Wie läuft die Blutentnahme nach einer Polizeikontrolle ab?
Nach einer Polizeikontrolle mit Verdacht auf Cannabiskonsum folgt häufig eine Blutprobe. Die Entnahme übernimmt üblicherweise eine Ärztin oder ein Arzt. Entscheidend ist danach die Untersuchung im Labor, denn sie misst die THC-Konzentration im Blutserum. Dieser Artikel beschreibt die Schritte, die Rolle des Ergebnisses und die Fragen, die du stellen kannst.
Wann wird eine Blutprobe genommen?
Eine Blutprobe kommt in Betracht, wenn ein Verdacht auf Beeinflussung durch Cannabis besteht. Dieser Verdacht kann sich aus dem Verhalten am Steuer, aus Auffälligkeiten bei der Kontrolle oder aus einem positiven Schnelltest ergeben. Der Schnelltest allein ist jedoch kein Beweis. Die Blutprobe liefert den Wert, an dem sich die Regel des § 24a StVG misst.
Was ein Schnelltest kann und was nicht, zeigt der Artikel zu den Folgen eines positiven Drogenschnelltests ausführlich.
Wie läuft die Entnahme ab?
Die Blutentnahme darf nur ein Arzt nach den Regeln der ärztlichen Kunst vornehmen (§ 81a Abs. 1 StPO). Im Bußgeldverfahren, das bei Verdacht nach § 24a StVG gilt, sind nach § 46 Abs. 4 OWiG nur Blutproben und geringfügige Eingriffe zulässig. Einer richterlichen Anordnung bedarf es dann nicht, wenn bestimmte Tatsachen den Verdacht einer Ordnungswidrigkeit nach § 24a StVG begründen. Wer unsicher ist, darf nachfragen, was gerade passiert und wozu die Probe dient. Der Ablauf vor Ort kann sich je nach Dienststelle unterscheiden. Der Artikel ersetzt keine Auskunft der zuständigen Stelle.
Was im Labor gemessen wird
Im Labor bestimmen Fachleute die Konzentration von THC im Blutserum. Serum ist der flüssige Teil des Bluts, aus dem die Blutzellen herausgetrennt wurden. Der Wert wird in Nanogramm pro Milliliter angegeben. Für die Ordnungswidrigkeit nach § 24a Abs. 1a StVG ist die Schwelle von 3,5 Nanogramm pro Milliliter oder mehr maßgeblich.
Cannabis steht nicht in der Liste der berauschenden Mittel in der Anlage zu § 24a StVG. Für THC gilt deshalb die Schwelle des Absatzes 1a. Kommt zum THC-Wert ein Alkoholverstoß hinzu, greift der eigene Tatbestand des Absatzes 2a. Ob unterhalb der Schwelle andere Vorschriften eine Rolle spielen, etwa zur Fahreignung, prüft die zuständige Stelle im Einzelfall. Den Grenzwert selbst erklärt der Artikel zum THC-Grenzwert von 3,5 ng/ml.
Was die Blutprobe nicht beantwortet
Die Blutprobe zeigt die Konzentration zum Zeitpunkt der Entnahme. Sie sagt nicht von selbst, wann konsumiert wurde. Ebenso wenig beschreibt sie die Wirkung, die in dem Moment geherrscht hat, als das Fahrzeug geführt wurde. Diese Lücke ist für viele Betroffene der wichtigste Punkt, den sie später mit einer Fachperson besprechen sollten.
Wie lange Cannabis im Blut nachweisbar bleibt, hängt von mehreren Faktoren ab. Eine feste Frist gibt es nicht. Mehr dazu im Artikel zur Nachweisdauer von THC im Blut.
Was du über die Dokumentation wissen solltest
Jede Probe wird dokumentiert, damit sie später eindeutig zugeordnet werden kann. Diese Dokumentation entscheidet mit darüber, welcher Befund am Ende vorliegt und wem er zugeordnet wird. Frag ruhig nach, wie die Probe gekennzeichnet wird, und lass dir die Angaben im Protokoll zeigen.
Notiere außerdem, wer die Entnahme durchgeführt hat und wann sie stattfand. Diese Angaben helfen einer Beratung später, den Vorgang nachzuvollziehen. Sie sind auch dann nützlich, wenn sich die Fragen erst Wochen danach ergeben.
Welche Rechte und Fragen du hast
Du darfst nachfragen, bevor du etwas unterschreibst. Lies Schreiben vollständig und frag nach, wenn ein Begriff unklar ist. Unterschreib nichts, was du nicht verstanden hast. Welche Rechte bei einer Kontrolle gelten, erklärt der Artikel zu den Rechten bei einer Polizeikontrolle wegen Drogen.
Wie lange dauert das Ergebnis?
Wie lange die Auswertung dauert, ist im Einzelfall unterschiedlich. Eine verlässliche Zahl kann dieser Artikel nicht nennen, weil sie vom Einzelfall und vom Verfahren abhängt. Wer Auskunft braucht, fragt bei der zuständigen Stelle nach dem Stand. Mehr zu diesem Punkt steht im Artikel zur Dauer der Blutuntersuchung nach einer Kontrolle.
Was du bei der Entnahme beachten kannst
- Sag der entnehmenden Person, wenn du Medikamente einnimmst, und nenne die Wirkstoffe, die du kennst.
- Erwähne gesundheitliche Beschwerden, zum Beispiel Kreislaufprobleme, bevor die Entnahme beginnt.
- Lass dir erklären, was als Nächstes passiert, und frag nach, wer das Ergebnis erhält.
- Zur Sache musst du dich nicht äußern: Der Beschuldigte wird darauf hingewiesen, dass es ihm freisteht, sich zu äußern oder nicht auszusagen (§ 136 StPO, im Bußgeldverfahren über § 46 OWiG).
Gerade der Hinweis auf Medikamente ist wichtig. Die Ausnahme nach § 24a Abs. 4 StVG knüpft an eine ärztliche Verschreibung für einen konkreten Krankheitsfall. Ohne einen Nachweis lässt sich die Ausnahme schwer belegen.
Wie Auswertung und Befund zusammenhängen
Die Probe wird nach der Entnahme ins Labor gegeben. Dort wird die Konzentration bestimmt und in einem Befund dokumentiert. Ein solcher Befund nennt in der Regel den gemessenen Wert und die Untersuchungsmethode. Diese Angaben solltest du lesen und nicht nur die größte Zahl beachten.
Ein Befund ist ein Dokument, keine Erklärung. Er zeigt, was gemessen wurde, aber nicht, welche Folgen sich daraus ergeben. Für diese Einordnung braucht es eine Anwältin, einen Anwalt oder eine Beratungsstelle, die den Befund gemeinsam mit dir durchgeht.
Was du in der Wartezeit tun kannst
- Schreib auf, was bei der Kontrolle passiert ist, solange du dich erinnerst. Uhrzeit, Ort und Gesprächsinhalte helfen später.
- Bewahre Protokolle, Quittungen und alle Schreiben der Behörde auf.
- Lass dich bei Fragen zum Verfahren von einer Anwältin oder einem Anwalt für Verkehrsrecht beraten.
Wird eine Geldbuße nach § 24a Abs. 1a StVG festgesetzt, ist nach § 25 Abs. 1 Satz 2 StVG in der Regel auch ein Fahrverbot anzuordnen. Die sicherste Entscheidung ist, nach Cannabiskonsum nicht ans Steuer zu gehen. Das gilt unabhängig davon, ob sich der Konsum später nachweisen lässt.
Häufige Fragen
Wer nimmt die Blutprobe bei einer Polizeikontrolle ab?
Die Blutentnahme darf nur ein Arzt nach den Regeln der ärztlichen Kunst vornehmen (§ 81a Abs. 1 StPO). Die Untersuchung der Probe erfolgt danach im Labor. Das Ergebnis zeigt die THC-Konzentration im Blutserum. Fragen zum Ablauf im Einzelfall klären die zuständige Stelle oder eine Anwältin beziehungsweise ein Anwalt für Verkehrsrecht.
Zeigt die Blutprobe, wann ich konsumiert habe?
Nicht direkt. Die Blutprobe misst die Konzentration zum Zeitpunkt der Entnahme. Wann konsumiert wurde und wie lange der Stoff nachweisbar bleibt, lässt sich daraus nicht sicher ableiten. Deshalb nennt dieser Artikel bewusst keine pauschalen Zeitangaben.
Was gilt, wenn ich ein Arzneimittel nehme?
Nach § 24a Abs. 4 StVG gilt eine Ausnahme für Wirkstoffe aus der bestimmungsgemäßen Einnahme eines für einen konkreten Krankheitsfall verschriebenen Arzneimittels. Sag das bei der Kontrolle und halte die Verschreibung bereit. Ob die Ausnahme im Einzelfall greift, prüft die zuständige Stelle.