Woran erkennen Lehrkräfte Cannabiskonsum im Unterricht?
Lehrkräfte können Cannabiskonsum im Unterricht meist nicht sicher erkennen. Was sie wahrnehmen, sind Veränderungen: nachlassende Konzentration, schwächere Leistungen, Müdigkeit oder auffällige Gesundheitsbeschwerden. Solche Anzeichen können viele Ursachen haben. Sie sind deshalb ein Anlass für ein Gespräch, keine Diagnose. Wer sachlich beobachtet und dokumentiert, schafft die beste Grundlage für eine Lösung.
Konzentration und Leistung
Die Präventionsseite cannabispraevention.de nennt als Folge häufigen Konsums, dass die Konzentration gestört wird. Das kann auch zu Problemen in Schule und Ausbildung führen. Ein Artikel zu den Folgen für Gedächtnis und Schulabschluss erklärt die Zusammenhänge genauer: Wie wirkt Cannabis auf Gedächtnis und Schulabschluss?. Bei manchen starken Dauerkonsumenten sind Gedächtnis und Konzentration beeinträchtigt. Laut Suchtschweiz verschwinden diese Beeinträchtigungen größtenteils wieder, wenn der Konsum eingestellt wird.
Wer dauerhaft müde wirkt und Stoff schlechter behält, kann viele Gründe haben. Cannabis ist einer davon, ebenso Stress, Schlafmangel oder andere Belastungen. Deshalb sollte die Lehrkraft nicht vorschnell ein Urteil fällen und die Veränderung festhalten.
Schlaf und Entzug
Wer regelmäßig konsumiert und dann aufhört, kann Entzugssymptome bekommen. Laut drugcom treten sie meist 24 bis 48 Stunden nach dem letzten Konsum auf. Zu den genannten Symptomen zählen Schlafprobleme und wirre Träume. Die Ausprägung ist sehr unterschiedlich. Ein Schüler, der plötzlich schlecht schläft und unruhig wirkt, kann eine Ursache im Konsum haben, muss es aber nicht. Die Lehrkraft sollte die Beobachtung weitergeben und nicht selbst eine Diagnose stellen. Das schützt beide Seiten, den Schüler und die Lehrkraft. Wer die Beobachtung in Stichpunkten festhält, hat sie beim Gespräch griffbereit.
Atemwege und Konsumform
Wer Cannabis raucht, kann Beschwerden an den Atemwegen entwickeln. Laut infodrog besteht ein Risiko für Entzündungen der Atemwege, Kurzatmigkeit, chronischen Husten und Bronchitis. Wird Cannabis mit Tabak gemischt, gelten die Risiken des Tabakkonsums, und das Risiko einer Nikotinabhängigkeit steigt. Drugcom hält dagegen fest, dass es zu vermehrten Atemwegserkrankungen durch Cannabisrauchen noch keine eindeutigen Belege gibt und unklar ist, ob Beschwerden auf den Tabakrauch zurückgehen. Ein chronischer Husten im Unterricht ist deshalb ein unspezifisches Zeichen und beweist nichts über den Konsum.
So beobachtest du sachlich
- Notiere konkrete Beobachtungen mit Datum, Fach und Situation.
- Unterscheide, was du gesehen hast, und was du vermutest.
- Sprich zuerst mit der Schulsozialarbeit oder der Beratungslehrkraft.
- Führe ein Gespräch mit dem Schüler, ohne Anschuldigungen. Hilfreiche Formulierungen findest du im Artikel Wie spricht man als Lehrkraft einen Schüler mit Cannabis an?.
- Bitte bei Bedarf die Eltern zu einem gemeinsamen Gespräch dazu.
Diese Schritte helfen, Verdacht und Tatsache auseinanderzuhalten. Sie schützen den Schüler und die Lehrkraft gleichermaßen.
Wann ein Gespräch sinnvoll ist
Ein Gespräch ist schon dann sinnvoll, wenn sich Leistung oder Verhalten über längere Zeit verändern. Entscheidend für die Einordnung sind laut drugcom die negativen Folgen, nicht allein die Menge. Die Frage, ob der Konsum bereits negative Folgen nach sich gezogen hat, hilft deshalb mehr als eine Zahl. Wer einen Schüler begleitet, sollte also auf Folgen achten und nicht nur auf Mengen. Das BIÖG nennt als typische Anzeichen einer Sucht unter anderem plötzlich schlechtere Leistungen, unentschuldigtes Fehlen, Zuspätkommen, vergessene Hausaufgaben, unruhiges Verhalten, Veränderungen im Freundeskreis, Rückzug und Ausreden. Schlechte Laune und Unlust bedeuten laut BIÖG nicht automatisch, dass jemand kifft. Ein Hinweis auf Unterstützung gehört in jedes Gespräch, und der Artikel Wann ist professionelle Hilfe bei Cannabis sinnvoll? beschreibt, wann der nächste Schritt fällig ist.
Vor dem Gespräch mit Eltern
Bevor Eltern angesprochen werden, sollte klar sein, was genau beobachtet wurde. Eine Lehrkraft gibt Vermutungen nicht als Tatsachen weiter. Hilfreich ist ein kurzes Vorgespräch mit der Schulsozialarbeit, um die Wortwahl abzustimmen. Im Gespräch geht es um die Beobachtung, um das Wohl des Kindes und um die nächsten Schritte. Eine ruhige, konkrete Sprache hilft, beim Sachverhalt zu bleiben.
Nach dem Gespräch hilft eine kurze Notiz, was vereinbart wurde. Wer den Verlauf festhält, kann beim nächsten Termin an den Stand anknüpfen.
Prävention im Unterricht
Das BIÖG nennt eine sachliche und differenzierte Ansprache der Jugendlichen als wichtig. Nach Angaben von cannabispraevention.de sind die Risiken für Jugendliche besonders hoch. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit (BIÖG) weist darauf hin, dass sich das junge Gehirn in einer wichtigen Entwicklungsphase befindet. Der Artikel Schadet Cannabis dem jungen Gehirn? fasst diesen Punkt für den Unterricht zusammen. Schulsozialarbeit und Beratungslehrkräfte können solche Inhalte in Gespräche und Projekte einbringen.
Häufige Fragen
Kann eine Lehrkraft Cannabiskonsum sicher erkennen?
Cannabiskonsum lässt sich im Unterricht nicht sicher feststellen. Veränderungen bei Konzentration, Schlaf oder Leistung können viele Ursachen haben. Deshalb sind diese Anzeichen ein Anlass für ein Gespräch mit dem Schüler, der Schulsozialarbeit oder den Eltern, keine Diagnose.
Welche Folgen von Cannabis sind für den Unterricht besonders wichtig?
Laut cannabispraevention.de stört häufiges Kiffen die Konzentration, was Probleme in Schule und Ausbildung nach sich ziehen kann. Bei Entzug können Schlafprobleme und wirre Träume auftreten. Chronischer Husten ist unspezifisch und kann viele Ursachen haben, auch das Rauchen von Tabak. Alle diese Zeichen brauchen eine sachliche Einordnung im Gespräch.