Wie muss ich Cannabis vor Kindern sichern?
Ja, du musst Cannabis vor Kindern sichern. Nach § 10 KCanG sind Cannabis und Vermehrungsmaterial am Wohnsitz und am gewöhnlichen Aufenthalt durch geeignete Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen vor dem Zugriff Dritter zu schützen, insbesondere vor Kindern und Jugendlichen. Wer das nicht oder nicht richtig tut, handelt ordnungswidrig (§ 36 Abs. 1 Nr. 6 KCanG). Dieser Artikel zeigt dir praktische Schritte, mit denen du den Zugriff verhinderst.
Warum der Zugriff für Kinder ein Risiko ist
Kinder erkunden ihre Umgebung. Sie greifen zu, was sie finden, und sie unterscheiden Produkte nicht immer nach ihrem Inhalt. Cannabisprodukte können optisch an Lebensmittel erinnern. Deshalb sollten sie nie offen neben Essen liegen. Das BIÖG gibt auf seiner Website Empfehlungen für Eltern zum Umgang mit dem Thema.
Praktische Schritte zu Hause
- Einen abschließbaren Behälter nutzen, der für Kinder nicht einfach zu öffnen ist.
- Den Lagerort außerhalb der Reichweite von Kindern wählen, auch auf Regalen, die sie erklettern können.
- Cannabis nie in Schubladen oder Schränken mit Lebensmitteln lagern.
- Zubehör wie Grinder oder Blättchen genauso sichern wie den Stoff selbst.
- Schlüssel oder Code für den Behälter nicht offen herumliegen lassen.
- Den Lagerort regelmäßig prüfen, besonders nach Umzügen oder Besuch.
Besuch von Kindern in der Wohnung
Ist ein Kind in der Wohnung, gilt das Verbot aus § 5 Abs. 1 KCanG: Konsum in unmittelbarer Gegenwart von Minderjährigen ist verboten. Das ändert sich nicht durch die Verwahrung. Wer Kinder zu Besuch hat, verschiebt den Konsum deshalb auf eine Zeit, in der sie nicht da sind. Auch ein verschlossener Schrank löst dieses Problem nicht.
Der Artikel Darf ich in der Wohnung konsumieren, wenn Kinder zu Besuch sind? geht auf diese Situation näher ein.
Wenn ein Kind Cannabis gefunden hat
Bleib ruhig. Sichere das Cannabis, bevor du mit dem Kind sprichst, und erkläre ihm sachlich, warum es das nicht anfassen soll. Ein Vorwurf macht das Gespräch schwerer. Wenn du unsicher bist, wie du das Gespräch führst, hilft das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550. Den Ablauf beschreibt der Artikel Was tun, wenn man Cannabis beim Kind findet?
Gesundheit von Kindern und Jugendlichen
Das junge Gehirn befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase, und Cannabis kann diese Entwicklung beeinflussen. Das schreibt das BIÖG auf cannabispraevention.de. Ein früher Einstieg in den Konsum hat nach drugcom nachhaltige Beeinträchtigungen der kognitiven Leistungsfähigkeit zur Folge. Deshalb lohnt sich die sichere Verwahrung in jedem Haushalt mit Kindern.
Gespräche in der Familie
Kinder verstehen Regeln leichter, wenn ihnen der Grund erklärt wird. Eine kurze Erklärung, was im Schrank liegt und warum es dort liegt, nimmt dem Thema die Spannung. Wiederhole die Regel, wenn sich die Situation ändert, etwa bei Besuch oder einem Umzug.
Anlaufstellen
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist unter 0800 111 0 550 erreichbar. Informationen gibt es auf nummergegenkummer.de. Wer selbst Hilfe beim Konsum sucht, erreicht die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031. Bei rechtlichen Fragen zu einem konkreten Fall hilft eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt.
Im Haushalt gemeinsam Absprachen treffen
Wer mit einer Partnerin, einem Partner, Mitbewohnerinnen oder Mitbewohnern zusammenlebt, sollte den Lagerort gemeinsam festlegen. Nur so weiß jeder, wo das Cannabis liegt und wer den Schlüssel hat. Unklare Zuständigkeiten führen leicht dazu, dass ein Behälter offen herumsteht.
Auch Besuch, Babysitter und Großeltern sollten wissen, dass es einen Lagerort gibt, den Kinder nicht erreichen. Eine kurze Information reicht. Eine Erklärung im Detail ist meist nicht nötig.
Betreuung durch andere Personen
Wenn Kinder regelmäßig bei Großeltern, in der Kita oder bei einer Tagesmutter betreut werden, lohnt ein Gespräch über Sicherheit. Betreuungspersonen brauchen nicht jedes Detail. Sie sollten aber wissen, dass dort Dinge liegen, die Kinder nicht anfassen dürfen. Das gilt besonders dann, wenn Kinder allein in der Wohnung spielen.
Checkliste für den Lagerort
- Ist der Behälter verschlossen, und liegt der Schlüssel oder Code an einem Ort, den Kinder nicht finden?
- Liegt der Lagerort außerhalb der Reichweite von Kindern, auch dann, wenn sie auf Möbel klettern?
- Ist der Ort fern von Lebensmitteln, Medikamenten und Reinigungsmitteln?
- Hast du den Ort nach dem letzten Besuch kontrolliert?
Die Checkliste ist eine Hilfe und keine Garantie. Wer sie regelmäßig durchgeht, bemerkt Lücken schneller, etwa nach einem Umzug oder wenn neue Möbel dazukommen.
Kinder altersgerecht ansprechen
Jüngere Kinder brauchen einfache Sätze: Das gehört Erwachsenen, und es ist nichts zum Probieren. Ältere Kinder und Jugendliche profitieren von einem sachlichen Gespräch über Wirkung, Risiken und die Gründe für die Regel. Wichtig ist, dass das Kind weiß, an wen es sich wenden kann, wenn es etwas Ungewöhnliches gesehen oder probiert hat.
Häufige Fragen
Muss ich Cannabis zu Hause wegschließen?
Ja. § 10 KCanG verlangt, Cannabis und Vermehrungsmaterial am Wohnsitz durch geeignete Maßnahmen und Sicherheitsvorkehrungen vor dem Zugriff Dritter zu schützen, besonders vor Kindern und Jugendlichen. Ein abschließbarer Behälter an einem Ort außerhalb der Reichweite von Kindern ist eine naheliegende Lösung. So verhinderst du Verwechslungen und Unfälle.
Was tue ich, wenn mein Kind Cannabis gegessen oder geraucht hat?
Bei gesundheitlichen Beschwerden holst du sofort ärztliche Hilfe. Bleib ruhig und beobachte das Kind, bis Hilfe da ist. Danach kannst du mit dem Kind sachlich sprechen. Für deine eigenen Sorgen erreichst du das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer unter 0800 111 0 550.
An wen wende ich mich, wenn ich mir Sorgen um mein Kind mache?
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist unter 0800 111 0 550 erreichbar. Die Website nummergegenkummer.de beschreibt das Angebot. Bei Sorgen um den eigenen Konsum hilft die Sucht und Drogen Hotline unter 01806 313031. Bei rechtlichen Fragen klärt eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt die Lage im Einzelfall.