesenen Quellen nicht, und andere Belastungen können ebenfalls eine Rolle spielen.
Ist Cannabis eine Einstiegsdroge, die zum Schulabbruch führt?
Die einfache These, Cannabis sei eine Einstiegsdroge, gilt laut drugcom als widerlegt. Vor dem ersten Cannabis kommt in fast allen Fällen zuerst das Tabakrauchen. Der Einstieg in Drogen lässt sich nicht auf eine einzelne Substanz reduzieren.
Wer hilft, wenn ein Jugendlicher den Abschluss gefährdet?
Die Schulsozialarbeit klärt die Lage gemeinsam mit dem Jugendlichen und vermittelt weiter. Die Sucht und Drogen Hotline berät unter 01806 313031. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer hilft Eltern unter 0800 111 0 550.