Wird Cannabis als Stressabbau zum Problem?
Manche Menschen greifen nach einem anstrengenden Tag zu Cannabis, um abzuschalten. Eine Online-Befragung mit über 800 Personen mit Cannabiserfahrung zeigt, dass belastende Lebensereignisse mit kiffbedingten Problemen zusammenhängen. Problematisch wird es, wenn der Konsum zur Hauptstrategie gegen Stress wird. Dann verschwinden die Belastungen nicht, und der Umgang mit ihnen verändert sich. Wer das früh bemerkt, kann gegensteuern.
Was Stress mit dem Konsum zu tun hat
Stress ist eine körperliche und seelische Reaktion auf belastende Situationen. Belastende Lebensereignisse, etwa Trennungen, Jobverlust oder Konflikte in der Familie, lösen Stress aus. Menschen reagieren darauf sehr unterschiedlich. Die Art, wie jemand mit Gefühlen umgeht, entscheidet dabei oft, ob er zu einem Mittel greift.
Eine Online-Befragung unter über 800 Personen mit Cannabiserfahrung hat diesen Zusammenhang untersucht. Die Auswertung zeigt, dass Personen mit mehr belastenden Lebensereignissen häufiger über kiffbedingte Probleme berichteten, etwa über Konflikte, Jobverlust oder Antriebslosigkeit. Der Zusammenhang war stärker, wenn die Befragten Schwierigkeiten im Umgang mit ihren Gefühlen angaben. Eine Ursache-Wirkung belegt die Studie nicht.
Betäuben oder Verarbeiten
Die Forschenden deuten Kiffen bei Stress so, dass Gefühle eher betäubt werden, als sie verarbeitet werden. Diese Deutung beruht auf dem Zusammenhang, den die Befragung zeigt. Sie beschreibt keine direkt gemessene Kausalität. Aus Sicht der Forschenden ist Kiffen als Reaktion auf Stress oder Ärger kein gesunder Umgang mit Emotionen.
Die körperliche Seite
Die Forschenden vermuten außerdem, dass dauerhafter Konsum stressbezogene hormonelle Prozesse beeinflussen kann. Konsumierende würden dann weniger angemessen auf Stress reagieren. Die Befragung selbst prüft diesen Mechanismus nicht. Die Vermutung zeigt aber, warum Stress und Konsum zusammenhängen könnten.
Ob der Konsum Ursache oder Folge ist
Eine wichtige Frage lautet, ob Cannabis Stress verursacht oder ob Menschen unter Stress häufiger zu Cannabis greifen. Die Studie kann diese Frage nicht beantworten. Beide Richtungen sind möglich. Es wäre daher falsch, eine einfache Erklärung anzubieten. Für den Alltag zählt, ob der Konsum Probleme verursacht, und das lässt sich selbst beobachten.
Wer das beobachten will, kann auf Veränderungen achten: mehr Konsum an stressigen Tagen, Rückzug, Schlafprobleme oder Streit mit dem Umfeld. Solche Anzeichen sind ein Grund, die eigene Lage ernst zu nehmen.
Warum psychische Abhängigkeit hier eine Rolle spielt
Die psychische Abhängigkeit zeigt sich vor allem im starken Verlangen, Cannabis zu konsumieren. Die Schweizer Fachstelle Sucht Schweiz beschreibt dieses Verlangen als zentrales Merkmal. Das Verlangen kann dazu beitragen, dass der Griff zum Cannabis bei Stress zur Gewohnheit wird.
Der Beitrag Macht Cannabis psychisch abhängig? erklärt diese Mechanismen ausführlicher.
Andere Wege mit Stress umzugehen
Wer Stress besser bewältigen möchte, kann mit kleinen Schritten beginnen. Ein fester Feierabend, ein Spaziergang, ein Gespräch mit einer vertrauten Person oder das Aufschreiben von Gedanken sind Beispiele. Welche Methode wirkt, muss man ausprobieren. Wichtig ist, dass der Ersatz nicht nur auf dem Papier steht und im Alltag funktioniert.
- Stressauslöser notieren: Wann und wo entsteht der Druck?
- Eine Alternative festlegen, die in dieser Situation sofort möglich ist.
- Nach einer Woche prüfen, welche Alternative geholfen hat.
- Bei anhaltendem Druck eine Beratung einplanen.
Stress im Körper und im Kopf
Stress zeigt sich im Körper: Herzschlag, Schlaf und Anspannung verändern sich. Wer unter Stress zu Cannabis greift, sollte deshalb auch körperliche Warnzeichen ernst nehmen. Wenn Beschwerden bleiben oder zunehmen, ist eine ärztliche Abklärung der richtige Schritt.
Im Kopf kann sich der Konsum mit dem Gefühl von Entlastung verbinden. Dann kann der Griff zum Cannabis bei Stress automatisch werden. Wer sie erkennt, kann sie gezielt unterbrechen, etwa indem er vor dem Konsum innehält und sich fragt, welches Gefühl gerade da ist.
Wichtig ist außerdem, Pausen vom Konsum bewusst zu planen. Eine Woche ohne Konsum zeigt, wie stark das Verlangen ist, wenn der Griff zum Cannabis fehlt. Diese Erfahrung ist aufschlussreich, auch wenn sie unangenehm sein kann.
Wann Hilfe sinnvoll ist
Wenn der Konsum bei Stress zunimmt und andere Wege nicht mehr helfen, lohnt sich ein Gespräch mit einer Fachkraft. Die DigiSucht bietet nach eigenen Angaben anonym und kostenlos Kontakt zu Beratenden an. Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 erreichbar (täglich von 8 bis 24 Uhr, kostenpflichtig). Mehr zur Schwelle zur Beratung steht im Beitrag Wann ist professionelle Hilfe bei Cannabis sinnvoll?.
Häufige Fragen
Ist Kiffen gegen Stress eine gute Idee?
Eine Befragung mit über 800 Personen mit Cannabiserfahrung fand einen Zusammenhang zwischen belastenden Lebensereignissen und kiffbedingten Problemen, vor allem bei Schwierigkeiten im Umgang mit Gefühlen. Die Forschenden sehen Kiffen bei Stress nicht als gesunden Umgang mit Emotionen. Ursache und Wirkung bleiben offen. Wer Stress regelmäßig mit Cannabis begegnet, sollte sich beraten lassen.
Wo bekomme ich Hilfe, wenn Stress und Konsum zusammenhängen?
Die DigiSucht bietet nach eigenen Angaben anonym und kostenlos Kontakt zu Beraterinnen und Beratern. Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 erreichbar (täglich von 8 bis 24 Uhr, kostenpflichtig).