Welche Abstinenznachweise verlangt die MPU bei Cannabis?
Ob bei einer MPU nach Cannabis ein Abstinenznachweis nötig ist, hängt vom Einzelfall ab. Die Fahrerlaubnisbehörde legt in der Anordnung fest, welche Fragen das Gutachten klären soll (§ 11 Abs. 6 FeV). Nach Anlage 4 FeV Nr. 9.2.2 ist die Eignung nach Beendigung eines Cannabismissbrauchs gegeben, „wenn die Änderung des Cannabiskonsumverhaltens gefestigt ist“. Nach einer Abhängigkeit (Nr. 9.2.4) verlangt die Anlage „in der Regel ein Jahr Abstinenz“. Welche Probenart und welchen Zeitraum die Begutachtungsstelle fordert, erfährst du von ihr.
Was genau ist ein Abstinenznachweis?
Ein Abstinenznachweis ist ein Dokument aus einem Labor. Das Labor untersucht eine Probe auf Abbauprodukte von THC, dem Wirkstoff im Cannabis. Der Bericht sagt, ob diese Stoffe gefunden wurden oder nicht. Bei einer einzelnen Probe ist das eine Momentaufnahme, bei einer Serie eine Reihe solcher Momentaufnahmen.
Ein einzelner negativer Test beweist wenig über einen längeren Zeitraum. Deshalb arbeiten Begutachtungsstellen häufig mit mehreren Proben über einen festgelegten Zeitraum. Je nach Programm können Proben auch kurzfristig angefordert werden. Das gehört zu den Punkten, die du vorab klären solltest.
Urintest: was er zeigt und was nicht
Der Urintest ist die bekannteste Methode. Er zeigt, dass Cannabis zuletzt konsumiert wurde. Er zeigt nicht, wie viel jemand konsumiert hat, und auch nicht, wie oft. Bei häufigem Konsum kann der Nachweis länger im Urin bleiben als bei gelegentlichem Konsum. Der genaue Zeitraum hängt von mehreren Faktoren ab, darunter Stoffwechsel und Häufigkeit des Konsums.
Zeiträume findest du im Netz oft in Tabellen von Anbietern. Eine amtliche Quelle dafür nennt dieser Beitrag nicht, deshalb stehen hier keine Tage oder Wochen. Verlass dich nicht auf eine Zahl aus einem Werbetext. Frag die Begutachtungsstelle nach dem Zeitraum, den sie für deinen Fall verlangt.
Haarprobe: der längere Blick zurück
Die Haaranalyse reicht weiter zurück als der Urintest. Dafür entnimmt ein Fachbetrieb eine Haarprobe am Kopf, meist eine Strähne nahe der Kopfhaut. Im Labor wird das Haar auf Cannabisstoffe untersucht, die sich beim Wachsen eingelagert haben. Mehr zu diesem Verfahren steht im Artikel Wie weit zurück weist eine Haarprobe Cannabis nach?.
Wichtig ist die Haarlänge. Viele Stellen verlangen eine Mindestlänge, damit der gewünschte Zeitraum abgedeckt ist. Wie lang das Haar sein muss, unterscheidet sich je nach Anbieter. Wenn du kurze Haare hast, frag früh nach, ob eine andere Probenart in Frage kommt.
Wie du den Nachweis richtig organisierst
Die Begutachtungsstelle nennt dir in der Regel, welche Nachweise sie braucht, in welchem Zeitraum und bei welcher Stelle. Lass dir das schriftlich geben. Bevor du Geld für eine Probe ausgibst, prüfe, ob das Labor und die Abnahmestelle von der Begutachtungsstelle akzeptiert werden. Ein Nachweis, den die Stelle nicht anerkennt, hilft dir nicht weiter.
- Frag, welche Probenart verlangt wird und über welchen Zeitraum.
- Kläre, welches Labor und welche Abnahmestelle zugelassen sind.
- Trage alle Termine und Fristen in deinen Kalender ein.
- Bewahre jeden Laborbericht im Original auf und lege Kopien vor.
Ein Beispiel: wie die Planung aussehen kann
Stell dir vor, die Begutachtungsstelle verlangt Urinproben über mehrere Monate, und die Termine kommen unangekündigt. Wer nur an einem einzigen Tag testet, weiß nicht, ob er den Zeitraum sicher abdeckt. Wer so ein Programm durchläuft, legt sich deshalb am besten von Beginn an eine Liste mit Datum, Probenart und Laborbericht an. Bei Rückfragen spart das viel Zeit.
Warum ein sauberer Test allein oft nicht reicht
Der Abstinenznachweis ist ein Teil der Begutachtung, nicht die ganze Begutachtung. Die Stelle will außerdem wissen, wie du mit dem Konsum umgegangen bist und was du seither verändert hast. Ein negativer Test ohne Gespräch über den eigenen Konsum wirkt oft unvollständig.
Schon vor der Untersuchung lohnt es sich, zu klären, welche Fragen auf dich zukommen. Eine Beratung kann dir helfen, deine Gedanken zu ordnen. Unser Beitrag zur Vorbereitung auf die MPU zeigt, worauf du achten kannst.
Prävention: den eigenen Konsum ehrlich prüfen
Ein ehrlicher Blick auf das eigene Konsumverhalten gehört zur Vorbereitung. Wenn du merkst, dass du allein schwer davon wegkommst, such dir früh Hilfe bei einer Suchtberatungsstelle. Dort kannst du offen über deinen Konsum sprechen.
Wie ein Laborbericht aufgebaut sein sollte
Ein Laborbericht sollte mindestens Probenummer, Abnahmedatum, Labor, Methode und Ergebnis nennen. Ob die Begutachtungsstelle weitere Angaben verlangt, erfährst du von ihr. Kontrolliere den Bericht gleich nach Erhalt auf Namen, Daten und Probenummer und melde Fehler dem Labor, bevor du ihn einreichst.
Was bei einem auffälligen Befund zu tun ist
Ein auffälliger Befund während eines Programms ist ernst. Ruf die Begutachtungsstelle möglichst am selben Tag an und frag, wie es weitergeht. Eine rechtliche Beratung vor jeder schriftlichen Stellungnahme ist sinnvoll.
Was du jetzt konkret tun kannst
Lege die Unterlagen deiner Begutachtungsstelle und den Bescheid der Fahrerlaubnisbehörde nebeneinander. Prüfe, welcher Nachweis verlangt ist und bis wann er vorliegen muss. Bei Unklarheiten zu Zeiträumen oder zur Gültigkeit einer Probe hilft eine Anwältin oder ein Anwalt für Verkehrsrecht. Eine Rechtsberatung können wir an dieser Stelle nicht leisten.
Weitere Beiträge zu Führerschein, Kontrollen und Grenzwerten findest du im Bereich Straßenverkehr. Den Zusammenhang mit dem Grenzwert erklärt außerdem der Beitrag Was bedeutet der THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml?.
Häufige Fragen
Welcher Abstinenznachweis wird bei der MPU wegen Cannabis verlangt?
Verlangt die Begutachtungsstelle einen Nachweis, kommen häufig ein Urintest, eine Haaranalyse oder beides in Frage. Ob und welche Probenart in deinem Fall gilt, steht in der Aufforderung oder lässt sich bei der Stelle erfragen. Frag außerdem nach dem Zeitraum und nach den zugelassenen Laboren. Ein Nachweis aus einem nicht anerkannten Labor kann unbrauchbar sein.
Darf ich die Probe selbst bei einem Anbieter bestellen?
Das hängt davon ab, was deine Begutachtungsstelle akzeptiert. Manche Stellen nehmen nur Proben aus bestimmten Abnahmestellen an. Bevor du bezahlst, lass dir schriftlich bestätigen, welche Abnahme und welches Labor gelten. Bei Unsicherheit hilft eine Anwältin oder ein Anwalt für Verkehrsrecht. Eine verbindliche Auskunft geben wir hier nicht.