Sind Eltern schuld, wenn das Kind kifft?
Viele Eltern fragen sich, was sie falsch gemacht haben, wenn ihr Kind Cannabis konsumiert. Eine pauschale Schuld der Eltern lässt sich nicht belegen. Die BIÖG nennt viele mögliche Gründe, warum Jugendliche kiffen, und von außen lässt sich kaum sagen, ob ein einzelner Fehler dahintersteckt. Schuldgefühle helfen dem Kind nicht weiter. Dieser Beitrag zeigt, wie Eltern sie sortieren und wieder handlungsfähig werden.
Warum Jugendliche kiffen: viele mögliche Gründe
Die BIÖG nennt als mögliche Gründe: Probleme und Überforderung in der Schule oder Ausbildung, Streit im Freundeskreis oder mit dem Partner, andere psychische Belastungen wie depressive Verstimmungen oder Ängste, ein Freundeskreis, in dem auch Drogen konsumiert werden, und Streit innerhalb der Familie, zum Beispiel durch eine Trennung der Eltern. Dazu kommt die Neugier: Jugendliche testen Grenzen, und oft bleibt es beim Ausprobieren. Familienstreit steht in dieser Liste neben vielen anderen Gründen. Welcher Grund bei deinem Kind eine Rolle spielt, lässt sich nur im Gespräch klären.
Die BIÖG weist außerdem darauf hin, dass Jugendliche durch Vorbilder lernen und dass der eigene Umgang der Eltern mit Alkohol, Tabak oder Cannabis wahrgenommen wird. Daraus folgt für Eltern, den eigenen Umgang zu überdenken, ohne sich Vorwürfe zu machen.
Dazu gehört auch, dass Jugendliche selbst Entscheidungen treffen. Eltern beeinflussen das Umfeld, aber nicht jede Entscheidung des Kindes. Diese Einsicht entlastet, ohne die Verantwortung für Gespräche und Grenzen wegzunehmen.
Schuld und Verantwortung trennen
Verantwortung bedeutet, Gespräche zu führen, Grenzen klar zu setzen und Hilfe zu holen. Schuld im Sinne von Verurteilung bringt dagegen wenig. Wer sich selbst Vorwürfe macht, redet oft weniger offen mit dem Kind, und genau das braucht das Kind jetzt.
Ein hilfreicher Satz für sich selbst lautet: Ich habe Verantwortung für den nächsten Schritt, nicht für alles, was bisher passiert ist. Dieser Blick erlaubt, konkret zu handeln.
Was Eltern jetzt tun können
- Den eigenen Blick sortieren: Was weiß ich sicher, was vermute ich nur?
- Ein ruhiges Gespräch suchen, in dem das Kind erzählen darf.
- Grenzen benennen und erklären, warum sie gelten.
- Den Partner oder die Partnerin einbeziehen, damit beide dieselbe Linie vertreten.
- Hilfe holen, bevor die Lage festgefahren ist.
Eltern müssen nicht alles auf einmal lösen. Ein erster Schritt kann ein Anruf bei einer Beratung sein.
Warnzeichen ernst nehmen, ohne Panik
Warnzeichen sollte man ernst nehmen, aber nicht jedes Zeichen als Beweis werten. Laut drugcom liegt eine Abhängigkeit vor, wenn mindestens zwei Merkmale innerhalb von 12 Monaten zutreffen. Entscheidend sind außerdem negative Folgen, nicht allein die Menge. Wenn Schule, Freundschaften oder Gesundheit leiden, ist das ein klares Signal, das Gespräch zu suchen.
Kinder reagieren auf Panik oft mit Rückzug. Ruhe und Klarheit wirken dagegen stabilisierend, auch wenn das Gespräch schwer ist.
Gefühle benennen
Schuld, Scham und Wut gehören zu den typischen Gefühlen von Eltern, deren Kind konsumiert. Sie anzuerkennen ist der erste Schritt, bevor man handelt. Wer die Gefühle benennt, kann sie besser von dem trennen, was zu tun ist. Ein Tagebuch oder ein Gespräch mit einer vertrauten Person hilft dabei.
Scham führt oft dazu, dass Eltern schweigen. Dieses Schweigen macht die Lage für das Kind schwerer, weil es mit seinen Sorgen allein bleibt. Ein offenes Wort über die eigenen Gefühle kann dem Kind zeigen, dass es über Probleme sprechen darf.
Was du deinem Kind sagen kannst
Ein Satz wie „Ich mache mir Sorgen, und ich bin für dich da“ verbindet Zuwendung und Klarheit. Vermeide Sätze, die dem Kind die Schuld an deinen Gefühlen geben. Ergänze eine konkrete Frage: Wie geht es dir damit gerade?
Wenn du eine Grenze setzt, erkläre, warum sie gilt. Erklärte Grenzen werden eher akzeptiert als verhängte. Das gilt besonders dann, wenn das Kind ohnehin verunsichert ist.
Sich selbst schützen
- Eigene Pausen fest einplanen und nicht nur bei Krisen.
- Mit einer vertrauten Person über die Sorgen sprechen.
- Eine Beratung suchen, wenn der Druck anhält.
- Nicht alles allein tragen und den Partner oder die Partnerin einbeziehen.
Eltern, die auf sich achten, können dem Kind verlässlichen Halt geben. Das gehört zur Verantwortung dazu.
Erste Schritte anerkennen
Manchmal hilft ein Blick auf das, was man in den vergangenen Monaten schon getan hat. Viele Eltern haben Gespräche geführt, Regeln vereinbart und Hilfe gesucht, bevor sie den Mut hatten, offen darüber zu sprechen. Diese Schritte zählen, auch wenn sie nicht sofort sichtbar sind. Sie zeigen dem Kind, dass die Familie sich kümmert.
Hilfe für Eltern
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist unter 0800 111 0 550 erreichbar. Die Sucht & Drogen Hotline ist unter 01806 313031 zu erreichen. Beide Angebote helfen, wenn du nicht weißt, wie du das Gespräch beginnen sollst. Sie ersetzen aber keine ärztliche Behandlung, wenn bereits gesundheitliche Probleme bestehen.
Der Beitrag zu den ersten Schritten bei vermutetem Konsum gibt eine Reihenfolge vor. Wer das Thema allein nicht tragen will, findet im Beitrag zu Selbsthilfe für Angehörige weitere Wege.
Häufige Fragen
Sind Eltern schuld, wenn ihr Kind Cannabis konsumiert?
Eine pauschale Schuld lässt sich nicht belegen. Die BIÖG nennt viele mögliche Gründe, warum Jugendliche kiffen, darunter Schule, Freundeskreis, psychische Belastungen und Streit in der Familie. Eltern können jetzt das Gespräch suchen und Beratung nutzen, zum Beispiel über das Elterntelefon unter 0800 111 0 550.