Wie wirkt sich Cannabis auf Schulleistungen aus?
Cannabiskonsum kann Schulleistungen beeinflussen, vor allem über Konzentration und Gedächtnis. Häufiges Kiffen stört die Konzentration, was auch zu Problemen in der Schule und Ausbildung führen kann. Im schlimmsten Fall ist der Schul- oder Berufsabschluss gefährdet, weil das Gedächtnis schlechter funktioniert. Dieser Artikel zeigt, welche Zusammenhänge die Quellen belegen, wo die Forschung noch offen ist und wie Lehrkräfte Lernprobleme ansprechen können.
Konzentration und Gedächtnis im Unterricht
Lernen beruht auf Aufmerksamkeit und Merkfähigkeit. Die Fachseite des BIÖG nennt bei den Gefahren für Jugendliche die gestörte Konzentration. Das junge Gehirn befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase, und nach der Fachseite stört THC die Reifeprozesse im Gehirn.
Im Unterricht fällt das oft zuerst auf. Eine Schülerin verliert den Faden in einer Erklärung, vergisst Hausaufgaben oder kann sich einen Vokabelblock nicht merken. Solche Anzeichen sind nicht automatisch ein Hinweis auf Konsum. Sie sind aber ein Anlass, das Gespräch zu suchen, wie der Artikel Wie spricht man als Lehrkraft einen Schüler mit Cannabis an? beschreibt.
Was früher Einstieg bedeutet
Das Alter spielt eine Rolle. Nach cannabispraevention.de hängt die Schädlichkeit von Cannabis vom Alter der konsumierenden Person und von der Konsumhäufigkeit ab. Drugcom berichtet über Hirnveränderungen bei Personen, die vor dem 18. Lebensjahr mit dem Kiffen angefangen hatten. Die Ursache-Wirkung-Frage ist dabei laut drugcom noch nicht vollständig geklärt, und es ist nicht abschließend geklärt, ob sich das Gehirn Jugendlicher wieder erholen kann.
Für die Praxis heißt das: Lehrkräfte sollten Veränderungen über einen längeren Zeitraum beobachten und nicht nur einen einzelnen Vorfall bewerten.
Was sich nach dem Aufhören erholt
Die Lage nach dem Aufhören ist differenziert. Eine Studie mit 88 Teilnehmenden im Alter von 16 bis 25 Jahren zeigte laut drugcom, dass sich die Merkfähigkeit bereits in der Woche nach dem letzten Konsum verbesserte. Die Quelle ergänzt, dass unklar ist, wie dauerhaft solche Veränderungen sind. Das ist ein wichtiger Vorbehalt, den Lehrkräfte nicht überspielen sollten.
Die Schweizer Fachstelle Sucht Schweiz schreibt zudem, dass Gedächtnis- und Konzentrationseinbußen bei manchen starken Dauerkonsumierenden meist wieder verschwinden, wenn der Konsum eingestellt wird. Die Fachstelle spricht dabei von manchen Fällen, nicht von allen. Eine Besserung nach dem Aufhören ist nach diesen Quellen möglich; versprechen lässt sie sich nicht.
Motivation und Leistung
Auch die Motivation spielt eine Rolle. Sucht Schweiz hält fest, dass während eines Rausches Cannabis die Motivation dämpfen kann. Ein dauerhaftes Amotivations-Syndrom gilt laut derselben Quelle als nicht bestätigt. Für die Schule heißt das: Ein Rückgang der Lust am Lernen kann mit dem Konsum zusammenhängen, muss es aber nicht. Eine Beratung klärt die Ursache.
Lernprobleme haben oft mehrere Gründe. Stress, Schlafmangel, familiäre Konflikte und psychische Belastungen wirken mit. Wer nur auf den Konsum schaut, übersieht schnell die anderen Ursachen. Die Schulsozialarbeit kann das Bild erweitern und die Familie einbeziehen.
Wie Schulen Lernprobleme ansprechen
Lernprobleme sprichst du am besten als Veränderung an. Beschreibe den Zeitraum und die konkreten Beobachtungen: Noten, Mitarbeit, Pünktlichkeit, Rückzug. Danach frage nach den Ursachen, ohne sie vorzugeben. Ein Satz wie „Ich habe den Eindruck, dass dir das Lernen gerade schwerfällt. Wie siehst du das?“ öffnet das Gespräch.
Wenn der Verdacht auf Konsum im Raum steht, bleib bei der Sache. Erkläre den Zusammenhang zwischen Konzentration und Schulleistung, und biete Unterstützung an. Die Fachseite für Lehrkräfte rät, Jugendliche sachlich und differenziert anzusprechen. Verharmlosung ist dabei ein typisches Problem, das du offen benennen solltest.
Unterstützung für Schüler und Eltern
Wer Hilfe sucht, findet Beratung. Die Sucht und Drogen Hotline erreicht man unter 01806 313031. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer berät Eltern unter 0800 111 0 550. Das Suchthilfeverzeichnis der DHS zeigt Beratungsstellen nach Postleitzahl. Drugcom bietet zudem einen Cannabis-Check, mit dem Jugendliche den eigenen Konsum der letzten zwölf Monate einschätzen können.
Schulen können außerdem die Schulsozialarbeit einbeziehen. Sie kann Lernprobleme mit den Betroffenen besprechen und die Familie an passende Stellen vermitteln. Der Artikel Welche Rolle hat die Schulsozialarbeit bei Cannabisfällen? erklärt die Aufgaben im Einzelnen.
Förderpläne und kleine Schritte
Wenn Lernprobleme auftreten, hilft ein konkreter Plan. Vereinbare Ziele, die in zwei oder drei Wochen erreichbar sind, etwa eine Mitarbeitsnote oder das regelmäßige Erledigen der Hausaufgaben. Kleine, überprüfbare Schritte sind leichter zu kontrollieren als große Vorsätze.
Der Plan sollte von der betroffenen Person mitgetragen werden. Frag, welche Unterstützung sie braucht, und ob Lernzeiten, Gruppenarbeit oder Nachhilfe passen.
Wann Lernprobleme eine Beratung brauchen
Nicht jedes Lernproblem ist ein Hinweis auf Konsum. Wenn aber mehrere Anzeichen zusammenkommen, lohnt eine Beratung. Dazu gehören ein starker Leistungsabfall über Monate, Rückzug von Freunden, wiederholte Fehlzeiten und eine wachsende Gleichgültigkeit gegenüber Zielen, die früher wichtig waren.
Drugcom nennt eine Regel, die bei der Einschätzung hilft. Eine Abhängigkeit liegt vor, wenn mindestens zwei Merkmale innerhalb von 12 Monaten zutreffen. Das ist eine Orientierung, mehr nicht. Die Fachstelle klärt, was zutrifft.
Die Schulsozialarbeit kann die Lage mit dem Jugendlichen besprechen und die Familie einbeziehen. Sie hilft auch dabei, Lernunterstützung und Beratung zu verbinden. Die Sucht und Drogen Hotline unter 01806 313031 berät zusätzlich zu Fragen des Konsums. Eltern finden Hilfe beim Elterntelefon unter 0800 111 0 550.
Was du als Nächstes tun kannst
Wenn du als Lehrkraft eine Veränderung bemerkst, dokumentiere sie knapp und nüchtern. Sprich danach das Gespräch mit der betroffenen Person und, wenn nötig, mit den Eltern. Plane einen Termin in einigen Wochen, um zu prüfen, ob sich etwas verändert hat. So bleibt die Unterstützung konkret, und die Schülerin oder der Schüler erlebt Verlässlichkeit.
Häufige Fragen
Macht Cannabis schlechter in der Schule?
Häufiges Kiffen stört die Konzentration, was auch zu Problemen in Schule und Ausbildung führen kann. Im schlimmsten Fall ist der Schulabschluss gefährdet, weil das Gedächtnis schlechter funktioniert. Nach cannabispraevention.de hängt die Schädlichkeit vom Alter und von der Konsumhäufigkeit ab.
Erholt sich das Gedächtnis nach dem Aufhören?
Eine Studie mit 88 Teilnehmenden berichtet, dass sich die Merkfähigkeit bereits in der Woche nach dem letzten Konsum verbesserte. Drugcom weist darauf hin, dass unklar ist, wie dauerhaft solche Veränderungen sind. Die Schweizer Fachstelle Sucht Schweiz beschreibt, dass Einbußen bei manchen starken Dauerkonsumierenden meist wieder verschwinden, wenn der Konsum eingestellt wird.
Wo bekomme ich Hilfe bei Lernproblemen durch Konsum?
Die Schulsozialarbeit spricht Lernprobleme mit den Betroffenen an und vermittelt weiter. Die Sucht und Drogen Hotline berät unter 01806 313031. Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer hilft Eltern unter 0800 111 0 550.
Quellen
- BIÖG: Gefahren für Jugendliche durch Cannabis
- drugcom: Gedächtnis erholt sich bei Abstinenz vom Kiffen
- Sucht Schweiz: Cannabis, Wirkung und Risiken
- BIÖG: Lehrkräfte, Umgang mit dem Thema Cannabis
- Sucht und Drogen Hotline
- Nummer gegen Kummer: Elterntelefon
- cannabispraevention.de: Fragen und Antworten
- drugcom: Cannabis stört die Hirnentwicklung Jugendlicher
- drugcom: Bin ich abhängig von Cannabis?