Wie oft gelingt der Cannabis-Ausstieg ohne Hilfe?
Wie oft der Cannabis-Ausstieg gelingt, lässt sich aus den vorhandenen Studien nur grob ablesen. Eine Erfolgsquote für den Ausstieg ohne Hilfe nennen die hier gelesenen Quellen nicht. Eine kleine Studie, die drugcom beschreibt, zeigt Rückfälle schon am ersten Tag des Entzugs. Wer ohne Begleitung aufhören will, plant die ersten Tage deshalb bewusst.
Was eine Studie mit 55 Teilnehmenden zeigt
Die Ergebnisse stammen aus einer Untersuchung mit 55 Cannabisabhängigen, die ohne professionelle Unterstützung aussteigen wollten. Bereits am ersten Tag des Entzugs wurde fast die Hälfte der Teilnehmenden mit Schlafproblemen rückfällig. Bei den Teilnehmenden ohne Schlafprobleme waren es 24 Prozent. Drugcom nennt Schlafprobleme als Risiko dafür, dass der Konsum wieder aufgegriffen wird.
| Gruppe | Rückfall am ersten Entzugstag |
|---|---|
| Mit Schlafproblemen | fast die Hälfte |
| Ohne Schlafprobleme | 24 Prozent |
Eine Studie mit 55 Personen ist allerdings klein. Sie beschreibt die Gruppe, die teilgenommen hat, und den Verlauf der ersten Tage. Über alle Menschen, die Cannabis konsumieren, sagt sie wenig Verbindliches. Lies Zahlen aus der Forschung deshalb immer zusammen mit Jahr, Teilnehmerzahl und Fragestellung.
Warum die ersten Tage so schwer sind
Entzugssymptome beginnen laut drugcom-FAQ meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum. Typisch sind Schlafprobleme und wirre Träume. Wie stark die Beschwerden ausfallen, ist von Person zu Person sehr verschieden. Das gehört zur Umstellung des Körpers und ist kein Beweis, dass der Ausstieg misslingt.
Gerade weil die Symptome so unterschiedlich sind, hilft ein Plan. Wer weiß, welche Zeiten schwierig werden können, kann Gegenmaßnahmen vorbereiten. Dazu gehören feste Schlafzeiten, Bewegung am Tag und Menschen, die man an schwierigen Abenden anrufen kann.
Was den Ausstieg erleichtern kann
Mehrere Untersuchungen geben Hinweise, was den Weg unterstützt. Eine Studie mit 88 Teilnehmenden im Alter von 16 bis 25 Jahren zeigt laut drugcom, dass sich die Merkfähigkeit schon in der Woche nach dem letzten Konsum verbesserte. Unklar bleibt laut Bericht, wie dauerhaft diese Veränderungen sind. Eine weitere kleine Studie mit 79 Teilnehmenden, darunter 37 mit wöchentlichem Konsum, berichtet über drei Wochen, dass sportlich aktive Teilnehmende bessere Hirnleistungen zeigten.
Für den Alltag heißt das vor allem, Schritte klein und konkret zu halten:
- Notiere für eine bis zwei Wochen, wann, wie viel und in welcher Situation du konsumierst.
- Benenne eine Person, die nachfragt und die du ehrlich informieren kannst.
- Plane Zeiten um, in denen du sonst konsumiert hast.
- Achte auf Schlaf und Bewegung, weil Schlafprobleme in der Studie mit Rückfällen zusammenhingen.
- Räume Dinge aus dem Haus, die zum Konsum einladen.
Typische Missverständnisse
Ein verbreiteter Irrtum ist, dass ein Rückfall alles zunichtemacht. Ein Rückfall zeigt, welche Situation zu stark war, und liefert damit den Plan für den nächsten Versuch.
Auch die Menge ist kein verlässlicher Maßstab. Laut drugcom entscheidet vor allem, ob bereits negative Folgen aufgetreten sind, und weniger die Menge oder Häufigkeit des Konsums. Wer die eigenen Grenzen so ehrlich wie möglich prüft, erkennt früher, wann Unterstützung nötig ist.
Wann Hilfe sinnvoll ist
Abhängigkeit liegt laut drugcom vor, wenn mindestens zwei Merkmale innerhalb von 12 Monaten zutreffen. Problematischer Konsum beginnt meist früher, bevor es zur Abhängigkeit kommt. Wenn du den Konsum nicht mehr unter Kontrolle hast, Schule, Arbeit oder Beziehungen darunter leiden oder du mehrfach gescheitert bist, ist eine Beratung ein sinnvoller Schritt. Den Selbsttest findest du im Cannabis-Check, Hinweise zu den Anzeichen stehen im Artikel zur Cannabisabhängigkeit.
Wo du Unterstützung findest
Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 erreichbar; Zeiten und Kosten stehen auf sucht-und-drogen-hotline.de. Für Beratung vor Ort bietet das Suchthilfeverzeichnis der DHS eine Suche nach Postleitzahl oder Ort. Wie du eine passende Stelle findest und was du beim Erstgespräch erwarten kannst, erklärt der Ratgeber zur Suchtberatungsstelle.
Wenn körperliche Beschwerden im Entzug stark sind, gehört eine ärztliche Abklärung dazu. Hausarztpraxen können Beschwerden einordnen.
Prävention: Früh handeln lohnt sich
Bei dauerhaftem Konsum kann sich laut drugcom eine psychische Abhängigkeit entwickeln. Sie zeigt sich vor allem in einem starken Verlangen nach Cannabis. Wer den Konsum früh in den Blick nimmt, kann sich früh Beratung holen.
Ein Plan für die ersten sieben Tage
Wer die ersten Tage geplant angeht, hat einen Vorteil gegenüber spontanen Versuchen. Ein Plan muss nicht perfekt sein. Er soll dir in den Momenten helfen, in denen der Konsum sonst automatisch passiert.
- Tag eins: Lege fest, welche Situationen am schwierigsten sind, und überlege dir für jede eine andere Handlung.
- Tage zwei bis vier: Achte besonders auf Schlaf, weil Schlafprobleme in der Studie mit frühen Rückfällen zusammenhingen.
- Tage fünf bis sieben: Prüfe, welche Situationen du gut gemeistert hast, und notiere, was dir dabei geholfen hat.
Wenn du in dieser Woche einen Rückfall hast, ist der Plan nicht gescheitert. Er zeigt dir, welche Stelle angepasst werden muss. Schreibe auf, was vorher passiert ist, und überlege, wie du die Situation beim nächsten Mal anders angehst.
Hilfreich ist außerdem eine Person, die nachfragt und nicht verurteilt. Wenn es niemanden in deinem Umfeld gibt, ist eine Beratung der richtige Ort, um diesen Halt zu finden.
Was du jetzt tun kannst
Setze dir ein Ziel für die nächsten sieben Tage und schreibe auf, welche Situationen den Konsum auslösen. Sprich mit einer Person, der du vertraust, und vereinbare einen Termin bei einer Suchtberatungsstelle. Wenn der Ausstieg mehrfach scheitert, ist das ein Grund, Beratung zu suchen, und kein Zeichen, dass alles umsonst war. Anlaufstellen sind die Suchtberatung vor Ort, die Sucht & Drogen Hotline und Hausärztinnen und Hausärzte.
Häufige Fragen
Wie viele Menschen schaffen den Cannabis-Ausstieg?
Eine feste Zahl gibt es aus den vorhandenen Studien nicht. Eine Untersuchung mit 55 Cannabisabhängigen, die ohne professionelle Unterstützung aussteigen wollten, zeigt vor allem, dass Rückfälle früh auftreten. Fast die Hälfte der Teilnehmenden mit Schlafproblemen wurde schon am ersten Tag rückfällig. Die Zahl gilt nur für diese kleine Gruppe und ist kein Maß für alle Konsumierenden.
Hilft Sport beim Cannabis-Ausstieg?
Eine kleine Studie mit 79 Teilnehmenden berichtet, dass sportlich aktive Teilnehmende über drei Wochen bessere Hirnleistungen zeigten. Die Studie ist klein und beweist keinen direkten Effekt. Ob Sport den Ausstieg selbst erleichtert, zeigt die Studie nicht.
Wo bekomme ich Hilfe beim Aufhören?
Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 erreichbar. Für Beratung vor Ort hilft das Suchthilfeverzeichnis der DHS. Bei starken körperlichen Beschwerden sollte zusätzlich eine Ärztin oder ein Arzt einbezogen werden.