Was zeigt die DIW-Studie zu Cannabis und Kokain?
Die DIW-Studie ist der Wochenbericht 13/2026 des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW Berlin) von Anna Bindler und Andreea-Maria Stoica mit dem Titel „Cannabiskonsum nach Teillegalisierung stabil, Kokain nimmt seit Jahren zu“. Die Autorinnen sehen im Reformjahr 2024 keinen strukturellen Bruch beim Cannabiskonsum. Der Kokainkonsum steigt dagegen laut Abwasserdaten seit Jahren. Die Aussagen gelten nach Angaben der Autorinnen nur kurzfristig.
Welche Daten die Studie nutzt
Der Bericht stützt sich auf vier Datenquellen: die Polizeiliche Kriminalstatistik des BKA, den Epidemiologischen Suchtsurvey (ESA) mit Befragten zwischen 18 und 64 Jahren (Wellen 2012 bis 2024), Abwassermessungen der europäischen Drogenagentur EUDA und des Netzwerks SCORE (2025 in 115 Städten europaweit, darunter 17 deutsche) sowie Straßenhandelspreise des BKA. Jede dieser Quellen misst etwas anderes, deshalb zeigt erst die Kombination ein Bild.
Was die Studie zu Cannabis zeigt
- Das Cannabisgesetz trat am 1. April 2024 in Kraft. Die erfassten cannabisbezogenen Delikte sanken von 173.945 im Jahr 2023 auf 61.670 im Jahr 2024. Der Rückgang spiegelt nach Einschätzung der Autorinnen vor allem einen statistischen Effekt, weil bestimmte Handlungen nicht mehr strafbar sind.
- Der Anteil der Erwachsenen mit Cannabiskonsum in den letzten 12 Monaten stieg im ESA von 4,5 Prozent (2012) auf 9,8 Prozent (2024), ohne erkennbaren Bruch im Reformjahr.
- Die Abwasserdaten zeigen kurzfristig keinen systematischen Einfluss der Reform auf den Cannabiskonsum.
- Der Straßenpreis blieb relativ stabil.
Was die Studie zu Kokain zeigt
Die Polizei erfasste Fälle mit Kokain einschließlich Crack in diesen Zahlen: 20.964 im Jahr 2022, 27.224 im Jahr 2023 und 27.703 im Jahr 2024. Im Abwasser war die durchschnittlich gemessene Kokainmenge 2025 fast viermal so hoch wie 2015, mit einem deutlichen Anstieg vor allem seit 2019 und 2020. Methamphetamin stieg im Abwasser ebenfalls. Regional unterscheidet sich das Bild: Kokain dominiert in Großstädten wie Berlin, Hamburg und München, Methamphetamin in ostdeutschen Städten wie Chemnitz und Dresden.
Ist der Kokainanstieg eine Folge des Cannabisgesetzes?
Die Studie belegt keinen solchen Zusammenhang. Der Anstieg beim Kokain begann deutlich vor 2024. Ein kausaler Zusammenhang zwischen der Reform und Beschaffungs- oder Gewaltkriminalität lässt sich nach Angaben der Autorinnen nicht belegen. Mehr zu diesem Vergleich steht im Artikel Ist der Kokainkonsum parallel gestiegen?
Wie du die Zahlen im Bericht einordnest
Der Rückgang von 173.945 auf 61.670 erfassten Cannabisdelikten sagt nichts über weniger Konsum aus. Er zeigt vor allem, dass viele Handlungen seit dem 1. April 2024 nicht mehr strafbar sind und deshalb nicht mehr in der Polizeilichen Kriminalstatistik auftauchen. Umgekehrt zeigt der Anstieg der Kokainfälle in der Statistik nur dann etwas über den Markt, wenn man bedenkt, dass die Polizei bei Rauschgiftdelikten selbst bestimmt, wo sie kontrolliert. Ähnlich ist es bei Konsumquoten: Der Datenportal-Eintrag des Beauftragten der Bundesregierung für Sucht- und Drogenfragen nennt 9,7 Prozent, der DIW-Bericht 9,8 Prozent für den Konsum in den letzten 12 Monaten. Solche kleinen Abweichungen sind ein Anlass, immer die genaue Fundstelle zu prüfen.
Welche Grenzen die Autorinnen nennen
- Wegen der Datenlage sind nur kurzfristige Aussagen möglich. Mittel- und langfristige Auswertungen stehen aus.
- Rauschgiftdelikte sind weitgehend Kontrollkriminalität. Die Zahlen spiegeln Polizeiarbeit ebenso wie Marktlagen.
- Befragungen können durch ungenaue Selbstangaben verzerrt sein.
- Abwasserwerte zeigen den Gesamtkonsum einer Stadt und sagen nichts darüber, wer wie viel konsumiert.
Wie man Befragungsstudien liest
Für jede Studie zum Konsum lohnen sich dieselben Fragen: Wen haben die Forschenden befragt, und wie viele Menschen waren es? Wann fand die Befragung statt? Was zählt als Konsum, etwa der Konsum im letzten Monat oder im letzten Jahr? Eine Studie ist außerdem eine Momentaufnahme. Cannabis und Kokain sind sehr unterschiedliche Substanzen mit eigenen Risiken und Konsummustern, und ihre Zahlen solltest du getrennt lesen.
Wo du aktuelle Zahlen findest
Für Zahlen zum Konsum lohnt der Blick in amtliche Datenquellen. Das Datenportal Sucht und Drogen und die Deutsche Hauptstelle für Suchtfragen (DHS) stellen Informationen zusammen. Der Artikel Wo finde ich aktuelle Suchtzahlen? zeigt die wichtigsten Adressen, und der Artikel Wie viele Erwachsene konsumieren Cannabis? ordnet die Erwachsenenzahlen ein.
Was du jetzt tun kannst
- Lies bei Zahlen aus der Presse die Originalstudie, hier den DIW-Wochenbericht 13/2026.
- Prüfe Stichprobe, Zeitraum und Methode.
- Trenne Aussagen zu Cannabis von Aussagen zu anderen Substanzen.
- Wenn du Fragen zum eigenen Konsum hast, wende dich an eine Beratungsstelle, zum Beispiel die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031.
Mehr Orientierung findest du im Bereich Politik und Forschung.
Häufige Fragen
Was zeigt die DIW-Studie zum Cannabiskonsum?
Laut DIW-Wochenbericht 13/2026 gab es nach der Teillegalisierung keinen erkennbaren strukturellen Bruch: Der Anteil der Erwachsenen mit Konsum in den letzten 12 Monaten lag im ESA 2024 bei 9,8 Prozent, nach 4,5 Prozent im Jahr 2012. Die Abwasserdaten zeigen kurzfristig keinen systematischen Einfluss der Reform. Nach Angaben der Autorinnen sind nur kurzfristige Aussagen möglich.
Ist der Kokainanstieg eine Folge des Cannabisgesetzes?
Die Studie belegt keinen solchen Zusammenhang. Der Anstieg beim Kokain begann deutlich vor 2024, und ein kausaler Zusammenhang zwischen der Reform und Beschaffungs- oder Gewaltkriminalität lässt sich nach den Autorinnen nicht belegen.
Woran erkenne ich, ob eine Studie belastbar ist?
Achte auf Stichprobe, Befragungsmethode, Zeitraum und auf die Angaben zur Finanzierung. Eine seriöse Veröffentlichung nennt diese Punkte offen. Eine einzelne Studie ist eine Momentaufnahme und sollte nicht als endgültige Antwort gelesen werden.