Was tun bei Depressionen während des Entzugs?
Wenn du während des Cannabis-Entzugs depressiv wirst, ist sofortige ärztliche oder psychotherapeutische Hilfe der richtige Schritt. Stimmungstiefs können beim Aufhören auftreten, und ob eine Depression dahintersteckt, klärt nur eine fachliche Untersuchung. Bis dahin hilft ein stabiler Alltag mit festen Zeiten, Schlaf, Bewegung und Kontakt zu Menschen, denen du vertraust.
Stimmung und Entzug: was zusammenpasst
Beim Aufhören verändert sich der Körper und der Kopf. Laut drugcom gehören zu den möglichen Entzugssymptomen unter anderem Reizbarkeit, Nervosität, Angst, Schlafprobleme, Unruhe und depressive Stimmung. Wie stark sie ausfallen, ist von Person zu Person sehr unterschiedlich. Diese Stimmungstiefs sind belastend, aber sie müssen nicht zwingend eine Depression sein. Genau das lässt sich nur mit einem Gespräch und einer Untersuchung klären.
Cannabis und seelische Gesundheit können zusammenhängen. Das BIÖG beschreibt einen statistischen Zusammenhang zwischen Cannabis und Psychosen. Ob das für dich zutrifft, lässt sich daraus nicht ableiten; es ist aber ein Grund, Warnzeichen ernst zu nehmen.
Warnzeichen, bei denen du sofort Hilfe holst
Es gibt Anzeichen, die keinen Aufschub erlauben. Sie betreffen deine Sicherheit, und dann zählt jeder Tag.
- Du denkst an Suizid oder daran, dir selbst zu schaden
- Du fühlst dich hoffnungslos, und die Stimmung wird über Tage schlechter
- Du hast Wahrnehmungsstörungen, Verfolgungsgedanken oder bist verwirrt
- Du kannst kaum noch schlafen, essen oder deinen Alltag bewältigen
- Du hast Angst, die Kontrolle zu verlieren
In dieser Situation wählst du den Notruf 112. Alternativ wendest du dich an die Telefonseelsorge oder an eine Vertrauensperson, die bei dir vorbeikommen kann. Warte nicht auf den nächsten Termin.
Ärztliche Hilfe: wen du ansprichst
Die Hausarztpraxis ist meist der erste Schritt. Dort kannst du den Konsum und die Stimmung ehrlich schildern. Die Ärztin oder der Arzt kann dich untersuchen, Warnzeichen einordnen und dich bei Bedarf an eine Fachstelle überweisen. Bei einer Depression sind Fachärztinnen und Fachärzte für Psychiatrie oder Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten passend. Bei Bedarf kann die Praxis an eine passende Fachstelle überweisen.
Im Gespräch hilft es, konkrete Beispiele zu nennen: Wie lange bestehen die Stimmungstiefs schon, wie schläfst du, wie viel konsumierst du und welche Medikamente nimmst du? Eine Übersicht zu Symptomen des Entzugs findet sich im Beitrag Welche Symptome hat der Cannabis-Entzug?.
Warum Medikamente nur nach Rücksprache
Manche Menschen greifen in dieser Phase zu rezeptfreien oder fremden Mitteln, um Schlaf oder Stimmung zu beeinflussen. Das ist riskant, weil sich Wirkungen verschiedener Substanzen gegenseitig verstärken können. Nimm Medikamente deshalb nur nach Absprache mit einer Ärztin oder einem Arzt. Erzähle dort auch, welche Substanzen du sonst noch nutzt.
Was du im Alltag selbst tun kannst
Dein Alltag kann dir in einer schweren Phase Halt geben. Kleine Routinen sind wichtiger als große Pläne. Diese Punkte helfen vielen Menschen:
- Feste Aufstehzeit und Schlafenszeit, auch am Wochenende
- Ein kurzer Spaziergang am Tag, bei Tageslicht
- Mindestens eine Verabredung pro Woche, auch wenn sie kurz ist
- Alkohol nicht als Ersatz nutzen und Mischkonsum ärztlich ansprechen
- Eine einfache Liste mit Aufgaben, die du an schwierigen Tagen schaffst
Schreib außerdem auf, woran du merkst, dass es schlechter wird. Dieses Frühwarnzeichen teilst du mit einer Vertrauensperson, damit sie es erkennt, wenn du es selbst nicht mehr siehst.
Umgang mit Rückschlägen
Ein Rückfall in den Konsum in einer Stimmungskrise ist verständlich, er verändert aber die Lage. Sprich ihn in der Beratung oder Behandlung an, damit der Plan angepasst werden kann. Wie du nach einem Rückfall weitermachst, erklärt der Beitrag Was tun nach einem Rückfall beim Cannabis?.
Angehörige einbeziehen
Eine Vertrauensperson kann dir in schweren Phasen helfen, Termine einzuhalten. Sie merkt manchmal früher als du, dass es schlechter wird. Besprich mit ihr, welche Zeichen für sie wichtig sind, und vereinbart, was sie tun darf, wenn du dich nicht mehr meldest. Diese Absprache solltest du in ruhigen Momenten treffen, nicht mitten in einer Krise.
Was eine Psychotherapie leisten kann
Psychotherapeutische Behandlung hilft, Stimmung, Gedanken und Verhalten gemeinsam zu betrachten. Im Mittelpunkt steht oft der Umgang mit Belastungen, mit Gefühlen und mit dem Wunsch nach Cannabis. Wie schnell ein Termin zustande kommt, hängt von Region und Praxis ab. Bei der Hausarztpraxis oder einer Beratungsstelle erfragst du, welche Wege es in deiner Nähe gibt.
Notfallplan schriftlich festhalten
Ein schriftlicher Notfallplan hilft dir, in einer Krise nicht lange überlegen zu müssen. Notiere, wen du anrufen kannst, welche Orte sich für dich sicher anfühlen und welche Schritte du gehst, wenn es kritisch wird. Der Notruf 112 gehört auf jede Liste, dazu die Kontaktdaten der Telefonseelsorge, die du auf telefonseelsorge.de findest. Bewahre den Plan dort auf, wo du ihn im Ernstfall findest.
Tagesstruktur bei Stimmungstiefs
In einer depressiven Phase fällt es schwer, den Tag zu planen. Kleine feste Anker helfen trotzdem: eine feste Aufstehzeit, eine Mahlzeit, die du bewusst einnimmst, und ein kurzer Spaziergang. Plane nur wenige Aufgaben pro Tag und hake sie ab, auch wenn sie klein sind. Das stabilisiert Abläufe, ohne dich zu überfordern.
Wenn Hilfe lange auf sich warten lässt
Termine bei Fachärztinnen oder Psychotherapeutinnen können auf sich warten lassen. Wenn du merkst, dass du so lange nicht warten kannst, sprich das bei der Hausarztpraxis an. Die Praxis kann die Lage einordnen und Wege zu weiterer Hilfe aufzeigen. Die Notrufnummern bleiben in jedem Fall erreichbar, auch wenn ein Termin noch aussteht.
Was du jetzt tun kannst
- Vereinbare einen Termin bei deiner Hausarztpraxis, wenn die Stimmung seit Wochen gedrückt ist.
- Sag einer Vertrauensperson, woran sie dich erkennen kann, wenn es dir schlechter geht.
- Plane eine feste Tagesstruktur mit Schlaf, Bewegung und einem Kontakt pro Tag.
- Bei Suizidgedanken oder akuter Krise wählst du sofort den Notruf 112.
Weitere Hilfe und Anlaufstellen findest du unter Hilfe und Beratung. Wenn Schlafprobleme den Entzug erschweren, hilft der Beitrag Welche Hilfe gibt es bei Schlafproblemen im Entzug? weiter.
Häufige Fragen
Ist eine Depression im Cannabis-Entzug normal?
Stimmungstiefs können beim Aufhören auftreten. Ob dahinter eine Depression steckt, klärt nur eine ärztliche oder psychotherapeutische Untersuchung. Warte nicht ab, wenn die Stimmung über Wochen gedrückt bleibt oder du dich hoffnungslos fühlst. Sprich das Thema offen an.
Wann muss ich bei Depressionen im Entzug sofort Hilfe holen?
Sofort Hilfe holst du bei Suizidgedanken, Selbstgefährdung oder akuter Verwirrtheit. Dann wählst du den Notruf 112. Bei starken Stimmungstiefs, die den Alltag lahmlegen, ist ein zeitnaher Termin bei der Hausarztpraxis oder einer Fachstelle der richtige Weg.
Darf ich Schlafmittel oder andere Medikamente nehmen?
Medikamente nimmst du nur nach ärztlicher Rücksprache. Erzähle der Ärztin oder dem Arzt, welche Substanzen du sonst noch nutzt, weil sich Wirkungen gegenseitig beeinflussen können. Rezeptfreie Mittel solltest du ebenfalls vorher besprechen.