Was tun, wenn man Cannabis beim Kind findet?
Wenn du Cannabis bei deinem Kind findest, bleib zuerst ruhig und sprich mit deinem Kind über das, was du gesehen hast. Plane danach die nächsten Schritte, bevor du Konsequenzen festlegst. Wer zuerst handelt und dann nachdenkt, riskiert das Vertrauen, das für Hilfe gebraucht wird. Ein überlegtes Vorgehen schützt dein Kind und die Beziehung zu ihm.
Erst ruhig werden, dann handeln
Ein Fund löst bei vielen Eltern Angst, Wut und Enttäuschung aus. Diese Gefühle sind verständlich, sie sind aber ein schlechter Ratgeber für das erste Gespräch. Gib dir Zeit, bevor du das Thema anschneidest. Ein Spaziergang oder ein Gespräch mit einer Vertrauensperson kann helfen, die Lage nüchtern zu betrachten.
Überlege dir vor dem Gespräch, welche Fragen dir wichtig sind. Notiere, was du gefunden hast, wo es lag und was dir in den letzten Wochen sonst aufgefallen ist. So bleibst du sachlich und vermeidest Vorwürfe, die sich später als falsch herausstellen könnten.
Das Gespräch mit dem Kind führen
Wähle einen ruhigen Moment, in dem ihr beide Zeit habt, und keinen Augenblick im Streit. Beginne mit einer offenen Frage, zum Beispiel, was dein Kind zu dem Fund sagt. Höre zu, bevor du bewertest. Wenn dein Kind erzählt, dass Freundinnen oder Freunde konsumieren, frag nach, wie es ihm dabei geht.
- Sag klar, was du gefunden hast, und dass du dir Sorgen machst.
- Stell Fragen, die zum Erzählen einladen, und keine Verhörfragen.
- Vermeide Drohungen, die du nicht umsetzen kannst.
- Vereinbart einen zweiten Termin, wenn das Gespräch nicht zu Ende kommt.
Ein Gespräch muss nicht an einem Abend alles klären. Wichtig ist, dass dein Kind merkt, dass es mit dir sprechen kann, auch wenn es Fehler gemacht hat.
Was du über die Rechtslage wissen solltest
Der Besitz von Cannabis ist nach dem Konsumcannabisgesetz erst ab 18 Jahren erlaubt. Dann ist der Besitz von bis zu 25 Gramm erlaubt, am Wohnsitz sind bis zu 50 Gramm erlaubt. Für Personen unter 18 Jahren sind laut BIÖG Besitz, Erwerb und Anbau von Cannabis verboten. Der Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Minderjährigen ist nach § 5 KCanG verboten.
Wer Cannabis an ein Kind oder einen Jugendlichen weitergibt, macht sich nach § 34 Abs. 1 Nr. 7 KCanG strafbar. Für die Grundform sieht das Gesetz eine Freiheitsstrafe bis zu drei Jahren oder eine Geldstrafe vor. Bei einer Person über 21 Jahre liegt in der Regel ein besonders schwerer Fall vor, mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren (§ 34 Abs. 3 KCanG). Laut Cannabisprävention des Bundes können für Straftaten, die auch Erwachsenen verboten sind, auch strafmündige Jugendliche ab 14 Jahren zur Verantwortung gezogen werden. Das ist ein Grund, sich über die Herkunft des Cannabis Gedanken zu machen, ohne das Kind zu verhören.
Konsequenzen und Grenzen
Das BIÖG hält Konsequenzen für wichtig und richtig. Körperliche Gewalt und Drohungen sind es nicht, sie belasten die Beziehung und verschlimmern die Situation. Das Wichtigste ist, im Gespräch zu bleiben.
Das BIÖG rät, deutlich zu machen, dass das Zuhause eine cannabisfreie Zone ist. Als Konsequenz kannst du zum Beispiel das Taschengeld kürzen, wenn dein Kind damit Cannabisprodukte kauft, oder Freiheiten überdenken. Belohne positive Änderungen im Verhalten und heb sie hervor. Erkläre und begründe jede Regel.
Wann du Unterstützung brauchst
Wenn du unsicher bist, wie es um dein Kind steht, hol dir früh Rat. Eltern können sich auch allein beraten lassen, zum Beispiel am Elterntelefon der Nummer gegen Kummer (0800 111 0 550) oder online über DigiSucht. Ärztinnen und Ärzte können Anzeichen einordnen und bei körperlichen oder seelischen Beschwerden weiterhelfen. Einen Überblick über Anlaufstellen für Eltern bietet der Beitrag Wo bekommen Eltern Beratung bei Cannabis?.
Wenn du Gewalt, Bedrohung oder eine akute Krise erlebst, wende dich an den Notruf. Das gilt unabhängig vom Thema Cannabis.
Was du lieber vermeidest
- Das Zimmer des Kindes ohne Absprache durchsuchen und dabei Vertrauen verspielen.
- Das Kind vor anderen bloßstellen oder Freunde einbeziehen, ohne vorher zu sprechen.
- Eigene Drohungen aussprechen, die du später nicht einhalten kannst.
Wenn du dir unsicher bist, ob eine Maßnahme richtig ist, frag vorher eine Beratung. Das Kind merkt schnell, wenn eine Entscheidung aus Panik entstanden ist.
Prävention: Das Thema im Alltag halten
Die beste Vorsorge ist ein Familienklima, in dem Kinder über Probleme sprechen. Wer regelmäßig nachfragt, wie es in der Schule oder mit Freundinnen und Freunden läuft, bemerkt Veränderungen früher. Auch das Wissen über die Wirkung von Cannabis hilft. Das jugendliche Gehirn befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase, und Konsum kann diese Entwicklung beeinflussen. Eine Übersicht dazu steht im Beitrag Schadet Cannabis dem jungen Gehirn?.
Typische Reaktionen von Jugendlichen
Manche Jugendliche reagieren auf den Fund zuerst mit Abwehr. Sie sagen, es sei nur eine Ausnahme gewesen, oder sie werfen dir vor, dich einzumischen. Das richtet sich nicht unbedingt gegen dich, es ist eine typische Reaktion. Bleib in dieser Phase ruhig und erkläre, warum du dir Sorgen machst.
Manche Kinder sind erleichtert, wenn das Thema endlich offen liegt. Andere schweigen und ziehen sich zurück. Auch Schweigen kannst du ansprechen, indem du sagst, dass du bereit bist zu reden, wenn dein Kind so weit ist.
Was passiert, wenn das Gespräch eskaliert
Manchmal endet ein Gespräch im Streit. Dann ist es wichtig, die Situation zu verlassen, bevor Worte verletzend werden. Vereinbart einen neuen Termin und benenne, was dir wichtig ist. Ein Abbruch ist kein Scheitern, solange der Kontakt bestehen bleibt.
Wenn dein Kind sich selbst gefährdet oder du Gewalt erlebst, wähle sofort den Notruf und bring dich und dein Kind in Sicherheit.
Nächste Schritte
- Sprich zuerst über den Fund und höre zu.
- Vereinbare einen zweiten Termin, wenn das Gespräch offen bleibt.
- Hol dir bei einer Beratungsstelle Rat, wenn du unsicher bist.
Was du als Erstes tun solltest, erklärt Was sollten Eltern als Erstes tun, wenn sie Cannabiskonsum vermuten?. Die Regeln zum Schutz von Minderjährigen fasst der Bereich Jugendschutz zusammen.
Häufige Fragen
Was soll ich tun, wenn ich Cannabis bei meinem Kind finde?
Bleib zuerst ruhig und sprich mit deinem Kind über den Fund, ohne sofort Strafen anzukündigen. Höre zu, stelle offene Fragen und vereinbare bei Bedarf einen zweiten Termin. Wenn du unsicher bist oder Anzeichen für ernsthaften Konsum siehst, hol dir Rat bei einer Suchtberatungsstelle oder einer Ärztin oder einem Arzt.
Ist es strafbar, wenn mein Kind Cannabis besitzt?
Für Personen unter 18 Jahren sind Besitz, Erwerb und Anbau von Cannabis laut Cannabisprävention des Bundes verboten. Werden Jugendliche beim Konsum erwischt, informieren die Behörden die Eltern. Für Straftaten wie die unerlaubte Weitergabe können auch Jugendliche ab 14 Jahren zur Verantwortung gezogen werden. Was im Einzelfall folgt, entscheidet die zuständige Stelle, eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt kann das einordnen.