Was steht im Cannabisfragebogen der Medizinischen Dienste?
Bei gesetzlich Versicherten bedarf die erste Verordnung von Cannabisarzneimitteln der Genehmigung der Krankenkasse (§ 31 Abs. 6 SGB V). Im Verfahren wird häufig ein ärztlicher Fragebogen genutzt, der die medizinischen Angaben in fester Form erfasst. Medizinische Dienste und Krankenkassen stellen solche Vorlagen bereit, etwa der Medizinische Dienst Niedersachsen in seiner Begutachtungsanleitung (Fassung 2020) und die DAK als Arztfragebogen. Welche Fassung bei dir gilt, erfährst du bei Praxis und Krankenkasse; frag nach der aktuellen Fassung. Die medizinischen Angaben stammen von der Ärztin oder dem Arzt. Du bringst Vorgeschichte und Unterlagen ein.
Wozu dient der Fragebogen überhaupt?
Der Medizinische Dienst ist die Begutachtungsstelle der gesetzlichen Krankenversicherung. Er prüft medizinische Fragen, die eine Krankenkasse allein nicht beantworten kann. Ein Fragebogen strukturiert die Angaben, sodass die Prüfung dieselben Punkte abdeckt.
Der Fragebogen ergänzt die ärztliche Begründung. Die Ärztin beschreibt in eigenen Worten, warum sie Cannabis für medizinisch vertretbar hält. Die Angaben im Fragebogen halten die Fakten dazu fest.
Welche Angaben werden in der Regel abgefragt?
Die genaue Gliederung kann sich unterscheiden. In den gesichteten Fassungen finden sich Fragen zu diesen Themen: Prüfe vor dem Ausfüllen, ob du die aktuelle Fassung vor dir hast, und frag deine Ärztin oder die Krankenkasse danach. Wer die Unterlagen gleich zusammenstellen will, findet die Liste in der Checkliste der Unterlagen.
- Diagnose und Beginn der Beschwerden
- Schwere der Erkrankung und Beeinträchtigung
- Bisherige Therapien, deren Dauer und Wirkung
- Nebenwirkungen früherer Behandlungen
- Aktuelle Medikamente und mögliche Wechselwirkungen
- Behandlungsziel und geplante Dosierung
Wenn du dich an Daten früherer Behandlungen nicht genau erinnerst, lass sie lieber aus den Unterlagen übertragen, als zu raten.
Wie bereitest du dich vor?
Lege dir eine Mappe an, in der alle Unterlagen zusammenbleiben.
- Sammle Befunde, Arztbriefe und Bescheide früherer Behandlungen.
- Erstelle eine Liste aller Medikamente, die du aktuell oder früher genommen hast.
- Schreibe in Stichworten, welche Beschwerden du hast und wie sie deinen Alltag verändern.
- Notiere, welche Therapien du bereits ausprobiert hast und was dabei geholfen hat oder nicht.
- Kläre mit der Praxis, wer den Fragebogen ausfüllt und wer ihn unterschreibt.
Bewahre eine vollständige Kopie aller Unterlagen auf, die du einreichst. So kannst du bei Rückfragen schnell reagieren und einen späteren Widerspruch vorbereiten.
Welche Fehler solltest du vermeiden?
Diese Punkte solltest du vermeiden:
- Angaben offen lassen, weil das Nachschauen mühsam ist
- Widersprüchliche Angaben zu Konsum, Medikamenten oder Vorerkrankungen
- Eine veraltete Vorlage verwenden, die nicht mehr gilt
- Den Fragebogen ohne Rücksprache mit der Ärztin ändern
- Die Frist in einem Bescheid verpassen
Mach wahrheitsgemäße Angaben. Wenn du unsicher bist, wie du eine Frage beantwortest, sprich das vor dem Abschicken mit der Praxis ab. Bei Begründungen hilft außerdem der Beitrag zur ärztlichen Begründung.
Was passiert nach dem Ausfüllen?
Nach dem Einreichen prüft die Krankenkasse den Antrag. Nach Angaben der Kassenärztlichen Bundesvereinigung hat sie dafür zwei Wochen Zeit, bei Erfordernis einer gutachterlichen Stellungnahme vier Wochen. Danach kann es Rückfragen geben. Lass dir den Eingang des Antrags schriftlich bestätigen.
Am Ende steht ein Bescheid. Lies ihn sorgfältig, besonders den Abschnitt zur Rechtsbehelfsbelehrung. Dort steht, welche Frist für einen Widerspruch gilt und an welche Stelle er zu richten ist. Die genauen Angaben stehen im Bescheid selbst und nicht in diesem Ratgeber.
Wo findest du den aktuellen Stand?
Den Fragebogen erhältst du von deiner Ärztin oder der Krankenkasse. Frag ausdrücklich nach der aktuellen Version, weil ältere Vorlagen im Umlauf sein können. Zu den gesetzlichen Grundlagen gehören § 3 MedCanG (Verschreibung und Abgabe) und § 31 Abs. 6 SGB V (Genehmigung). Hinweise zu Verfahren veröffentlicht das BfArM.
Warum sind Diagnose und Verlauf so wichtig?
Diagnose und Verlauf bilden die Grundlage der ärztlichen Angaben. Der Verlauf zeigt, wie sich die Beschwerden entwickelt haben.
Beschreibe deiner Praxis möglichst konkret, seit wann die Beschwerden bestehen, was sie im Alltag einschränken und welche Behandlungen du hattest. Die medizinische Bewertung nimmt die Ärztin oder der Arzt vor.
Was tust du, wenn du eine Frage nicht beantworten kannst?
Schreib die Frage auf und markiere, welche Angabe fehlt. Frag bei deiner Ärztin oder bei alten Behandlern nach, ob die Information vorliegt. Lass eine Lücke lieber offen, als eine Angabe zu raten.
Bei Erinnerungslücken hilft ein Blick in alte Kalender, Rezepte oder Apothekenquittungen. Bei Fragen, die du nicht beantworten kannst, hilft die Praxis.
Was du jetzt tun kannst
Lass dir den Fragebogen zeigen, bevor du mit dem Ausfüllen beginnst. Vereinbare mit der Ärztin einen Termin, an dem ihr die Angaben gemeinsam durchgeht. Wie der Antrag bei der Krankenkasse abläuft, zeigt der nächste Schritt. Wenn der Antrag schon einmal abgelehnt wurde, schau dir die Gründe an, bevor du ihn erneut einreichst. Mehr dazu steht im Beitrag zu Gründen für eine Ablehnung.
Häufige Fragen
Muss ich den Cannabisfragebogen selbst ausfüllen?
Die medizinischen Angaben stammen von deiner Ärztin, weil sie die Diagnose stellt und die Verordnung begründet. Du ergänzt Vorgeschichte, bisherige Behandlungen und Unterlagen. Frag die Praxis, wer welche Teile übernimmt, und prüfe am Ende alle Angaben auf Richtigkeit, bevor etwas eingereicht wird.
Welche Unterlagen sollte ich zum Fragebogen mitbringen?
Hilfreich sind Arztbriefe, Befunde, Bescheide früherer Behandlungen und eine vollständige Medikamentenliste. Notiere außerdem, welche Therapien du bereits ausprobiert hast und wie sie gewirkt haben. Behalte eine Kopie aller Unterlagen, die du einreichst.