Wie fördert man Motivation bei Schülern, die konsumieren?
Cannabis kann die Motivation während eines Rausches dämpfen. Ein dauerhaftes Amotivations-Syndrom gilt laut Sucht Schweiz dagegen nicht als bestätigt. Wer Schülerinnen und Schülern helfen will, wieder Einsatz zu zeigen, sollte deshalb zuerst die Ursachen für nachlassende Motivation suchen und Cannabis nicht als einzige Erklärung nehmen. Gespräche, realistische Ziele und feste Strukturen sind die Mittel, die im Schulalltag zur Verfügung stehen.
Was ist über Motivation und Cannabis belegt?
Sucht Schweiz schreibt, dass nicht bestätigt sei, dass Cannabiskonsum zu einem sogenannten amotivationalen Syndrom führt. Zugleich kann Cannabis während eines Rausches eine hemmende Wirkung auf die Motivation haben. Akute Wirkung und dauerhafte Veränderung sind also zwei verschiedene Fragen. Bei manchen starken Dauerkonsumierenden sind Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigt. Laut Sucht Schweiz verschwinden diese Einbußen größtenteils wieder, wenn der Konsum eingestellt wird.
Eine Studie auf drugcom.de mit 88 Teilnehmenden im Alter von 16 bis 25 Jahren fand eine verbesserte Merkfähigkeit bereits in der Woche nach dem letzten Konsum. Laut Text ist allerdings unklar, wie dauerhaft solche Veränderungen sind. Daraus folgt kein Zeitplan für einzelne Schülerinnen und Schüler. Das heißt nicht, dass Konsum folgenlos wäre: Die Risiken sind nach cannabispraevention.de für Jugendliche besonders hoch.
Eine weitere Studie auf drugcom.de legt nahe, dass Sport die Erholung der Hirnleistung bei Menschen fördern kann, die aufhören wollen. Sie umfasste 79 Teilnehmende, davon 37 mit wöchentlichem Konsum, über drei Wochen. Weil die Gruppe klein war, ist das ein Hinweis und kein Beweis.
Warum lässt die Motivation nach?
Nachlassende Motivation hat viele Ursachen, und Cannabis ist nur eine davon. Ursachen können auch in der Schule, im Elternhaus oder im Freundeskreis liegen. Wenn die Leistung über längere Zeit sinkt, lohnt es sich, genau hinzuschauen. Laut cannabispraevention.de kann häufiges Kiffen die Konzentration stören, und das kann auch zu Problemen in Schule und Ausbildung führen. Diese Verbindung ist ein Warnsignal, das im Gespräch angesprochen werden kann. Wie der Freundeskreis den eigenen Konsum beeinflusst, erklärt der Beitrag Wie wirkt der Freundeskreis auf den eigenen Konsum?
Wie spricht man das Thema an?
Ein Gespräch gelingt meist besser, wenn es sachlich bleibt und die Schülerin oder der Schüler sich ernst genommen fühlt. Beginne mit einer konkreten Beobachtung. Ein Urteil kommt später. Sag zum Beispiel: „Du wirkst in den letzten Wochen müder als sonst.“ Frag dann nach, wie die Person die Lage selbst sieht. Vorwürfe und Vergleiche mit anderen Schülern machen ein Gespräch meist schwerer. Hör zu, auch wenn die Antworten knapp ausfallen. Plane für das Gespräch ausreichend Zeit ein.
Welche Ziele sind realistisch?
Aus unserer Sicht (nicht als Studienbefund) sind kleine, überprüfbare Schritte leichter umzusetzen als große Versprechen. Vereinbare Ziele, die in zwei bis drei Wochen erreichbar sind: eine Hausaufgabe pro Tag, ein fester Termin mit einer Ansprechperson, ein Gespräch vor dem nächsten Leistungsnachweis. Schreib die Ziele gemeinsam auf und überprüfe sie zusammen. Eine feste Struktur kann dabei helfen, den Alltag überschaubar zu machen. Kleine Erfolge sollten benannt werden. Plane die nächste Besprechung gleich bei der ersten ein, damit das Thema nicht versandet.
Welche Rolle spielen Freizeit und Sport?
Sport und andere feste Aktivitäten können Teil eines Plans sein. Die Studie zur Hirnleistung nach dem Ausstieg legt nahe, dass Bewegung die Erholung unterstützen kann, mehr aber auch nicht. Vereine, Musikgruppen oder Jugendgruppen können Anschluss bieten. Welche Angebote es in deiner Region gibt, erfragst du am besten bei der Jugendarbeit vor Ort. Freizeit ersetzt keine Beratung, kann aber den Alltag stabilisieren.
Wann braucht es mehr als ein Gespräch?
Wenn sich der Konsum verselbstständigt oder die Person das Gefühl hat, ihn nicht mehr im Griff zu haben, sollte jemand mit Fachwissen dazukommen. Der Cannabis-Check von drugcom.de fragt unter anderem, ob jemand den Eindruck hatte, den Konsum nicht mehr unter Kontrolle zu haben. Ein Selbsttest ersetzt keine Diagnose, kann aber ein Anstoß sein. Für Fragen zu Konsum und Sucht erreichst du die Sucht und Drogen Hotline unter 01806 313031. Warnzeichen für problematischen Konsum beschreibt der Beitrag Welche Warnzeichen zeigen, dass der Konsum zu viel wird?
Welche Rolle kann die Schule spielen?
Die Schule ist oft der Ort, an dem Veränderungen zuerst auffallen. Lehrkräfte sehen Leistung, Fehlzeiten und Verhalten über Wochen. Diese Beobachtungen sind wertvoll, wenn sie festgehalten und mit der Schulsozialarbeit besprochen werden. Ein Austausch im Kollegium hilft, damit nicht jede Lehrkraft allein eine Einschätzung treffen muss. Hilfreich ist eine kurze Notiz nach jedem Gespräch mit Datum, Anlass, vereinbartem Schritt und nächstem Termin. Solche Notizen helfen, Veränderungen über Wochen nachzuvollziehen. Bewahre sie datenschutzkonform auf. Präventionsangebote an der Schule beschreibt der Beitrag Wie läuft Cannabisprävention an Schulen ab?
Was tun, wenn die Motivation trotz Gesprächen sinkt?
Wenn sich nach mehreren Gesprächen nichts verändert, ist es Zeit für externe Unterstützung. Die Schülerin oder der Schüler sollte dabei nicht das Gefühl bekommen, abgeschoben zu werden. Erkläre, welche Stelle zuständig ist und warum. Bei Fragen zu Konsum und Beratung hilft die Sucht und Drogen Hotline unter 01806 313031. Wer Sorge hat, dass Gesundheit oder Sicherheit gefährdet sind, zieht schnell eine Fachkraft hinzu. Wie früh man Unterstützung holt, hängt vom Einzelfall ab. Eine Beratung schafft einen Rahmen, in dem der Konsum offen besprochen werden kann, ohne Druck von Schule oder Familie.
Was du als Nächstes tun kannst
- Notiere, was sich verändert hat: Leistung, Verhalten, Fehlzeiten.
- Führe ein ruhiges Gespräch, bevor du über Konsequenzen sprichst.
- Vereinbare zwei bis drei kleine Ziele mit einem festen Termin.
- Kläre mit der Schulsozialarbeit, wer die Person im Schulalltag begleitet. Passende Hilfen vermittelt auch der Beitrag Welche Hilfen kann die Schule vermitteln?
- Lies den Beitrag Führt Cannabis zu Motivationsverlust?
Häufige Fragen
Macht Cannabis dauerhaft unmotiviert?
Ein dauerhaftes Amotivations-Syndrom gilt laut Sucht Schweiz nicht als bestätigt. Cannabis kann die Motivation während eines Rausches dämpfen. Bei starkem Dauerkonsum können Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigt sein, und laut Sucht Schweiz verschwinden diese Einbußen größtenteils, wenn der Konsum endet. Nachlassende Motivation hat viele Ursachen, deshalb lohnt ein Gespräch.
Wie spreche ich eine Schülerin oder einen Schüler auf Cannabiskonsum an?
Beginne mit einer konkreten Beobachtung, zum Beispiel einem Leistungsabfall, und ohne Vorwurf. Stelle offene Fragen und hör zu. Vermeide Drohungen und Vergleiche mit anderen. Vereinbare danach einen kleinen, überprüfbaren Schritt und einen Termin für das nächste Gespräch.
Wann ist Beratung nötig?
Beratung ist sinnvoll, wenn der Konsum nicht mehr kontrollierbar wirkt oder negative Folgen zunehmen. Die Sucht und Drogen Hotline unter 01806 313031 ist eine Anlaufstelle für Fragen zu Konsum und Sucht. Die Schulsozialarbeit kann helfen, passende Hilfen vor Ort zu finden.