Welche Selbsthilfegruppen gibt es für Cannabis-Patienten?
Der Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. (BDCan) bietet für Menschen mit einer Verordnung von Medizinalcannabis Selbsthilfegruppen an. Auf seiner Website nennt er zwei deutschlandweite Online-Gruppen und zwei lokale Gruppen in Essen und Oberhausen. Eine Behandlung ersetzen Selbsthilfegruppen nicht. Zu Ablauf, Voraussetzungen und Teilnehmerkreis der einzelnen Gruppen macht die BDCan-Seite keine näheren Angaben, die wir hier wiedergeben könnten.
Die Online-Gruppen des BDCan
Deutschlandweit gibt es zwei Angebote. Der BDCan führt die Online-Selbsthilfegruppe „Cannabis als Medizin“ und die Online-Selbsthilfegruppe „ADHS und Cannabinoide“ auf. Weil beide online stattfinden, bist du nicht an einen Ort gebunden. Wer teilnehmen kann und wie die Treffen ablaufen, steht in den Angaben zur jeweiligen Gruppe beim BDCan.
Eine Online-Gruppe ist eine Möglichkeit, wenn in deiner Nähe keine Gruppe stattfindet.
Die Gruppen vor Ort
Der BDCan führt lokale Gruppen in Essen und in Oberhausen auf, jeweils unter dem Namen „Cannabis als Medizin“. Wer in einer anderen Stadt wohnt, findet über die Website des BDCan den aktuellen Stand und kann dort nachfragen. Ob Ort und Zeit für dich passen, prüfst du vor dem ersten Besuch.
Bei einem Treffen vor Ort lohnt es sich, folgende Punkte vorher zu klären:
- Wann und wo das Treffen stattfindet und ob du dich vorher anmelden musst
- ob die Gruppe offen für Neue ist oder nur für feste Mitglieder
- welche Themen dort typischerweise besprochen werden
- wie mit vertraulichen Angaben umgegangen wird
Was eine Selbsthilfegruppe leisten kann
In einer Selbsthilfegruppe tauschen sich Betroffene über ihre Erfahrungen aus, zum Beispiel zur Verordnung, zur Krankenkasse oder zum Führerschein. Ein Austausch über den Umgang mit der Krankenkasse oder mit Behörden ersetzt aber keine Rechtsberatung. Bei konkreten Rechtsfragen gilt: Gerichte entscheiden im Einzelfall, eine Fachanwältin oder ein Fachanwalt kann das einordnen.
Wichtig ist auch die Grenze. Erfahrungen anderer Betroffener sind nicht dasselbe wie eine ärztliche Empfehlung. Was in der Gruppe funktioniert hat, muss für deine Erkrankung und deine Dosierung nicht passen. Besprich Veränderungen immer zuerst mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Wie du Kontakt aufnimmst
Für eine Online-Gruppe meldest du dich über die Website des BDCan an. Für eine Gruppe vor Ort suchst du den passenden Eintrag auf derselben Seite und nimmst Kontakt über die dort genannten Angaben auf. Welche Angaben der BDCan für die Teilnahme verlangt, steht bei der jeweiligen Gruppe.
Ob eine Gruppe zu dir passt, merkst du am besten bei einem ersten Treffen. Nimm Fragen mit, die du danach in der Praxis klären willst, und lass Hinweise anderer Betroffener dort immer überprüfen, bevor du etwas an deiner Behandlung änderst.
Ergänzende Anlaufstellen
Die Arbeitsgemeinschaft Cannabis als Medizin (ACM) nennt auf ihrer Website ein Patiententelefon unter 0800 022 6622, freitags von 11:00 bis 13:00 und von 14:00 bis 16:00 Uhr. Wenn du Fragen zur Behandlung hast, die kein Austausch unter Betroffenen beantwortet, ist die Praxis die richtige Stelle. Die Unabhängige Patientenberatung berät nach eigenen Angaben zu Krankenversicherung, Patientenrechten und Arzneimitteln (siehe Bietet die Unabhängige Patientenberatung Hilfe zu Cannabis?).
Neben den Selbsthilfegruppen gibt es weitere Stellen für Fragen zur Verordnung. Die ACM betreibt ein Patiententelefon für allgemeine Auskünfte. Den Weg dorthin beschreibt der Artikel Gibt es ein Patiententelefon für Medizinalcannabis?. Fragen zu Nebenwirkungen oder zur Einnahme klärst du mit der Praxis. Wenn es um den Führerschein geht, hilft der Artikel Entzieht die Behörde den Führerschein bei Medizinalcannabis? beim Einordnen der Fragen.
Prävention und Wohlbefinden
Eine Selbsthilfegruppe kann dir helfen, deine Behandlung offener zu besprechen. Sie ist aber kein Ersatz für Notfallhilfe. Wenn du dich stark belastet fühlst oder an Suizid denkst, wende dich sofort an deine Ärztin oder deinen Arzt, an den Notruf 112 oder an eine Stelle der Krisenhilfe in deiner Nähe.
Deine nächsten Schritte
- Schau auf der Website des BDCan nach, welche Gruppe zu dir passt.
- Melde dich für eine Online-Gruppe an oder kontaktiere die lokale Gruppe in deiner Nähe.
- Nimm nach dem ersten Treffen die offenen Fragen mit in deine Praxis.
Einen Überblick über den Themenbereich gibt die Seite Medizinalcannabis. Wer die rechtliche Seite der Verordnung klären will, liest den Artikel Wer darf Medizinalcannabis verschreiben?.
Häufige Fragen
Welche Selbsthilfegruppen für Cannabis-Patienten gibt es in Deutschland?
Der Bund Deutscher Cannabis-Patienten e.V. nennt auf seiner Website zwei Online-Gruppen, „Cannabis als Medizin“ und „ADHS und Cannabinoide“. Außerdem gibt es lokale Gruppen in Essen und Oberhausen. Den aktuellen Stand und die Kontaktwege findest du auf der Website des BDCan, weil sich Gruppen ändern können.
Kann ich an einer Online-Selbsthilfegruppe auch ohne feste Verordnung teilnehmen?
Ob eine Teilnahme ohne Verordnung möglich ist, geben wir nicht an, weil wir es nicht geprüft haben. Vor dem Beitritt klärst du auf der Website des BDCan oder direkt beim Verband, welche Voraussetzungen für deine Gruppe gelten. Eine Selbsthilfegruppe ersetzt auch in diesem Fall keine ärztliche Beratung.
Ersetzt eine Selbsthilfegruppe die Beratung durch die Ärztin oder den Arzt?
Nein. Erfahrungen anderer Betroffener sind hilfreich, aber sie ersetzen keine ärztliche Empfehlung. Dosierungen, Änderungen und Nebenwirkungen besprichst du mit deiner Praxis. Die Gruppe hilft beim Austausch und beim Einordnen von Informationen, nicht bei der Behandlung selbst.