Wie läuft eine MPU bei Cannabis ab?
Vor der MPU haben viele den größten Respekt. Der Ablauf ist in der Fahrerlaubnis-Verordnung (FeV) in Grundzügen vorgegeben. Dieser Artikel beschreibt diese Vorgaben und zeigt, wie du dich sinnvoll vorbereitest. Details wie Termine, Dauer und einzelne Untersuchungsschritte bestimmt die Begutachtungsstelle, deshalb solltest du sie vorab erfragen.
Der Ablauf in Kürze
- Die Behörde ordnet das Gutachten an und nennt Fragen, Frist und mögliche Stellen (§ 11 Abs. 6 FeV).
- Du beauftragst eine Stelle und teilst der Behörde mit, welche es ist.
- Die Behörde übersendet der Stelle die Unterlagen und legt die Fragestellung fest.
- Die Stelle klärt dich über Gegenstand und Zweck der Untersuchung auf, untersucht und erstellt das Gutachten.
- Du bringst das Gutachten innerhalb der Frist bei (§ 11 Abs. 8 FeV).
Wer die Untersuchung durchführt
Die MPU ist ein Gutachten einer amtlich anerkannten Begutachtungsstelle für Fahreignung (§ 11 Abs. 3 FeV). Sie heißt medizinisch-psychologisch, weil sie medizinische Befunde mit einer psychologischen Beurteilung verbindet. Die Untersuchung erfolgt auf Grund eines Auftrags durch dich, und du trägst die Kosten (§ 11 Abs. 6 FeV). Anbieter, die auf die Begutachtung vorbereiten oder Kurse anbieten, dürfen nach Anlage 4a Nr. 5 FeV nicht selbst begutachten.
Was untersucht wird
Die Untersuchung ist anlassbezogen und stützt sich auf die Unterlagen der Behörde. Der Gutachter hält sich an ihre Fragestellung (Anlage 4a Nr. 1 Buchstabe a). Untersucht werden nur Eigenschaften, Fähigkeiten und Verhaltensweisen, die für die Kraftfahreignung von Bedeutung sind (Buchstabe b). Deine gesamte Persönlichkeit ist nicht Gegenstand. In den Fällen der §§ 13, 13a und 14 FeV geht es auch um dein voraussichtliches künftiges Verhalten, insbesondere darum, ob zu erwarten ist, dass du nicht mehr unter Cannabiseinfluss ein Kraftfahrzeug führst (Buchstabe f). Hat eine Abhängigkeit vorgelegen, muss sich die Untersuchung auf eine stabile Abstinenz erstrecken.
Welche Befunde und Proben die Stelle im Einzelfall verlangt, teilt sie dir mit. Frag vorab, was zum Termin gehört und welche Folgen eine Weigerung hat.
Das Gespräch
Im Gespräch geht es um den Konsum, seine Gründe und die Veränderung seither. Entscheidend ist, dass du nachvollziehbar darlegst, wie du Konsum und Straßenverkehr trennst. Ausweichende Antworten und Kleinreden führen oft zu genaueren Nachfragen. Nenne konkrete Veränderungen im Alltag, etwa bei Routinen, Umfeld und Fahrtplanung, und halte deine Angaben mit den Unterlagen deckungsgleich. Auf das Gespräch bereitet der Artikel Was passiert im psychologischen Gespräch der MPU? vor.
Das Gutachten
Das Gutachten muss in allgemeinverständlicher Sprache abgefasst sowie nachvollziehbar und nachprüfbar sein. Es muss die Untersuchungsverfahren angeben und zwischen Vorgeschichte und gegenwärtigem Befund unterscheiden (Anlage 4a Nr. 2). Bringst du es nicht fristgerecht bei, darf die Behörde auf Nichteignung schließen (§ 11 Abs. 8 FeV). Wie das Gutachten zur Behörde gelangt, klärst du vor der Beauftragung mit der Stelle. Besprich das Ergebnis mit einer Anwältin oder einem Anwalt, bevor du auf einen Bescheid reagierst.
So bereitest du dich vor
- Schreib deinen Konsum ehrlich auf, mit Häufigkeit, Menge und Gründen.
- Kläre mit Behörde und Stelle, welche Abstinenznachweise verlangt werden. Die Einzelheiten erklärt der Artikel zu Abstinenznachweisen.
- Bring alle Unterlagen vollständig mit und halte die Termine ein.
- Nutze bei Bedarf eine Beratung. Dazu passt der Artikel zur MPU-Vorbereitung.
Was du zum Termin mitbringen solltest
Wichtige Unterlagen sind der Personalausweis, die Anordnung der Behörde und alle Nachweise, die du vorab eingereicht hast. Befunde müssen im Original vorliegen und unterschrieben sein (Anlage 4a Nr. 6 Buchstabe a). Ob weitere Unterlagen gefordert sind, erfährst du von der Stelle. Eine Checkliste aus der Terminbestätigung hilft, nichts zu vergessen.
Ehrlichkeit zählt mehr als eine glatte Fassade
Viele Teilnehmende fürchten, dass eine kleine Unsicherheit alles zunichtemacht. Die Begutachtung betrachtet aber das voraussichtliche künftige Verhalten. Wer Fehler offen benennt und zeigt, welche Folgen er gezogen hat, liefert dafür die nachvollziehbarere Grundlage als jemand, der eine glatte Geschichte erzählt. Wer eine Frage nicht versteht, sagt das offen.
Was du jetzt tun kannst
- Frag die Begutachtungsstelle nach Terminen, Unterlagen und dem genauen Ablauf.
- Kläre mit einer Anwältin oder einem Anwalt, welche Fragen auf dich zukommen können.
- Wenn der Konsum dich beschäftigt, nutz eine Beratungsstelle vor Ort.
Häufige Fragen
Wie lange dauert eine MPU?
Die Dauer hängt von der Begutachtungsstelle und dem Umfang der Untersuchung ab. Die Fahrerlaubnis-Verordnung nennt keine Dauer. Frag bei der Stelle nach und plane den Tag großzügig.
Wird bei der MPU Blut abgenommen?
Welche Befunde und Proben nötig sind, legt die Stelle auf Grundlage der Fragestellung der Behörde fest. Frag vorab, welche Probe verlangt wird und welche Folgen eine Weigerung hätte. Nach § 11 Abs. 8 FeV darf die Behörde auf Nichteignung schließen, wenn du dich weigerst, dich untersuchen zu lassen.
Darf ich zur MPU jemanden mitnehmen?
Ob eine Begleitperson mitkommen darf, klärt die Begutachtungsstelle vorab. Vorbereiten kann dich eine Anwältin oder ein Anwalt für Verkehrsrecht oder eine Beratungsstelle. Beachte, dass Anbieter von Vorbereitung nach Anlage 4a Nr. 5 FeV nicht selbst begutachten dürfen.