Welche Regeln gelten bei Kindern mit Cannabis-Verordnung?
Wenn bei einem Kind oder Jugendlichen Cannabis als Medizin in Betracht kommt, ist die Abwägung besonders sorgfältig vorzunehmen. Cannabis zu medizinischen Zwecken darf nur von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden (§ 3 Abs. 1 MedCanG). Eine Altersgrenze nennt § 3 MedCanG nicht. Die Entscheidung liegt bei der Praxis, die das Kind kennt. Dieser Ratgeber erklärt, warum Eltern bei diesem Thema genau nachfragen sollten, welche Fragen sich lohnen und wo du Unterstützung findest.
Warum Kinder besonders betrachtet werden
Das junge Gehirn befindet sich in einer wichtigen Entwicklungsphase. Die Präventionsseite des Bundes (BIÖG) schreibt zum Freizeitkonsum von Jugendlichen, THC störe die Reifeprozesse im Gehirn. Wie das bei einem verordneten Arzneimittel zu gewichten ist, beurteilt die Ärztin. Frag nach, wie sie Nutzen und Risiken für dein Kind abwägt.
Sprich außerdem ab, wie die Praxis die Behandlung im Verlauf überprüft und wer für dich Ansprechperson ist.
Fragen, die du an die Praxis stellen kannst
- Welche Erkrankung soll behandelt werden, und welche anderen Behandlungen wurden schon versucht?
- Welchen Nutzen erwartet die Praxis, und wie wird er überprüft?
- Welche Nebenwirkungen und Risiken sind bei Kindern besonders zu beachten?
- Wie oft wird die Behandlung kontrolliert, und wer ist Ansprechperson?
- Gibt es Alternativen, die vorher geprüft werden sollten?
- Wie wird das Kind in die Entscheidung einbezogen, soweit es das altersgerecht kann?
Schreib die Antworten mit. Eine Liste mit Datum hilft dir später, den Verlauf nachzuvollziehen und bei Bedarf weitere Fragen zu stellen.
Die Rolle der Eltern
Eltern tragen Verantwortung für die Entscheidung mit. Das bedeutet nicht, dass du medizinische Fragen allein beantworten musst. Es heißt aber, dass du nachfragst, bis du die Abwägung verstehst. Eine gute Praxis erklärt die Gründe verständlich und nimmt deine Fragen ernst.
Wenn du ein Gespräch mit der Praxis als belastend empfindest, kannst du eine zweite Meinung einholen. Frag deine Praxis nach einer Überweisung oder nach einem Gespräch mit einer Fachärztin oder einem Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin.
Was Kinder selbst wissen sollten
Auch Kinder und Jugendliche dürfen Fragen stellen. Erkläre ihnen in einfachen Worten, was die Behandlung bewirken soll und was sie nicht kann. Sag ihnen auch, dass sie sich melden können, wenn etwas unangenehm ist oder sie Angst haben. Solche Gespräche gehören zu einer altersgerechten Begleitung.
Wichtig ist auch der Umgang im Alltag. Ein Präparat aus der Verordnung bewahrst du so auf, dass Kinder es nicht erreichen. Frag Praxis und Apotheke, wie sie die sichere Aufbewahrung empfehlen. Die Regeln des KCanG zum Freizeitkonsum gelten für Cannabis zu medizinischen Zwecken nicht, weil § 1 Nr. 8 KCanG es aus dem Begriff ausnimmt.
Wenn du Sorgen hast
Wenn du bei deinem Kind Anzeichen für einen Konsum entdeckst, der nicht verordnet ist, bleib ruhig und sprich mit der Praxis oder einer Beratungsstelle. Der Ratgeber Woran erkennen Eltern, dass ihr Kind kifft? hilft bei der ersten Einordnung. Auch Beratungsstellen für Eltern können dir weiterhelfen.
Wenn du dich rechtlich unsicher fühlst, zum Beispiel bei einer Frage zur Verantwortung von Eltern, wendest du dich an eine Fachanwältin oder einen Fachanwalt für Familienrecht. Eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt kann das für deinen Einzelfall einordnen.
Der Alltag mit einer Verordnung für Kinder
Eine Verordnung verändert den Alltag der ganzen Familie. Überlege, wer in der Familie Zugang zum Präparat hat, wer die Dosierung überwacht und wer Ansprechperson für Kita oder Schule ist. Gerade bei jüngeren Kindern sollten Betreuungspersonen wissen, worauf sie achten müssen.
Sprich mit der Praxis darüber, welche Hinweise du an Betreuungspersonen weitergeben solltest. Schriftliche Infos helfen dabei, dass alle dieselben Angaben haben. Halte fest, wer wann was gegeben hat, damit Verwechslungen ausgeschlossen sind.
Wenn sich der Zustand des Kindes verändert
Veränderungen im Verhalten, im Schlaf oder im Appetit sollten zeitnah mit der Praxis besprochen werden. Notiere, was du beobachtest, und bring die Notizen zum nächsten Termin mit. Du musst nicht bis zum nächsten Termin warten, wenn dich etwas beunruhigt.
Bei akuten Beschwerden wendest du dich an die zuständige ärztliche Stelle. Die Praxis kann dir sagen, wie sie erreichbar ist und wann du dich melden solltest.
Was du mitnehmen kannst
- Bei Kindern ist eine Verordnung nur nach sorgfältiger ärztlicher Abwägung denkbar.
- Stell konkrete Fragen zu Nutzen, Risiken, Kontrolle und Alternativen.
- Halte Antworten schriftlich fest und hol bei Bedarf eine zweite Meinung ein.
- Bewahre Präparate sicher auf, damit Kinder sie nicht erreichen.
Wer die Grundlagen zum Jugendschutz vertiefen möchte, findet im Bereich Jugendschutz weitere Informationen.
Häufige Fragen
Darf ein Kind Medizinalcannabis bekommen?
Cannabis zu medizinischen Zwecken darf nach § 3 Abs. 1 MedCanG nur von Ärztinnen und Ärzten verschrieben werden. Eine Altersgrenze nennt diese Vorschrift nicht. Bei Kindern ist die ärztliche Abwägung besonders wichtig, weil sich das Gehirn noch entwickelt. Welche Anforderungen im Einzelfall gelten, klärst du mit der behandelnden Ärztin oder dem Arzt. Frag nach Nutzen, Risiken und Alternativen.
Wie kann ich mein Kind vor Cannabis schützen, auch wenn eine Verordnung besteht?
Bewahre Präparate so auf, dass Kinder sie nicht erreichen, und frag Praxis oder Apotheke nach der empfohlenen Aufbewahrung. Sprich mit der Praxis über Kontrolle im Verlauf und Ansprechpersonen. Bei Sorgen hilft eine Beratungsstelle, die auch Eltern berät.