Sind Haustiere durch Pflanzen oder Ernte gefährdet?
Haustiere können durch Cannabispflanzen und Ernte gefährdet sein, weil Hunde und Katzen an Pflanzenteilen schnüffeln, daran knabbern oder sie fressen. Wer Tiere im Haushalt hat, sichert den Anbauraum und die Reste deshalb so, dass sie nicht erreichbar sind. Für Menschen verlangt § 10 KCanG ohnehin, Cannabis und Vermehrungsmaterial am Wohnsitz vor dem Zugriff Dritter zu schützen, insbesondere vor Kindern und Jugendlichen. Ein Verstoß ist nach § 36 Abs. 1 Nr. 6 KCanG eine Ordnungswidrigkeit. Verdacht auf Aufnahme ist ein Notfall, der sofortiges Handeln verlangt. Dieser Artikel beschreibt Schutz und erste Schritte und ersetzt keine tierärztliche Beratung.
Wie Tiere mit Pflanzenteilen in Kontakt kommen
Hunde sind neugierig und nehmen fast alles ins Maul, besonders Material, das duftet oder herumliegt. Katzen klettern, springen auf Ablagen und knabbern an Pflanzen, die sie erreichen. Auch Reste im Abfalleimer oder ein offen stehender Beutel können zum Problem werden. Der Kontakt beginnt oft beim Schnüffeln, bleibt aber nicht immer dabei. Deshalb zählt jede Maßnahme, die den Zugang verhindert.
Den Anbauraum tierfrei halten
Halte den Anbauraum während der Pflanzenzeit geschlossen, auch wenn du nur kurz weg bist. Tiere sollten keinen Zugang haben, weder durch eine offene Tür noch durch ein Fenster, das ein Tier öffnen kann. Stelle keine Pflanzen auf niedrige Ablagen, auf die Katzen springen können. Eine Tür mit Schließmechanismus ist sinnvoller als ein Vorhang oder ein Gitter, das sich überwinden lässt. Die Sicherung ist dieselbe wie gegen Kinder, denn der Zugang muss für alle verschlossen sein.
- Raum abschließen, wenn du ihn nicht benutzt.
- Pflanzen und Reste hoch oder verschlossen aufbewahren.
- Keine Reste frei herumliegen lassen, auch nicht im Flur.
- Abfall verschließen und nicht in einer offenen Tonne lagern, an die Tiere gelangen.
Was tun bei Verdacht auf Aufnahme
Bei Verdacht, dass ein Tier Pflanzenteile oder Ernte aufgenommen hat, handelst du sofort. Die Bundestierärztekammer rät, so schnell wie möglich einen Tierarzt aufzusuchen. Kontaktiere die Praxis telefonisch und bringe das Tier unverzüglich dorthin. Die Bundestierärztekammer warnt außerdem davor, das Tier selbst zum Erbrechen zu bringen. Milch oder Öl sollst du ebenfalls nicht einflößen, weil das die Aufnahme mancher Stoffe beschleunigen kann.
Anzeichen einer Vergiftung bei Hunden
Die Bundestierärztekammer nennt allgemein für Vergiftungen bei Hunden Symptome wie starkes Speicheln, Zittern, Apathie oder starke Aufregung, Schwäche, Kreislaufprobleme, Erbrechen, Würgen, Durchfall, Bauchkrämpfe und Atembeschwerden. Weil viele Stoffe zu einer Vergiftung führen können, ist es für Laien im Notfall kaum möglich, gezielt zu helfen. Vermittle dem Tier Ruhe. Ist es bewusstlos, legst du es flach auf die Seite und drehst den Kopf so, dass Erbrochenes und Speichel aus dem Maul laufen können.
Was du mitnimmst
Wenn möglich, sicherst du die Substanz, die das Tier aufgenommen hat, und nimmst sie mit zum Tierarzt. Das hilft bei der Einschätzung. Notiere außerdem, wann das Tier das Material aufgenommen haben könnte und wie viel ungefähr. Wenn du dich nicht sicher bist, sag es der Tierarztpraxis genau so. Sag der Praxis offen, was das Tier aufgenommen haben könnte, damit sie die Lage richtig einschätzen kann.
Symptome beobachten und ernst nehmen
Die Symptome können bei Tieren unterschiedlich sein und sind schwer selbst einzuordnen. Auffällige Müdigkeit, Unruhe, Zittern oder Erbrechen sind Gründe, sofort eine Tierärztin oder einen Tierarzt zu kontaktieren. Warte nicht ab, bis sich das Tier erholt. Ob ein Tier gefährdet ist, entscheidet im Einzelfall die Tierärztin oder der Tierarzt, nicht der Eindruck am Telefon.
Schutz für den Alltag
Sprich mit Mitbewohnerinnen, Mitbewohnern und Besuch über die Regeln rund um Pflanzen und Tiere. Wer Gäste mit Hunden oder Katzen hat, sollte den Anbauraum dicht halten. Eine Notfallnummer der Tierarztpraxis hängst du gut sichtbar auf. Die Verantwortung für die Sicherung liegt bei dir als Anbauenden. Wie du den Zugang insgesamt regelst, zeigt der Artikel zur Sicherung vor Kindern, der sich auch auf Tiere übertragen lässt.
Wann du Hilfe holst
Bei Fragen zur Sicherung im Mietverhältnis, etwa wenn ein Tier im Haus gehalten wird, hilft der Mieterverein. Den Gesundheitsschutz für Menschen im Haushalt beschreibt der Ratgeber zu den Gesundheitsschutzregeln für den Eigenanbau. Bei einem akuten Verdacht gilt der Weg zur Tierarztpraxis vor allen anderen Schritten.
Verhaltensregeln für den Alltag mit Tieren
Wer Tiere im Haus hat, sollte Pflanzenteile wie Müll behandeln: sofort verschließen und nicht offen liegen lassen. Auch Pflanzen auf dem Balkon sind für Tiere erreichbar, wenn sie nicht gesichert sind. Achte darauf, dass Hunde beim Spaziergang keine Reste auf der Straße oder im Gebüsch finden, und kontrolliere den Balkon vor dem Zutritt. Kleine Gewohnheiten wie das Schließen von Türen und Deckeln verhindern viele Probleme.
Besuch mit Tieren
Kommen Gäste mit Hunden oder Katzen, sollte der Anbauraum geschlossen sein. Sprich vorher mit den Gästen, damit das Tier nicht unbeaufsichtigt in den Bereich gelangt. Kinder mit Haustieren brauchen dieselben Regeln, denn Tiere und Kinder bewegen sich gemeinsam durch die Wohnung. Wie du den Zugang für Kinder regelst, erklärt der Artikel zu Kinderbesuch in der Wohnung.
Notfallnummer griffbereit halten
Lege die Nummer der Tierarztpraxis und eines tierärztlichen Notdienstes griffbereit ab, zum Beispiel am Telefon oder an der Kühlschranktür. Im Notfall verlierst du dann keine Zeit mit der Suche. Notiere außerdem, welche Tierart du hast, wie alt sie ist und ob sie Vorerkrankungen hat. Diese Angaben braucht die Praxis bei einem Anruf.
Warum du nicht abwarten solltest
Viele Halterinnen und Halter warten, ob das Tier sich erholt. Die Bundestierärztekammer rät aber, so schnell wie möglich einen Tierarzt aufzusuchen. Wer abwartet, verliert wertvolle Zeit. Wenn du unsicher bist, ob etwas passiert ist, rufst du lieber einmal zu viel an. Die Praxis entscheidet dann, ob ein Besuch nötig ist.
Gefahren im Außenbereich
Auch im Außenbereich gilt Vorsicht. Pflanzen auf dem Balkon oder im Garten sind für Hunde und Katzen erreichbar, wenn sie nicht gesichert sind. Lagere Reste nicht im Freien, wo Tiere sie finden können. Der Artikel zum Eigenanbau auf dem Balkon behandelt die Lage im Außenbereich ausführlicher.
Häufige Fragen
Was tun, wenn der Hund Cannabis gefressen hat?
Rufe sofort eine Tierarztpraxis oder einen tierärztlichen Notdienst an und fahr dann direkt hin. Bring die Substanz oder Reste mit, wenn du sie sichern kannst. Bringe das Tier nicht selbst zum Erbrechen und gib keine Milch oder Öl. Die Tierärztin oder der Tierarzt entscheidet, welche Behandlung nötig ist.