Wie stärkt man Selbstwert und Freizeit als Schutz?
Selbstwert und eine Freizeit, die Spaß macht, gelten als wichtige Stützen im Jugendalter. Eltern können beides fördern, ohne ständig zu kontrollieren. Dieser Beitrag erklärt, wie das im Alltag gelingt, und ordnet ein, was Studien zu Bewegung und Hirnleistung zeigen. Er zeigt auch, wo die Grenzen solcher Hinweise liegen.
Was Selbstwert im Jugendalter bedeutet
Selbstwert ist das Gefühl, etwas zu können und dazuzugehören. Jugendliche erleben ihn in der Schule, im Sport, in der Musik oder im Freundeskreis. Wer sich in einem Bereich kompetent fühlt, hat dort einen Ort, an dem er Erfolge erlebt. Das ist ein guter Ausgangspunkt für Gespräche über andere Bereiche. Mögliche Gründe, warum Jugendliche kiffen, sind laut BIÖG unter anderem Überforderung in Schule oder Ausbildung, Streit im Freundeskreis oder in der Familie und psychische Belastungen. Wer solche Belastungen früh bemerkt, kann unterstützen.
Selbstwert wächst über Erfolge, die das Kind selbst erarbeitet hat. Lob für Anstrengung kann glaubwürdiger wirken als Lob für das bloße Ergebnis. Wer Fehler als Teil des Lernens behandelt, gibt dem Kind Raum, Neues auszuprobieren.
Freizeit, die zum Kind passt
Freizeit tut dem Kind gut, wenn es sie gern hat. Ein Sportverein, eine Band, ein Jugendtreff oder eine Gruppe Gleichaltriger kann das leisten. Eltern helfen beim Ausprobieren, bezahlen den Beitrag und interessieren sich für die Sache. Wichtig ist, dass das Kind mitentscheidet, was es macht. Das BIÖG nennt als Faktoren, die das Gesundheitsrisiko erhöhen, unter anderem Kiffen, das in der Freizeit immer wichtiger wird, sodass Hobbys und Freundschaften vernachlässigt werden, und Kiffen, das helfen soll, schlechte Gefühle wie Angst oder Wut loszuwerden.
Eine kleine Studie gibt einen Hinweis, warum Bewegung für Menschen mit Ausstiegswunsch interessant ist. Sie umfasste 79 Teilnehmende, davon 37 mit wöchentlichem Konsum, und lief über drei Wochen. Laut drugcom zeigten die sportlich aktiven Konsumierenden deutlich bessere Hirnleistungen als die Konsumierenden ohne Sport. Die Studie ist klein, und sie zeigt keine Wirkung im Alltag. Sie liefert aber einen Grund, Bewegung in Ausstiegspläne einzubauen.
Beziehung als Rückhalt
Ein Kind, das sich verstanden fühlt, spricht eher über Probleme. Das gelingt vor allem dann, wenn Eltern zuhören, bevor sie bewerten. Wer den Freundeskreis kennt, weiß auch, welche Themen gerade wichtig sind. Gemeinsame Zeit ohne Handy schafft dafür Raum.
Eltern können kleine Rituale einführen, etwa ein wöchentliches Essen oder einen Spaziergang. Solche Momente machen es leichter, schwierige Themen anzusprechen, ohne dass es nach Verhör klingt.
Warnzeichen im Blick behalten
Wenn Freizeitinteressen wegbrechen, Noten absacken und Freundschaften wechseln, lohnt ein Gespräch. Das ist kein Beweis für Konsum, aber ein Anlass, genauer hinzusehen. Cannabis kann Konzentration und Gedächtnis stören, und Schulprobleme können sich verstärken. Die Wirkung hängt von Menge, Häufigkeit und Alter ab, die Risiken sind für Jugendliche besonders hoch.
Vier Alltagstipps für Familien
- Gemeinsame Zeit ohne Handy fest einplanen.
- Erfolge benennen, nicht nur Fehler.
- Den Freundeskreis kennenlernen, ohne ihn zu bewerten.
- Hobbys unterstützen, die das Kind selbst gewählt hat.
Prävention heißt hier, Lebensräume zu stärken. Das geht über Verbote hinaus und fängt im Alltag an.
Grenzen setzen und Wärme verbinden
Selbstwert wächst auch dort, wo Grenzen klar sind. Jugendliche brauchen Regeln, die verlässlich gelten und erklärt werden. Konsequenzen sollten vorher angekündigt und im Alltag umgesetzt werden. Wärme und Regeln schließen einander nicht aus.
Eltern können Regeln mit dem Kind besprechen. Wer bei der Festlegung mitreden darf, hält sich eher an die Absprache. Die Verantwortung bleibt dabei bei den Eltern. Diese Balance gelingt im Alltag nicht immer, und das ist normal.
Freunde und Gemeinschaft
Für Jugendliche sind Freundschaften zentral. Eltern können sie unterstützen, indem sie die Freundinnen und Freunde kennenlernen und Gastgeber für Treffen sind. Dabei hilft es, offen zu sagen, welche Regeln für Partys und Übernachtungen gelten.
Gemeinschaft entsteht auch in Vereinen, Musikgruppen oder Jugendtreffs. Dort erleben Jugendliche, dass sie gebraucht werden, und das stärkt das Selbstbewusstsein. Eltern können bei der Suche helfen, ohne die Wahl zu übernehmen.
Gute Momente bewusst machen
- Einmal pro Woche etwas gemeinsam unternehmen, das dem Kind wichtig ist.
- Nach Erfolgen konkret fragen: Was hat dir daran gefallen?
- Fehler mit einem Satz ansprechen, der nach vorn schaut.
- Nächste Schritte gemeinsam planen.
Solche Gewohnheiten wirken unscheinbar, machen Gespräche aber leichter, wenn es später schwierig wird.
Wohin du dich wenden kannst
Das Elterntelefon der Nummer gegen Kummer ist unter 0800 111 0 550 erreichbar. Bei Fragen zu Sucht und Drogen hilft die Sucht & Drogen Hotline unter 01806 313031, sie ist kostenpflichtig. Über den Beitrag zur Frage nach sinnvollen Familienregeln kannst du gemeinsame Absprachen vorbereiten. Mehr zur langfristigen Begleitung bietet der Artikel zu Begleitung über längere Zeit.
Häufige Fragen
Wie stärkt man als Elternteil den Selbstwert eines Jugendlichen?
Selbstwert wächst über Erfolge, die das Kind selbst erarbeitet. Eltern loben Anstrengung, benennen Erfolge und lassen das Kind mitentscheiden, welche Freizeit es hat. Gemeinsame Zeit ohne Handy schafft Raum für Gespräche, die Vertrauen aufbauen.